von Mauzi | Nov. 16, 2025 | Beiträge ohne Diabetes
Was ein Triathlon ist, wissen sehr viele Personen. Was der Austria Extreme Triathlon (Website, Instagram) ist, schon nicht mehr so viele. Zu den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen kommen noch ein paar „Kleinigkeiten“ dazu. Schwimmen in einem Fluss. Zwar im Staubereich dennoch gibt es eine Strömung. Beim Radfahren und Laufen darf man dann noch ein paar Höhenmeter naschen. Und weil das noch nicht genug ist, liegt der Start und das Ziel ca. 220 km auseinander. Verrückt? Extrem!
Warum kein normaler Triathlon?
Ich finde einen normalen Triathlon einfach nur langweilig. Bitte nicht falsch verstehen. Die sportliche Leistung jedes Athleten ist beeindruckend. Aber mit tausenden anderen ins Wasser zu springen und sich im Wasser zu prügeln interessiert mich nicht. Ich habe nicht den Anspruch zu gewinnen oder besser zu sein als jemand anders. Ich will mein Bestes geben und Spaß haben. Außerdem bin ich bereits bei so vielen Wettbewerben am Start gestanden, dass ich diese Massenstarts nicht cool finde. Es ist einfach irre viel los und Stress pur. Es kommt mir immer ein wenig vor wie eine Prüfung und alle haben Angst nicht genug gelernt zu haben. Dabei sollte es ganz anders sein. Man sollte sich freuen, dass es endlich losgeht und man das tun kann, worauf man sich Monate vorbereitet hat. Der Austria Extreme Triathlon ist familiärer als ein Massenevent dafür aber um eine Spur anstrengender.
Und das ist der Grund, warum ich das machen möchte. Ich war als Supporter dabei, ich durfte die Staffel absolvieren und dann fehlt logischerweise der Einzelstart. Mittlerweile müsste auch jeder mitbekommen haben, dass ich es gerne ans Limit treibe. Mir macht es Spaß meine Grenzen immer wieder aufs Neue kennenzulernen und zu verschieben. Ich finde es beeindruckend wie viel möglich ist und was ich leisten kann. Wird es eine Challenge? Mit Sicherheit. Werde ich fluchen und mich im Training fragen, warum ich mir das angetan habe? Absolut. Wird es Spaß machen? Logisch. Vielleicht nicht immer, aber meistens. Werde ich es schaffen? Das ist mein Ziel. Es geht mir um keine bestimmte Zeit oder Platzierung. Alles egal. Durchkommen, Spaß haben und genießen. Mit Beständigkeit und meinem eisernen Willen zieh ich das durch. Erst das Training und dann den Triathlon. Aus Erfahrung weiß ich, dass das Training eh härter ist! 😉
Die Hürden
Diabetes
Erste Hürde und an die habe ich gar nicht so gedacht. Diabetes. Wie mach ich das beim Schwimmen? Mit Pumpe und Handy im Neopren? Ohne Pumpe und Handy im Blindflug? Gebe ich mein Handy jemanden im Boot und hoffe darauf, dass das Boot bei mir bleibt? Sollte ich dazwischen etwas essen/ trinken oder wird es auch ohne gehen. Was könnte passieren, wenn ich meine Sachen mitnehme und sie kaputt werden? Oder ich nehme es nicht mit und es passiert deswegen etwas. Dann ist das Rennen zu Ende bevor es begonnen hat. Wie wird es am Rad und beim Laufen dann laufen? Wie viel Kohlenhydrate muss ich aus Diabetessicht konsumieren und wie viel, um nicht auszubrennen. Wen fordert es mehr. Mein Equipment oder mich?
Mein Diabetesmanagement werde ich mit Othmar Moser auf der Diabetes & Sportambulanz am LKH Graz in Angriff nehmen. Othmar kenne ich seit meiner Diagnose Diabetes. Ich war in unzähligen seiner Studien und durfte schon viel lernen. Gemeinsam werden wir eine Strategie fürs Training und dann Tag X aufstellen. Seine Erfahrung & Fähigkeiten und mein Selbstvertrauen ist eine Mischung, die mich sicher ans Ziel bringen wird. Ich freue mich jetzt schon auf die Gespräche, die Auswertungen und dann auf das gemeinsame Glas Sauvignon Blanc nach dem Triathlon.
Schwimmen
Als Kind bin ich viel und sogar ganz gut geschwommen. Irgendwann wars dann aber vorbei und ich habe das nicht weiterverfolgt. Das darf ich nun wieder ganz neu lernen. Also eigentlich die Technik im Kraulen. Schwimmen kann ich noch immer. Und tauchen wie ein Stein. Das wars dann schon. Mit Ana habe ich eine fantastische Trainerin gefunden und sie wird mir das schon beibringen. Außerdem habe ich dann eh 2:15 Stunden Zeit, um die Strömung der Mur zu genießen. Ich habe also den leichteren Teil erwischt. Lernen wie es geht, üben, üben, üben und dann einfach ins Wasser steigen, tief durchatmen, alles, was ich gelernt habe, vergessen und ums Überleben kämpfen. Klingt machbar, oder?
Radfahren & Laufen
Beim Radfahren und Laufen schaut die Sache anders aus. Da benötigt es wenig technisches Verständnis. Hier sind „nur“ die Distanz und die Höhenmeter eine Hürde. Es ist dann doch ein ganz schönes Stückchen von Graz zum Dachstein. Und darauf freue ich mich am meisten. Ich stell mir vor wie schön es ist bei perfektem Wetter einmal quer durch die Steiermark zu radeln und dann zu laufen. Dazwischen gibt es kohlenhydrathaltige Snacks, schöne Aussicht und jede Menge Spaß. Bestimmt wird es auch super anstrengend. Aber wen juckts. Es macht jeder Teilnehmer freiwillig. Und alleine ist auch niemand.
Alles gute Fragen die ich mir erst seit kurzem stelle. Bis zum 20.06.2026 sollte ich dann die Antworten haben. Bedeutet für mich ich habe nun etwas mehr als 8 Monate Zeit um es auszuprobieren und dann einfach zu machen.
Die Unterstützung
Triathlon Trainingsplanung
Ohne Unterstützung wäre so ein Projekt binnen 8 Monate zu stemmen nicht möglich. Ok für mich kann niemand anderes trainieren, Technik lernen und dranbleiben. Es kann mir auch niemand die mentalen Fähigkeiten einfach so geben, dass ich genug Biss habe es durchzuziehen. Daher habe ich mich entschieden Sportmed Graz zu bitten meine Trainingssteuerung zu übernehmen. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit Chris und Ana gemacht. Sie haben den schweren Part sich das Training zu überlegen, wie sie mich bis Juni so fit bekommen, dass ich es wie einen Spaziergang im Park wirken lasse. Ich brauch dann auch nur mehr trainieren. Mein Lieblingspart bei solchen Projekten. Einfach das Umsetzen was mir die Profis sagen.
mylife Diabetescare
Wie auch schon beim Transalpine Run werde ich beim Austria Extreme Triathlon von mylife unterstützt. Nicht nur mit dem AID-System (Insulinpumpe, Sensor, App), sondern auch von vielen sehr freundlichen Mitarbeitern, die wie ich gut gelaunt sind und wissen, was alles möglich ist. Gemeinsam möchten wir zeigen, dass Diabetes auch eine Motivation sein kann. Eine Motivation erst recht das zu tun, was ich machen möchte. Nicht nur mir selbst sondern auch anderen zeigen kann, dass Vieles möglich ist. Und das finde ich ist eine schöne Sache. Seitdem ich das mylife System benutze, habe ich festgestellt, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Ich glaube da geht noch mehr und wir werden sicher noch einige gemeinsame Projekte gemeinsam machen. Schon mal danke für alles was bisher war und was noch kommen wird.
Der Supporter
Ganz besonders freut es mich, dass mich Marko begleiten wird. Das freut mich auch deswegen, weil wir schon gemeinsam einen Marathon in Sevilla gelaufen sind und ich ihn da begleiten und unterstützen durfte. Dieses Mal drehen wir den Spieß um und er darf sich um mich kümmern. Das ist das schöne am Sport. Er verbindet Menschen miteinander und lässt Freundschaften entstehen. Und schon mal entschuldige Marko, wenn ich zwischendurch fluche. Ich bin mir fast sicher, dass das passieren wird 😉
Los gehts
Ich freue mich auf dieses Abenteuer. Auf das Training, das Blutzuckermanagement, die Herausforderung alles unter einen Hut zu bekommen und und und. Am besten du folgst mir auf Instagram und begleitest meine Reise vom Schwimmen wie ein Stein über Radeln wie Lance Amstrong und Laufen wie Speedy Gonzales. Wenn du was wissen möchtest oder Tipps hast, dann rein damit in die Kommentare. Ich freue mich auch über Likes oder wenn der Beitrag geteilt wird. Bis bald 🙂
von Mauzi | Sep. 22, 2025 | Beiträge mit Diabetes
7 Tage hintereinander zu laufen ist eine Sache. Das ganze dann noch in und über die Alpen ist nochmal ein Stück heftiger. Und wenn das dann noch mit Diabetes Diabetes Typ 1 absolviert wird, ist das wohl die Kirsche auf der Torte. Vielleicht stellst du dir nun die Fragen wie sieht da das Blutzuckermanagement aus? Wie viele Kohlenhydrate müssen gegessen werden. Welches Insulin wird verwendet? Welche Menge, wann wird es abgegeben, welches System wird genutzt. Dann bleib dran. Ich werde in den nächsten Zeilen darauf eingehen und versuchen es so gut wie möglich zu erklären. Vorab möchte ich aber darauf hinweisen, dass das meine Erfahrungen sind und ich die Behandlung in dem Moment so entschieden habe. Ich stand dennoch in ständigem Kontakt mit Othmar Moser. Er hat mich aus der Ferne beraten und gemeinsam haben wir über die Behandlung entschieden.
Blutzuckermanagement beim Lauf

Vorab die Erklärung zum Screenshot & Allgemeines
Bevor wir loslegen, erkläre ich noch das Bild. Die schwarzen und weißen Punkte sind die Sensorwerte. Der horizontale graue Balken, in dem sich die Werte die meiste Zeit befinden, ist der Zielbereich (70-180 mg/dl). Die blaue Linie ist die Basisinsulinversorgung. Diese wird vom Loop anhand der Sensorwerte bestimmt und an die Insulinpumpe übermittelt. Die blau strichlierte Linie ist die programmierte Basisinsulinversorgung. Für den Fall, dass der Loop ausfällt. Die Zahlen in den Blasen sind Kohlenhydrate (schwarz) bzw. die abgegebenen Insulineinheiten (blau). Vertikale gelbe (Ease-Off) bzw. rote Balken (Boost) sind Zusatzfunktionen im Loop. Diese Funktionen führen zu einer Verminderung oder Steigerung der Insulinabgabe. Also der Loop wird gemütlicher in der Insulinabgabe oder aggressiver. Das war es fürs erste mit Erklärungen zum Bild. Was Unter (Hypoglykämie)- bzw. Überzucker (Hyperglykämie) ist könnt ihr hier nachlesen.
Sofern ich es nicht explizit in einer Erklärung erwähne, war mein Zielwert während der Etappen immer auf 120-150 mg/dl eingestellt. Die Alarme für einen Hypo hatte ich auf 100 mg/dl gesetzt. Das war stets in Abstimmung mit Othmar geschehen. Außerdem hatten wir 7 Tage Zeit, um uns ein bisschen zu spielen. Ab Tag 3 habe ich in der Nacht einen Zielwert von 120 mg/dl eingestellt. Dies diente dazu Hypos und eine Gegenregulation zu vermeiden. Meine Ernährung war zum Frühstück meistens etwas mit Vollkorn, sofern es das gegeben hat oder Müsli. Beim Laufen selbst war es eine Mischung aus Zuckersirup aus der Tube (a 36g), Proteinriegel (50g Protein, 23 g Kohlenhydrate), Maoam, Cola oder Lower Carb Proteinriegel (11g Kohlenhydrate). Geschmäcker die ich aktuell weniger (gar nich!) konsumiere, Schokolade, Vanille und die Kombination davon und auch Cola.
Jetzt gehts los 😉
Am Vorabend des Starts in das 7 Tage Rennen gab es wie üblich vor Läufen eine Pasta Party. Erstmal richtig Kohlenhydrate schaufeln und dem Briefing lauschen. Mein Essen habe ich mit einer App zusätzlich zum Loop aufgezeichnet. So konnte ich die enthaltenden Kohlenhydrate bestimmen. Die Pasta war mit 96 g eine gute Portion für ein recht spätes Abendessen. Die 4 g danach waren glaube ich eine Mini Manner Schnitte, welche auf meinem Kopfpolster lag. Die Nacht war ok bis ca. Mittenacht. Dann kam es zu einem Hypo. Was eine Gegenregulation zur Folge hatte und meinen BZ wieder ansteigen ließ. Frühstück gab s um kurz nach 6 Uhr. Hier habe ich mehr gegessen als üblich und dafür weniger Insulin abgegeben als normal. Das führte zu einem schönen Anstieg wie man an der Kurve erkennen kann. Zusätzlich verwendete ich zu erst die Ease-Off Funktion und später dann den Boost.
Durch Ease-Off stieg mein Wert auf knapp über 300 mg/dl. Obwohl meine Werte schon erhöht waren, begann ich zu essen. Zum einen war das mit Othmar abgesprochen zum anderen ist es notwendig genug Kohlenhydrate und Kalorien zu konsumieren. Als ich die Boost Funktion aktiviert hatte, fiel mein BZ rasch ab. Trotz ständigem Essen und Trinken bekam ich knapp einen Hypo. Der Screenshot ging an Othmar. Bevor er geantwortet hatte, wusste ich bereits, dass das Einschalten des Boost Modes den Hypo herbeigeführt hatte. Ein Fehler der passiert ist und glücklicherweise ohne große Folgen blieb. Der Start war um 8 Uhr und wir waren um kurz vor 15 Uhr im Ziel. Dort konnten wir mit einem alkoholfreien Bier auf den ersten Tag anstoßen. Zum Abendessen gab es dann Käsespätzle. Also wieder ordentlich Kohlenhydrate zum Auffüllen der Speicher für die nächsten Tage.
Weiter gehts

Ich würde ja behaupten die erste Nacht nach dem Lauf war eine erholsame, aber das war es leider nicht. Ich habe mich beim Abendessen mit der Menge der Kohlenhydrate verschätzt und bekam dadurch einen Hypo. So eine Hypo Nacht ist nicht besonders angenehm. So kam es, dass ich schon sehr geschlaucht zum Frühstück und zum Start ging. Dieses Mal gab ich gar kein Insulin fürs Frühstück ab. Mein BZ (Blutzucker) kletterte auf knapp 200 mg/dl und fiel dann von selbst ab. An diesem Tag war der Start wieder um 8 Uhr. Ich nutzte fast die gesamte Zeit den Ease-Off Mode und musste dennoch ordentlich dazu futtern. Am zweiten Tag habe ich festgestellt, dass mein Körper weit mehr an Nahrung benötigt als ich mir vorgestellt hatte. Um ca. 14:30 waren wir im Ziel und es gab Nudelsalat und alkoholfreies Bier zur Belohnung.
Blutzuckermanagement bei der Königsetappe

Die Königsetappe hatte knapp 50 km und 3.400 Höhenmeter. Start war schon um 6 Uhr. Nachdem ich die Nacht davor immer im Hypo war, war diese Nacht genau das Gegenteil. Ich war immer im Hyper. Auch nicht viel besser, aber ich konnte durchschlafen und musste nicht in der Nacht essen. Warum der Loop mich nicht in den Zielbereich gebracht hat, ist einfach zu erklären. Weil die Nacht davor dauernd zu tief war versuchte er mich diese Nacht höher zu lassen damit ich nicht das gleiche Problem nochmal habe. Das Frühstück war um kurz nach 4. Wieder gab ich kein Insulin ab und mein BZ stieg nicht wesentlich weiter an. Wir machten uns auf den Weg und rechneten mit einer Zeit von 10 Stunden. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten war, dass mein BZ einwandfrei funktionieren und es und extrem gut gehen wird.
Wir waren nach 8:26 Stunden im Ziel. Deutlich schneller als geplant. Wir konnten einige Teams überholen und viel an Zeit gut machen. Uns kamen die technischen Downhillpassagen zugute. Auf denen ließen wir es richtig krachen. Dadurch das mein BZ auch so gut mitspielte war es noch einfacher. Das Einzige, was interessant war, war dass ich nach ca. der Hälfte meine Ketone gemessen habe. Diese waren erhöht. So musste ich kurzfristig einen manuellen Bolus abgeben und dann ordentlich futtern damit ich keinen Hypo bekomme. Die zusätzliche Energie haben wir gut genutzt und sind flott vorangekommen. Im Ziel gab es dann eine kleine Jause und alkoholfreies Bier. Weil ich das erste Bier vergessen hatte einzugeben und Insulin zu spritzen hatte ich einen ordentlichen BZ-Anstieg gefolgt von einem Hypo. Der rote Punkt beim Hypo ist eine blutige Kontrollmessung mittels Fingerstich und diente auch zur Kalibrierung des Sensors.
Bergsprint

Am vierten Tag war der „Ruhetag“. Bedeutet es waren „nur“ 9,3 km mit 1.300 Höhenmetern auf den Gotschnagrat. An diesem Tag regnete es die ganze Zeit, es ging Wind und war kalt. Nicht die schönsten Bedingungen aber egal. Wir hatten nichts Besseres zu tun als zu laufen 😉 Für mein Frühstück um 07:30 gab ich knapp 40% an Insulin ab. Ich ließ den Loop einfach arbeiten und wusste, dass ich kurz vorm Ziel einen Wert in Richtung Hypo haben werde. Start war um 09:15 und im Ziel waren wir um kurz vor 11. Dort schnappte ich mir gleich einen Riegel und wir liefen direkt zur Bergstation, um uns Umzuziehen und die Gondel ins Tal zu nehmen. Weil ich für den Riegel kein Insulin abgegeben hatte, schoss mein BZ auf knapp 400. An diesem Tag entschied ich mich dazu, dass der Loop das richten muss und griff nicht ein.
Wie man sieht, hat das super funktioniert und ich kam gut in den Zielbereich. Das Abendessen und die Nacht verliefen ruhig. Am Abend wurde uns beim Briefing für den nächsten Tag mitgeteilt, dass die Strecke aufgrund des anhaltenden schlechten Wetters verkürzt wird. Die Strecke war von 38 km auf 15 km reduziert worden. Es war zu gefährlich auf bis zu 2.700 m Seehöhe aufzusteigen. Die Temperaturen wurden auf bis zu -8°C vorhergesagt. Definitiv kein Wetter bei dem 600 Athleten über einen Berg laufen sollten.
Verkürzter Tag

Nachdem schon bei dieser Etappe die Höhen ausgelassen wurden, galt das auch für mein Blutzuckermanagement. Das Besondere an diesem Tag war, dass sich mein Smartphone selbst gesperrt hatte und ich es während des gesamten Laufes nicht nutzen konnte. Ich musste also blind dem Loop vertrauen. Erst war ich genervt und verärgert, dann war ich sogar richtig froh darüber. Ich hatte mich nur auf die Alarmsignale verlassen und wusste dann, dass ich Zucker benötige. Wir sind um kurz nach 10 Uhr gestartet und waren um kurz vor 12 im Ziel. Wie man sieht, hat der Loop sogar besser gearbeitet, als wenn ich eingreife. Ab diesem Tag ließ ich viel mehr den Loop selbst arbeiten und griff nicht mehr so häufig ein. Das war für mich eine Erkenntnis, die den Lauf wirklich entspannter gemacht hat. Es waren auch nur mehr 2 Tage zu laufen.
Vorletzter Tag

Nachdem es uns bisher gut gegangen ist, haben wir uns für Tag 6 überlegt, welche Zeit wir anstreben werden. Wir gingen von knapp 6 Stunden aus. Start war um 8 Uhr. An diesem Tag lief wieder alles besser als gedacht und auch mein BZ war guter Dinge. Ich war super zufrieden mit dem Blutzuckermanagement. Gegen Ende nahm ich einen Leistungsabfall wahr. 6 Tage laufen machten sich langsam aber sicher bemerkbar. Wir schlossen diesen Tag in knapp 5:26 Stunden ab. Damit waren wir wieder schneller als geplant. Im Ziel sah ich an meinen Beinen hinab und musste feststellen, dass sie deutlich geschwollen waren. Außerdem schmerzten sie auch. Durch die vielen Höhenmeter rauf und runter traten nun Überbelastungserscheinungen auf. Glücklicherweise nahm mir der Loop das Blutzuckermanagement ab und ich musste mich nicht darum sorgen.
Das Finale

Der letzte Tag begann für mich bereits mit heftigen Schmerzen in den Schienbeinen. Der Übergang von den Schienbeinen auf die Knöchel war nicht zu sehen. So geschwollen waren meine Bein. Außerdem hatte ich in der Nacht einen Hypo und war auch deswegen nicht besonders erholt. Die Etappe startete um 8 Uhr. Wir reihten uns eher weiter hinten ein. Die ersten 10 km waren nur bergauf. Knapp 1.800 Höhenmeter waren am Stück bis zum höchsten Punkt auf ca. 3.000 m Seehöhe zu bewältigen. Mit dem Aufstieg stieg auch mein Zucker. Der Loop fiel auch aus und ich lief auf der voreingestellten Basisversorgung. Das funktionierte sehr gut. Als es zum Downhill kam, musste ich feststellen, dass mein BZ das kleinste Problem ist. Meine Beine schmerzten derart, dass ich erstmals im Rennen zu zweifeln begann und mich auf einen extra langen Tag einstellte. Es würde ein Rennen gegen das Zeitlimit werden. Doch dann hatte ich eine Idee.
Bevor wir zur zweiten Verpflegungsstation kamen, nahm ich eine Schmerztablette. In meiner gesamten Laufkarriere war das das erste Mal, dass ich zu so einem Hilfsmittel griff. Erst wurde ich müde und die Schmerzen wurden schlimmer. Nach 30 Minuten und der Verpflegung wurde es besser und ich konnte sogar wieder laufen. Mein BZ war auch in Ordnung und wir steigerten wieder das Tempo. Mit dem guten Blutzuckermanagement und dem Ziel vor Augen konnten wieder Tempo aufnehmen. Es ging besser und ich freute mich auf das erste normale Bier seit Wochen. Per WahtsApp wurde mir Mut zugesprochen und Peter nahm mir bergab meinen Rucksack ab. Damit wurde alles leichter und wir flogen ins Ziel. Nach 7:15 Stunden hatten wir es geschafft. Es war unglaublich. Wir waren erleichtert, dass alles so gut geklappt hat und es uns so gut gegangen ist.
Fazit zum Blutzuckermanagement
Ich bin mit dem Blutzuckermanagement wirklich sehr zufrieden. Es hat bis auf Kleinigkeiten super funktioniert. Ich habe mich absolut wohl gefühlt und bin ziemlich sorgenfrei gelaufen. Dass es ab und zu mal nicht klappt ist einfach so. Das ist wie immer im Leben und gehört ein bisschen dazu. Ich habe gelernt je mehr ich auf den Loop vertraue, desto besser funktioniert es und macht seine Arbeit. Mittlerweile bin ich viel lockerer im Umgang damit und lasse den Loop einfach arbeiten. Es gibt mir mehr Freiheit und ich bin nicht mehr so gestresst. Ich habe jetzt mehr Zeit für andere Sorgen 😉 Hast du noch Fragen zum Blutzuckermanagement oder zum Loop? Infos zur Insulinpumpe findest du hier zum Loop findest du die Infos hier. Ansonsten schreib mir doch gerne einen Kommentar dazu, lass ein Like da oder teile den Artikel. Ich freue mich auf deine Rückmeldung.
An dieser Stelle möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich hier keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen abgebe. Es sind meine Erfahrungen und Berichte im Umgang mit meinem Blutzuckermanagement. Wenn du gezielte Therapiemöglichkeiten benötigst, besprich diese bitte mit deinem Arzt oder Diabetesberater. Es gibt mittlerweile internationale Trainingsempfehlungen mit Diabetes. Diese Empfehlungen gibt es für die meisten gängigen Loops und wurde von international anerkannten Wissenschaftlern in Studien ermittelt und verfasst. Ich habe mich persönlich an diesen Guidelines orientiert und es in Rücksprache individuell angepasst. Bei konkreten Fragen hilft dir dein Arzt oder Diabetesberater sicher gerne weiter. Viel Spaß beim Training mit Diabetes. Lass dich nicht unterkriegen und denk immer daran, Diabetes ist kein Hindernis deinem Hobby nachzugehen.
Vorschau
Im nächsten Artikel werde ich von meinen mentalen Tricks berichten. Wenn du schon Fragen dazu hast, dann rein damit in die Kommentare 😉
von Mauzi | Sep. 16, 2025 | Beiträge mit Diabetes, Veranstaltungsbeiträge
So schnell ist eine Woche vorbei und der Transalpine Run 2025 ist Geschichte. Was war das für eine schöne Woche. Voller Höhen und glücklicherweise mit wenig Tiefen. Auch wenn ich euch immer wieder Einblicke in den Lauf und den Alltag gegeben habe, möchte ich es hier nochmals machen. Ich möchte nicht nur Einblicke geben, sondern dich auch fragen, ob du konkrete Fragen hast. Wie war es mental? Welche Tricks habe ich angewendet. Körperlich, mit meinem Diabetesmanagement usw. Lass einfach einen Kommentar hier. Heute gibt es den Breicht der 7 Tage, das Blutzuckermanagement und meine mentalen Tricks folgen in den nächsten Tagen/Wochen.
Viel Spaß beim Lesen meiner Eindrücke.
Die Vorbereitung
Meine Vorbereitung für den TAR2025 lief bis Juni ganz gut und dann gar nicht mehr. Ich habe immer wieder mal mein Schienbein gespürt und deswegen auch den Trainingsumfang verringert. Nachdem ich aber einige Veranstaltungen am Plan hatte, bin ich diese auch gelaufen. Irgendwann war es dann gänzlich zu viel und ich musste eine längere Pause einlegen. 3 Wochen habe ich nichts getan. Kein spazieren oder laufen. Nur Oberkörperkrafttraining habe ich gemacht. Insgesamt dauerte die Pause 12 Wochen. Ich habe mir nur ein Rennrad gekauft. Damit habe ich meine Ausdauer weitertrainieren und vielleicht auch noch verbessern können. Das Radfahren funktionierte ausgezeichnet und so war ich positiv gestimmt, dass auch der Transalpine Run eine eher mentale Herausforderung wird und die Ausdauer vorhanden ist. Ich wusste es aber bis zum Start nicht. Daher war ich seit langem wieder mal nervös vor einem Wettbewerb.
Zur weiteren Vorbereitung zählte Mentaltraining. Ich habe eine Ausbildung als Mentaltrainer abgeschlossen und einige Bücher speziell für Sportler gelesen. Das half mir mich auf den Lauf vorzubereiten. Ich visualisierte immer wieder, dass ich den Lauf schmerzfrei mit einem stabilen Blutzuckermanagement bestreiten werde. Bei jedem Wetter, mit Muskelkater, mit zwicken in den Gelenken. Jede Möglichkeit, die mir einfiel, habe ich versucht zu visualisieren und zu erleben. Ich habe nicht den perfekten Lauf geplant oder mir vorgestellt. Schlechtes Wetter und Probleme habe ich ebenso mit in das Mentaltraining genommen. Jede Eventualität, welche mir eingefallen ist, habe ich eingebaut. Mir war es wichtig so gut es geht vorbereitet zu sein. Damit konnte ich etwas entspannter bleiben. Dadurch habe ich auch sicher besser geschlafen die Tage davor. Falls du dich fragst ob es funktioniert hat, ja das hat es. Sehr gut sogar. Die Zeit, die mir durch das Laufverbot gegeben wurde nutzte ich dafür.
TAR25 der Lauf
Das Team
Ich trat im Team Mylife Runners an. Das Team bestand aus meinem langjährigen Freund Peter und mir. Mit Peter bin ich meinen ersten Marathon gemeinsam gelaufen und seitdem laufen wir immer wieder gemeinsam. Mehr oder weniger verrückte Veranstaltungen. Mehr oder weniger zum Gefallen von Peters Partnerin. Danke Heidi, dass du ihn hin und wieder für unsere Läufe herborgst 😉
Tag 1
Die letzten Sekunden werden heruntergezählt. 3.. 2.. 1.. STARTSCHUSS! Und 1000 Läufer setzten sich von Lech am Arlberg nach Bludenz in Bewegung. Die erste Etappe 39 km mit 2.300 Höhenmeter bergauf und 2.500 bergab. Es wären mehr gewesen, aber auf Grund von Regen und Schneefällen am Vortag musste die erste Etappe geändert werden. Das Ziel war klar. In den ersten beiden Tagen sich nicht abzuschießen. Also eher hinten im Feld starten und gemütlich den ersten Anstieg meistern. Bei den Downhillpassagen aufpassen und ebenso zurückhaltend bleiben. Zeit an die 7-8 Stunden laufen dann regenerieren. Der erste Tag lief bereits super. Unsere Zurückhaltung zu Beginn eskalierte bei den anspruchsvollen Downhills in puren Wahnsinn und wir liefen viel schneller als geplant. Nach knapp 6:40 Stunden waren wir im Ziel. Glücklich den ersten Tag überlebt zu haben und voller Vorfreude auf Tag 2. Ich spürte bereits meine Beine.
Tag 2
Der Startschuss fiel zum zweiten Mal und wir machten uns wieder auf den Weg. Von Bludenz nach Brand mit ein paar kleinen Umwegen im Hinterland. Anders wären wir aber auch nicht auf die Knapp 34 km mit über 2.000 Höhenmeter rauf und runter gekommen. Die Strecke startete durch die Stadt und über Asphalt 4 km bis zum Eingang in eine Klamm. Dort entstand bereits ein langer Stau und wir bereiteten uns schon auf den Aufstieg vor. Von dort weg ging es eigentlich nur mehr bergauf bis zum höchsten Punkt auf 1900 m Seehöhe. Vom höchsten Punkt ging es nach unten. Wieder mit einem Höllentempo krachten wir ins Tal. Wir konnten einige Leute überholen und vor allem am letzten Stück bergab gab es kein Halten mehr. Kurzerhand hab ich mich unfreiwillig auf meine 4 Buchstaben gesetzt. Nichts passiert, ab ins Ziel und regenerieren.
Tag 3 Königsetappe
Es stand die Königsetappe an. 49 km und über 3.400 Höhenmeter rauf nur 3.100 nach unten. Als hätten die ersten beiden Tage mit gesamt 72 km und über 4.000 Höhenmeter nicht schon ausgereicht. Ein Knall und das Starterfeld lief los. Wir spürten unsere Beine und mussten erst unser Tempo finden. Nach 2-3 km einlaufen waren wir wieder in unserem Renntempo und kamen gut voran. Bergauf waren wir flott aber nicht am Limit unterwegs. Das änderte sich als es wieder bergab ging. Beim ersten Downhill überholten wir gefühlt das ganze Starterfeld. Beim Gegenanstieg hatten wir dann wieder mehr Zeit und reduzierten das Tempo erneut. Wir hielten sogar kurz an. Ich führte Ketonmessungen durch und pfiff mir puren Zucker ins Kleinhirn. Nach 2-3 Minuten im Gehtempo bergab rief ich zu Peter „Ok, ready to rumble!“ Die Handbremse wurde gelöst und wir donnerten ins Tal. Geplante Zielzeit 10 h, Ankunft nach 8:26 h.
Tag 4 Bergsprint
Der Bergsprint gilt als „Erholungstag“. Grund dafür ist, dass es nur 9,4 km mit 1.300 Höhenmeter bergauf geht. Und es wäre auch wirklich ein Tag zum Erholen gewesen, wenn da nicht Regenwetter den Tag getrübt hätte. Der Start wurde immer früher angelegt damit möglichst alle trocken ins Ziel kommen. Leider hatte das Wetter die Idee auch früher mit dem Regen zu beginnen und es so lange regnen zu lassen bis auch der Letzte im Ziel war. Wir starteten gemütlich, ab der Hälfte der Strecke wurde es mir zu kalt und ich erhöhte das Tempo. Ich sah nicht mal zu Peter zurück, ich wusste er ist fitter als ich und bleibt dran. Bergauf ist nicht unsere Königsdisziplin aber die geplante Zielzeit von 2 h unterschritten wir dennoch. Zielzeit 1:42. IM Ziel sofort umziehen, ab in die Gondel, duschen umziehen, essen gehen, Massage und Powernap. Ruhetag eben.
Tag 5 verkürzte Etappe
Die Etappe musste aufgrund des Wetters deutlich verkürzt werden. Damit ergab sich ein zweiter Tag zum Erholen. Nur 15 km mit 750 Höhenmeter waren zu bewältigen. Zum Start musste man aber 2,5 km hinwandern. Der Start erfolgte fliegend. Sobald man ankam, lief man los. 3 h durften benötigt werden. Wir hatten wieder 2 h am Plan. Peter war besser drauf und ließ mich erst bergauf schnaufen und bergab sogar stehen. Die Folge er musste im Tal warten. Dann kam eine flache Passage auf Asphalt. Mag ich normalerweise. Bei Regen und nach 130 km in den Beinen mit über 8.000 Höhenmeter hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen. Die einzige Verpflegungsstation ließen wir aus und rannten weiter ins Ziel. Mein Handy entschied sich komplett zu sperren. Ich hatte keine Messwerte und durfte blind auf meinen Zucker vertrauen. Hat geklappt und nach 1:41 h waren wir komplett durchnässt im Ziel.
Tag 6
Ich dachte die Strecke wird auf Grund des Wetters der letzten Tage sicher wieder verkürzt. Falsch gedacht. Es waren 34 km und der höchste Punkt war auf knapp 2.700 m Seehöhe. Da ist die Luft schon ganz schön dünn. Der Start war in Zernez und es ging nach Scoul. Die ersten 2 km waren auf der gesperrten Bundesstraße, bevor es über einen Singletrail zum höchsten Punkt ging. Kurz vor dem Gipfel klingelte mein Telefon. Thunderstruck war zu hören gefolgt von einem, „Seas Andi bin im Urlaub. Spaziere gerade a bissl durch die Schweiz. Bin nächste Woche wieder da.“ Ich entschuldigte mich bei den restlichen Teilnehmern in meinem Umfeld, dass ich noch telefonieren konnte, während sie um Luft ringen musste. Einige kostete es ein Lachen. Am höchsten Punkt angekommen ließen wir es wieder krachen. 2 mal noch rauf und wieder runter und wir waren im Ziel. Geplant 6h Ziel 5:26h. Meine Schienbeine hatten aber gelitten. Ordentlich!
Tag 7 Das Finale
Der letzte Tag war vom Aufstehen weg mühsam. Meine Schienbeine schmerzten ordentlich. Es tat richtig weh. Mein Ziel war es ins Ziel zu kommen. Irgendwie. Wir gingen an den Start und platzierten uns weit hinten. Die Luft war erst mal draußen. Keine Zielzeit mehr geplant. Nur vor dem Zeitlimit ins Ziel kommen. Es gab nur einen großen Anstieg. Gleich zu Beginn. 10 km 1.800 m nach oben auf knapp 3.000 m Seehöhe. Knapp innerhalb des Zeitlimits erledigt. Der Downhill war die pure Qual. Peter und ich stellten uns auf einen langen Tag ein. Nach dem ultralangsamen Downhill beschloss ich am kurzen Anstieg eine Schmerztablette zu nehmen. Würde ich sonst nie machen, aber nach 200 km durch die Alpen beende ich nicht freiwillig das Rennen. Verpflegungsstation 2 immer noch im Zeitlimit. Die Tablette wirkt. Langsam konnten wir wieder Tempo aufnehmen und sogar laufen. Es sah zwar aus als hätte mich jemand angefahren, aber ich konnte laufen.
Während des Rennens dachten wir, dass wir eine der letzten sein werden, die ins Ziel kommen. Allerdings ging es mir dann zunehmend besser und wir wurden wieder schneller. Die Schmerzen wurden wieder erträglich. Laufen war wieder möglich. Das stimmte uns glücklich und wir kamen dem Ziel rasch näher. Nach 7:15 h waren wir im Ziel. Nach 7 Tagesetappen hatten wir eine Zielzeit 37:58:17,0 h für 223 km und 13.200 Höhenmeter benötigt. Wir beide sind glücklich es geschafft zu haben. Auch wenn es zwischendurch anstrengend war konnten wir viel mitnehmen, lernen, sehen und erleben. Ein unvergessliches Erlebnis.
Danke
An dieser Stelle möchte ich danke an alle sagen die uns unterstützt haben. Allen voran Mylife Diabetescare. Sie haben unser Startgeld beglichen und so unser Erlebnis erst möglich gemacht. Danke an Peter, dass er sich der Herausforderung gestellt und diese gemeinsam mit mir gemeistert hat. Ebenso ein Dankeschön an meine Familie, die mich aus der Ferne unterstützt haben. Danke auch an Othmar Moser. Das Blutzuckermanagement wurde durch ihn überwacht und er stand mit seiner Expertise erfolgreich zur Seite. Danke auch an die Organisatoren, die so ein Event veranstalten und es unvergesslich machen. Und danke auch an meinen Physiotherapeuten Peter, er hatte rasch Zeit sich mein Schienbein anzusehen, mich zum richtigen Arzt (auch ein Peter😉 ) zu schicken und das Training anzupassen. Und ein weiterer Dank geht an Christian Almer von der Sportmed Graz. Bis zu meiner Verletzung konnte ich erfolgreich nach seinem Plan trainieren und mich vorbereiten.
Das war der TAR
Das war der Transalpine Run 2025. Ein Erlebnis, welches mir sicher in Erinnerung bleibt. Ich hoffe, du hattest beim Lesen so eine Freude wie ich beim Laufen. Wie versprochen werde ich in den nächsten Tagen und Wochen noch ausführlicher über mein Blutzuckermanagement, mein mentales Training und Herausforderung sowie auf die Fragen von euch eingehen. Ich freue mich schon davon zu berichten und von dir zu hören. Schreib doch in die Kommentare was dich besonders interessiert. Teile den Beitrag und lass doch ein Like da. Und falls du noch andere Projekte nachlesen möchtest bist du hier richtig. Bis bald!
von Mauzi | Juli 8, 2025 | Beiträge ohne Diabetes
Was hat es mit dem Titel auf sich? Schon länger plane ich diesen Beitrag zu schreiben. Im Zuge meiner NLP Master und Mentaltrainer Ausbildung habe ich meine Diplomarbeit dazu geschrieben. In der Diplomarbeit ging es um die Bewältigung von Panikattacken (selbst erlebt), um die Entwicklung von Bewältigungs- und Erfolgsstrategien sowie das Beschreiben meiner Motivation. Ich möchte hier aber nicht meine Diplomarbeit präsentieren. Viel mehr möchte ich den Beitrag angelehnt an meine Diplomarbeit schreiben. Schon gespannt? Dann geht’s jetzt los.
Der Vergleich mit anderen
Wie realistisch ist es sich mit Berufssportler zu vergleichen und zufrieden mit den eigenen Ergebnissen zu sein? Nicht besonders, oder? Würde ich mich mit den Größen des Marathons oder Ultramarathons vergleichen, hätte ich gar nie begonnen zu laufen. Und der Grund dazu ist einfach. Meine Chance jemals einen World Major Marathon zu gewinnen ist nicht besonders hoch. Eher gewinne ich im Lotto, noch wahrscheinlicher werde ich von einem Blitz erschlagen. Also warum habe ich mit dem Laufen begonnen, wenn ich nicht gewinnen will? Was treibt mich an? Und warum bin ich der Meinung, dass mein größter Gegner ich selbst bin? Stellst du dir manchmal auch diese Fragen? Der Grund ist einfach. Es macht mir Spaß. Und ich laufe gerne bei der einen oder anderen Veranstaltung mit. Allerdings nicht um zu gewinnen oder mich mit Max Mustermann zu vergleichen. Sondern um mich mit mir selbst zu messen.
Ich habe gelernt es bringt mich nicht weiter oder motiviert mich, wenn ich gegen Max Mustermann oder Susi Sorglos im Vergleich stehe. Sie haben vielleicht mehr Zeit zu trainieren. Oder bereiten sich anders vor als ich. Möglicherweise haben sie auch bessere Voraussetzungen, weil sie schon länger oder härter trainieren. Vielleicht haben sie bessere Gene oder einfach einen besseren Tag als ich. Ich weiß es nicht. Und es ist mir auch egal. Sie stehen gleich wie ich an der Startlinie bei der gleichen Veranstaltung und wollen vermutlich das gleiche wie ich. Ihr Bestes geben. Oder auch einfach nur Spaß haben? Es könnte auch sein, dass sie sich ein persönliches Ziel gesetzt haben, welches sie erreichen wollen. Die ersten 5 km durchlaufen. Einen Marathon schaffen. Ihre persönlich beste Leistung abrufen. Sich selbst beweisen, dass sie alles schaffen können wenn sie wollen und dafür arbeiten.
Egal welches Ziel sie haben, es ist nicht meines. Daher kann ich mich gar nicht mit ihnen vergleichen. Es macht mich nicht glücklich, wenn sie vor mir im Ziel sind. Es macht mich auch nicht glücklich, wenn ich vor ihnen ins Ziel komme. Lange habe ich trotzdem auf die Platzierungen geachtet und mich gefreut, wenn ich unter den besten 10 war. Oder mal unabsichtlich auf einem Podestplatz gelandet bin. Und ja ich habe hart trainiert um gewisse Ziele zu erreichen oder daran zu scheitern. Irgendwann habe ich dann doch gelernt, dass es mir nichts bringt auf die Platzierung anderer zu schauen und mich zu vergleichen. Ich habe aufgehört damit und schlagartig hat mir laufen wieder viel mehr Spaß gemacht. Auch das Training ging leichter von der Hand. Mir wurde klar, wenn ich mich vergleichen möchte, dann nur mit mir.
Mein größter Gegner bin ich
Als ich aufgehört habe mich mit anderen zu vergleichen, habe ich festgestellt, dass ich nur einen Gegner habe. Das bin ich. Und das war nicht nur meine größte Erkenntnis, die ich gewonnen habe, sondern auch meine größte Sorge. Ich kann niemand anderen verantwortlich machen für meinen Erfolg oder das Ausbleiben davon. Es trainiert auch niemand für mich um besser zu werden oder, dass ich meine Fitness erhalten kann. Dafür muss ich selbst arbeiten. Bedeutet, aber auch ich kann mich nur mit mir selbst vergleichen. Und daran erkenne ich Fortschritt, Stagnation oder Rückschritt. Dabei wurde mir auch klar, dass ich nicht mit einer Trainingseinheit besser oder schlechter werde. Es ist die Summe von guten oder schlechten Einheiten, die es ausmachen. Mit dieser Einsicht wurde ein weiterer Skill freigeschaltet. Geduld. Eine Tugend, wenn man so will, dieich nicht kannte. Am liebsten habe ich immer alles gleich und sofort erledigt.
Von da an bin ich nur mehr für und gegen mich gelaufen. Egal ob im Training oder im Wettkampf. Selbst wenn es mir keinen Spaß gemacht hat, oder ich aufgeben wollte, wusste ich der Grund, warum ich aufhören will, ist weil ich nicht mehr mag. Selten habe ich ein Training abgebrochen. Noch seltener einen Wettkampf. Und wenn ich aufgehört habe, dann nur weil ich festgestellt habe, dass es meiner Gesundheit schaden würde weiterzumachen. Mein Ego habe ich dabei ausgeblendet. Das war in dem Moment, wo ich aufhören wollte, weil mein Schweinehund lieber zu Hause faul auf der Couch gesessen wäre, sich ein Bier und Burger einverleibt und anderen beim Sport zugesehen hätte. Das zu unterscheiden durfte ich auch lernen. Und dann begann ich mich mit mir selbst zu vergleichen. Nicht mehr mit anderen oder Ergebnislisten. Meine Siege gegen mich sind fast bei 100%.
Warum nur fast? Ganz einfach. Ich bin auch nur ein Mensch und keine Maschine. Manchmal habe ich einfach keine Lust und höre auf. Das passiert zwar selten, aber es kommt vor. Und das ist genauso gut wie ein Training, welches ich absolviert habe. Manchmal belohne ich mich damit aufzuhören oder ein Training erst gar nicht zu starten. Dann setze ich mich mit meinem Schweinehund in den Garten und genieße es faul zu sein. Es gehört dazu und tut mir gut. Außerdem denk ich mir, wenn ich mal wirklich nicht will, dann brauche ich eine Pause und gönne sie mir. Das Schönste an der Auszeit ist, ich kann sie mir leisten. Ich lebe nicht vom Sport. Viel mehr lebe ich dafür. Damit bleibe ich motiviert und möchte immer weitermachen. Solange ich gesundheitlich in der Lage bin.
Meine Motivation
Ich wurde schon des Öfteren gefragt was mich motiviert und antreibt einen Marathon zu laufen oder überhaupt so viel Sport zu treiben. Es ist die Freude an der Bewegung. Die Freude andere zu motivieren sich zu bewegen. Ihren Sport auszuüben und an ihren Zielen dranzubleiben und sie auch zu erreichen. Die Geschichten die Sport schreibt sind so vielseitig wie das Leben. Erfolg und Misserfolg liegen oft so knapp aneinander. Und nichts funktioniert ohne das andere. Erfolge motivieren mich weiterzumachen. Misserfolge motivieren mich härter zu arbeiten oder meine Ziele zu überdenken. Meine Ziele setze ich meistens realistisch und schaffbar, selten sind sie himmelhochtrabend und kaum zu bewältigen. Ich liebe die Herausforderung und mich selbst an meine Grenzen zu bringen. Die Komfortzone ist für mich ein Bereich, in dem ich mich oft lange genug aufhalte. Daher rührt meine Motivation. Mich selbst zu fordern und meine Grenzen zu erforschen oder zu verschieben.
Dann ist da noch mein treuer Begleiter Diabetes. Auch das ist für mich mehr Motivation als ein Hindernis. Es gibt genug Personen, die glauben das hindert mich im Alltag, oder im Sport. Ganz im Gegenteil. Es treibt mich an. Ich weiß, dass ich mehr bedenken und planen muss. Besser auf mich und meinen Körper schauen darf als Dagobert Durchschnitt. Ich sehe darin keinen Nachteil. Es ist meiner Meinung nach ein Vorteil. Ich kenne mich sehr gut. Meine Gefühlzustände oder wann ich Kohlenhydrate, Salz oder Wasser im Training/Wettkampf konsumieren muss. Wenn das kein Vorteil ist, dann weiß ich auch nicht. Selbst wenn die Technik versagt und ich bei einem Wettbewerb auf die „alte“ Technik ohne Sensor und Insulinpumpe umsteigen muss, dann kann ich das. Weil ich es gelernt habe und im Notfall können muss. Das beruhigt mich. Und es treibt mich an. Damit möchte ich auch anderen Mut machen.
Und diesen Mut, den ich für mich selbst entdeckt habe, möchte ich weitergeben. Mut den ich ohne meine Diabetes Diagnose vielleicht gar nicht entdeckt hätte. Sowie ich mein größter Gegner bin, bin ich auch mein größter Motivator, Unterstützer und Fan. Klingt vielleicht egoistisch oder eingebildet, aber das Gegenteil ist der Fall. Durch mein Vertrauen in mich selbst, weiß ich wozu ich in der Lage bin und was ich alles schaffen kann. Das Wissen in meine Fähigkeiten gibt mir Sicherheit und Halt bei meinem Zielen. Mein Antrieb ist mir selbst und anderen zu zeigen, was mit Diabetes möglich ist. Und alles, was mit Diabetes möglich ist, ist auch ohne mit Sicherheit zu schaffen. Das ist meine Motivation, das ist mein Treibstoff, der mich antreibt. Das und Cordon Bleus 😉
„Das Einzige, was zwischen dir und deinem Ziel steht, ist der Bullshit, den du dir selbst erzählst, warum du es nicht erreichen kannst.“
– Jordan Belfort
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von Mauzi | Juni 17, 2025 | Beiträge mit Diabetes, Beiträge ohne Diabetes
Ich bin mir sicher, dass viele wissen was ein unzertrennbares Band ist. Für uns ist dieses unzertrennbare Band der 17.06. Für viele ist dasein normaler Tag. Für uns ist es mehr als ein „normaler“ Tag. Es ist ein ganz besonderer Tag. Für uns ist es ein Tag der unser Leben für immer verändert hat.
Ein unzertrennbares Band
Mein 17.06
Am 17.06.2015 begab ich mich zu meinem Hausarzt. Mir gings nicht gut und ich hatte einen Verdacht was los ist. Ich schilderte ihm kurz meine Geschichte und wenige Momente später erhielt ich die Diagnose Diabetes Typ1 habe. Typ1 bedeutet so viel wie, ich bin auf das zuführen externen Insulins angewiesen. Das ist nicht der „schlimme“ oder der „so wild hast du es“ Typ. Es ist der Typ, bei dem mein Körper einfach beschlossen hat, kein Insulin mehr zu produzieren. Du kannst das so sehen wie, wenn dein Körper beschließt den Lungen zu sagen sie sollen aufhören Luft zu pumpen. Na, wie schlimm ist das? Ziemlich endlich, oder? Diabetes ist nicht so tragisch. Damit kann ich gut leben. Wie gut kannst du hier nachlesen. Ich habe den Typ übrigens nicht ausgesucht oder bekommen, weil ich zu viel Süßes gegessen habe. Das passiert einfach. Warum? Das weiß aktuell noch niemand ganz genau.
Es ist aber auch egal woher es kommt und warum es nicht mehr weggeht. Es ist gekommen und zu bleiben. Die Frage ist nur, was ich daraus mache bzw. bereits gemacht habe. Meiner Meinung nach habe ich das Beste daraus gemacht. Mir geht es gut, ich habe meinen Spaß am Leben und würde meinen, dass ich ganz gut beweisen kann, dass Diabetes kein Hindernis darstellt. Zugegeben es bremst mich manchmal aus, aber ich kann es auch wunderbar als Grund verwenden, wenn ich mal keinen Bock auf etwas haben. Wer es nicht selber hat und sich damit nicht auskennt, muss mir einfach glauben, dass es mir nicht gut geht. Punkt für mich und Diabetes. Weil ich meine Diagnose Diabetes aber in einem anderen Beitrag behandle, möchte ich direkt zum nächsten Thema kommen. Nämlich Michis Unfall.
Michis 17.06
Am 17.06.2017 starteten wir in unserem Urlaub mit Freunden eine weitere Motorradtour. Geplant war es in Südtirol ein paar Bergpässe abzufahren, irgendwo Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen und am Abend gemütlich im Hotel ein Bierchen zu trinken und gemeinsam zu essen. Wir fuhren also nach dem Frühstück los und passierten die Grenze. In einem Örtchen bei einer Ampel meldete sich meine Insulinpumpe mit einem Batteriealarm. Die Batterie wird in den nächsten 12 Stunden leer werden. Ein Grund umzudrehen, allerdings wussten wir, dass wir sicher davor wieder im Hotel sind. Dort gibt es eine neue Batterie. Anstatt umzudrehen, setzten wir unsere Tour fort. Irgendwann zu Mittag tauschten Michi und ich das Motorrad. Michi wollte eine Probefahrt machen, weil er sich überlegt hat das gleiche Motorrad zu kaufen. Ich erklärte ihm alles und das er vorsichtig sein muss. Er fuhr schon ein paar Jahre und hatte genug Erfahrung.
Nachdem wir in einer Gruppe unterwegs waren, fuhren wir sowieso gesittet und hielten uns auch an die StVo. Auf den Bergpässen galt allerdings, jeder fährt so schnell wie er will (im gesetzlichen Rahmen natürlich) Auch daran hat sich jeder brav gehalten. Wir kamen zu einem Pass und Michi hatte freie Fahrt. Er fuhr als erste Person und führte die Gruppe an. Es waren viele schöne Kurven die richtig Spaß gemacht haben. Wir waren voller Freude und genossen die Fahrt. Doch dann geschah das Unglück. In einer Kurve passierte ein Fehler, er kam auf die Gegenfahrbahn und krachte in die Leitschiene. Sein linkes Bein war der Puffer zwischen ihm und der Leitschiene. Durch den Aufprall wurde er vom Motorrad geschleudert und nahm Flugstunden. Seine Bruchlandung endete ebenso in der Leitschiene. Unser älterer Bruder, der direkt hinter ihm war, sah den Unfall. Dann kam unser Freund Armin und danach ich.
Der Unfall
Von da an läuft alles ab wie ein Film. Wir sprangen von unseren Motorrädern und liefen zu Michi. Er hat geschrien. Aber nicht vor Schmerzen wie er sofort selbst sagte, sondern um uns zu signalisieren, dass er bei Bewusstsein ist. Sofort setzten wir einen Notruf ab. Wir wussten nicht sofort, wo wir waren. Glücklicherweise kamen Einheimische vorbei. Denen gab ich mein Telefon und machte ihnen mit Händen und Füßen verständlich, dass sie einen Hubschrauber anfordern sollen. Sekunden wurden zu Stunden. Ich sah Michis Bein. Nicht nur sein Bein. Auch seine inneren Werte ragten durch die Ledermontur weiß-rötlich in der Sonne schimmernd heraus. „Scheiße“ schoss es mir durch den Kopf. Michi sah meinen Blick. „Ist es schlimm?“ „Nein geht schon.“ Meinte ich und musste schlucken. „Lüg mich nicht an.“ „Naja sexy ist es nicht.“ Und dann waren wir beschäftigt Schatten für ihn zu machen und auf die Rettung zu warten.
Als erstes traf die Polizei ein. Kurz danach die Rettung und dann erst der Hubschrauber. Der Ernst der Lage wurde immer klarer. Andere Motorradfahrer hielten bereits an und halfen die Unfallstelle zu sichern oder waren dazu da, um die Infusionen für Michi zu halten. Michi wurde aus der Montur geschnitten. Ich wich nicht von seiner Seite, sprach mit ihm und hielt ihm die Hand. Nach einer Stunde Erstversorgung an der Unfallstelle wurde er in den Hubschrauber gebracht. Ich fragte, ob ich mitfliegen darf und hatte Glück. Der Pilot stimmte zu. Michi lag vor mir im Hubschrauber. Ansprechbar, mit einer Sauerstoffmaske im Gesicht und bereits voller Schmerzmittel. Der Flug fühlte sich an wie eine mehrtätige Mission auf der ISS. Michis Gedanken verriet er mir ihm Nachhinein. „Wenn die Schraube vom Rotor zum Hubschrauber flöten geht, dann gehen wir alle drauf“. Er war also auch sehr um uns besorgt.
Die Not OP
Wieder am Boden gelandet wurde er sofort in einem Schockraum gebracht. Nach der ersten Einschätzung durch die Ärzte ging es weiter zur Not Operation. Über 4,5 Stunden hat es gedauert bis ein Arzt aus dem Saal kam und mir mitteilte, dass sie alles, was sie tun konnten, getan haben und es jetzt heißt abzuwarten. Ich fragte mehrmals, ob er es schaffen wird. Ausweichende Antworten, aber Hoffnung war da. Er wird wieder. Mehr wollte ich nicht hören. Nach einer weiteren Stunde durfte ich dann zu ihm auf die Intensivstation. Intubiert, vollgeklebt mit Elektroden und alles voller Leitungen, die in ihn oder aus ihm kamen. Ich stand 5 Minuten an seinem Bett. Drückte ihm nochmal die Hand und sagte, „Michi du hattest einen schweren Unfall. Die Ärzte haben gesagt du hast viel Blut verloren und musst dich jetzt erholen. Aber du wirst wieder. Erhol dich und ich komme wieder. Versprochen!“
Dann verließ ich die Station und begab mich nach draußen. Es war noch immer sehr heiß. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich in Bozen bin. Allein und die Batterie meiner Insulinpumpe kurz vorm Ausfallen. Bis auf Frühstück hatte ich den ganzen Tag nichts gegessen. Mein Taxi, mein älterer Bruder mit Freunden, war noch 2 h entfernt. Mir blieb nichts übrig als zu warten. Irgendwann um kurz vor Mitternacht wurde ich dann abgeholt. Gleich wurde ich mit einer neuen Batterie versorgt und bekam ein Lunchpaket. Dann fuhren wir retour ins Hotel. Dort hatte ich noch 2 Bier, bevor ich duschen und ins Bett ging. Nicht wissend, ob Michi die Nacht übersteht oder ob in der Früh ein Anruf am Telefon aufscheint das Unheil verkündet. Glücklicherweise kam es anders. Der Anruf kam, aber alles war gut. Die Nacht war überstanden. Der Rest würde sich in den nächsten Tagen zeigen.
Die Zeit danach
Die Tage danach waren immer gleich, aufstehen, frühstücken, zu Michi ins Krankenhaus gehen, ihm beistehen. Es dauerte 2,5 Tage, bis er wieder aus dem Koma aufgeweckt wurde. Wenigstens war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein. Unser Vater war nachgebracht worden von meiner Tante. Begleitet von unserer Mutter und seiner Freundin. Ich bin froh, dass nur mein Vater blieb und sonst niemand. Nach jedem morgendlichen Besuch ging es zum Mittagessen, dann zum Besuch und dann zum Abendessen. In der Zwischenzeit hielten wir alle Verwandten, Freunde und Bekannten am Laufenden und ich kümmerte mich um den Rücktransport. Nach über einer Woche ging es dann endlich nach Graz in die Heimat. Wo dann der eigentliche lange Rückweg für Michi beginnen sollte. Und auch den meisterte er. Es gab zwar Rückschläge, aber Michi ließ sich nie unterkriegen und so konnte er zurück ins Leben kommen und fand (s)ein neues Hobby. Oder verrückter.
Unser 17.06
Seit meiner Diagnose und dem Unfall von Michi, ist der 17.06 unser 2er Feiertag. Für ihn ein zweiter Geburtstag und für mich gibt’s Kuchen. Diabetes habe ich schon und den Teil mit der Amputation des Beines hat Michi erledigt. Damit haben wir alles abgedeckt. Wir feiern das selten, um ehrlich zu sein. Meistens bin ich Urlaub und Michi darf arbeiten. Wir holen das dann häufig nach. Grillen, chillen, und Bierli killen. Gemeinsam schauen dann auf unsere Erlebnisse zurück und sind froh, dass es uns so gut geht. Wir sind sehr ähnlich in unserer Art und Humor. Es kann dann schon vorkommen, dass wir vergessen die Bier zu zählen und rechtzeitig aufzuhören. Dann wanken wir nach dem einen oder anderen Bier, als ob uns beiden mindestens ein Bein fehlen würde. Was uns beide auch stark verbindet ist unsere Stärke mit Rückschlägen umzugehen und die positiven Dinge versuchen zu sehen.
Was ist daran positiv?
Vieles ist daran positiv. Michi kann nicht mehr mit dem falschen Bein aufstehen. Er wird sich auch kein Bein ausreißen nur um etwas zu erreichen. Wenn jemand fragt, ob es läuft, sagt er nein es humpelt. Und davon gibt es noch unzählige weitere Sprüche. Ich bin süß, auch wenn ich Sauer heiße. Ich antworte auf Fragen zu meinem Diabetes meistens mit dummen Antworten. Außerdem darf ich, nein ich muss sogar, legal dopen. Insulin steht auf der Dopingliste und ohne geht es bei mir nicht mehr. Auch hier könnte ich noch viele weitere Dinge anführen die ich als positiv beurteilen würde. Eines ist noch zu erwähnen. Michi hat seit neuestem einen Flaschenöffner in seinem Schaft. Man kann wunderbar Bier öffnen oder auch andere Getränke. Ist also nicht nur positiv sondern auch ein Partygag und kommt verdammt cool rüber.
Was wir beide als positiv empfinden ist unsere Neugier einfach immer wieder was auszuprobieren. Wir wollen anderen Mut machen und zeigen, dass auch Rückschläge nicht der Weltuntergang sind. Jeder von uns hat die Möglichkeit das Beste aus seiner Situation zu machen. Wenn wir es allein nicht schaffen, dann haben wir jemanden der uns helfen kann, oder wir suchen jemanden. Und haben wir keinen in unserem Bekanntenkreis dann suchen wir uns jemanden außerhalb. Irgendwie geht es immer weiter. Unser Leitspruch ist auch „Wenn der Kopf bis zum Hals in Scheiße steckt, dann lassen wir ihn lieber nicht hängen!“ Und so kommen wir immer voran. Die Richtung ist dabei egal. Wir möchten ein Vorbild sein und andere motivieren den Kopf nicht hängen zu lassen. Den egal was das Leben für dich bereit hält, du hast immer Möglichkeiten. Du kannst aufgeben, nachgeben oder Alles geben. Wir geben (fast) immer alles.
Auf die nächsten Jahre
Wir wissen beide nicht, was das Leben für uns noch bereithält. Wir wissen nur, wir werden es nehmen, wie es kommt, und uns gegenseitig zur Seite stehen und unterstützen, wo wir nur können. Es wird sicher die eine oder andere Meinungsverschiedenheit geben, bisher konnten wir noch alle lösen. Sei es durch direkte Aufforderung oder durch ein klärendes ruhiges Gespräch. Das meiste machen wir uns beim Kochen, Grillen und Bier trinken aus. Das hat bisher gut funktioniert und wird es auch weiterhin. Für uns ist klar, was auch immer passiert, es wird immer einen Weg geben, der für uns passt und den wir gemeinsam gehen bzw. humpeln können. Uns rennt nichts davon und falls doch, hole ich es ein und halte es fest 😉
Und damit beende ich den Beitrag für heute. Ich hoffe, er hat dir gefallen. Über ein Like, Kommentar oder wenn du es teilst, freue ich mich sehr. Wie gehst du mit Rückschlägen um? Feierst du auch einen zweiten Geburtstag oder irgendeine Diagnose wie Diabetes?