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Austria Extreme Triathlon

Austria Extreme Triathlon

Was ein Triathlon ist, wissen sehr viele Personen. Was der Austria Extreme Triathlon (Website, Instagram) ist, schon nicht mehr so viele. Zu den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen kommen noch ein paar „Kleinigkeiten“ dazu. Schwimmen in einem Fluss. Zwar im Staubereich dennoch gibt es eine Strömung. Beim Radfahren und Laufen darf man dann noch ein paar Höhenmeter naschen. Und weil das noch nicht genug ist, liegt der Start und das Ziel ca. 220 km auseinander. Verrückt? Extrem!

Warum kein normaler Triathlon?

Ich finde einen normalen Triathlon einfach nur langweilig. Bitte nicht falsch verstehen. Die sportliche Leistung jedes Athleten ist beeindruckend. Aber mit tausenden anderen ins Wasser zu springen und sich im Wasser zu prügeln interessiert mich nicht. Ich habe nicht den Anspruch zu gewinnen oder besser zu sein als jemand anders. Ich will mein Bestes geben und Spaß haben. Außerdem bin ich bereits bei so vielen Wettbewerben am Start gestanden, dass ich diese Massenstarts nicht cool finde. Es ist einfach irre viel los und Stress pur. Es kommt mir immer ein wenig vor wie eine Prüfung und alle haben Angst nicht genug gelernt zu haben. Dabei sollte es ganz anders sein. Man sollte sich freuen, dass es endlich losgeht und man das tun kann, worauf man sich Monate vorbereitet hat. Der Austria Extreme Triathlon ist familiärer als ein Massenevent dafür aber um eine Spur anstrengender.

Und das ist der Grund, warum ich das machen möchte. Ich war als Supporter dabei, ich durfte die Staffel absolvieren und dann fehlt logischerweise der Einzelstart. Mittlerweile müsste auch jeder mitbekommen haben, dass ich es gerne ans Limit treibe. Mir macht es Spaß meine Grenzen immer wieder aufs Neue kennenzulernen und zu verschieben. Ich finde es beeindruckend wie viel möglich ist und was ich leisten kann. Wird es eine Challenge? Mit Sicherheit. Werde ich fluchen und mich im Training fragen, warum ich mir das angetan habe? Absolut. Wird es Spaß machen? Logisch. Vielleicht nicht immer, aber meistens. Werde ich es schaffen? Das ist mein Ziel. Es geht mir um keine bestimmte Zeit oder Platzierung. Alles egal. Durchkommen, Spaß haben und genießen. Mit Beständigkeit und meinem eisernen Willen zieh ich das durch. Erst das Training und dann den Triathlon. Aus Erfahrung weiß ich, dass das Training eh härter ist! 😉

Die Hürden

Diabetes

Erste Hürde und an die habe ich gar nicht so gedacht. Diabetes. Wie mach ich das beim Schwimmen? Mit Pumpe und Handy im Neopren? Ohne Pumpe und Handy im Blindflug? Gebe ich mein Handy jemanden im Boot und hoffe darauf, dass das Boot bei mir bleibt? Sollte ich dazwischen etwas essen/ trinken oder wird es auch ohne gehen. Was könnte passieren, wenn ich meine Sachen mitnehme und sie kaputt werden? Oder ich nehme es nicht mit und es passiert deswegen etwas. Dann ist das Rennen zu Ende bevor es begonnen hat. Wie wird es am Rad und beim Laufen dann laufen? Wie viel Kohlenhydrate muss ich aus Diabetessicht konsumieren und wie viel, um nicht auszubrennen. Wen fordert es mehr. Mein Equipment oder mich?

Mein Diabetesmanagement werde ich mit Othmar Moser auf der Diabetes & Sportambulanz am LKH Graz in Angriff nehmen. Othmar kenne ich seit meiner Diagnose Diabetes. Ich war in unzähligen seiner Studien und durfte schon viel lernen. Gemeinsam werden wir eine Strategie fürs Training und dann Tag X aufstellen. Seine Erfahrung & Fähigkeiten und mein Selbstvertrauen ist eine Mischung, die mich sicher ans Ziel bringen wird. Ich freue mich jetzt schon auf die Gespräche, die Auswertungen und dann auf das gemeinsame Glas Sauvignon Blanc nach dem Triathlon.

Schwimmen

Als Kind bin ich viel und sogar ganz gut geschwommen. Irgendwann wars dann aber vorbei und ich habe das nicht weiterverfolgt. Das darf ich nun wieder ganz neu lernen. Also eigentlich die Technik im Kraulen. Schwimmen kann ich noch immer. Und tauchen wie ein Stein. Das wars dann schon. Mit Ana habe ich eine fantastische Trainerin gefunden und sie wird mir das schon beibringen. Außerdem habe ich dann eh 2:15 Stunden Zeit, um die Strömung der Mur zu genießen. Ich habe also den leichteren Teil erwischt. Lernen wie es geht, üben, üben, üben und dann einfach ins Wasser steigen, tief durchatmen, alles, was ich gelernt habe, vergessen und ums Überleben kämpfen. Klingt machbar, oder?

Radfahren & Laufen

Beim Radfahren und Laufen schaut die Sache anders aus. Da benötigt es wenig technisches Verständnis. Hier sind „nur“ die Distanz und die Höhenmeter eine Hürde. Es ist dann doch ein ganz schönes Stückchen von Graz zum Dachstein. Und darauf freue ich mich am meisten. Ich stell mir vor wie schön es ist bei perfektem Wetter einmal quer durch die Steiermark zu radeln und dann zu laufen. Dazwischen gibt es kohlenhydrathaltige Snacks, schöne Aussicht und jede Menge Spaß. Bestimmt wird es auch super anstrengend. Aber wen juckts. Es macht jeder Teilnehmer freiwillig. Und alleine ist auch niemand.

Alles gute Fragen die ich mir erst seit kurzem stelle. Bis zum 20.06.2026 sollte ich dann die Antworten haben. Bedeutet für mich ich habe nun etwas mehr als 8 Monate Zeit um es auszuprobieren und dann einfach zu machen.

Die Unterstützung

Triathlon Trainingsplanung

Ohne Unterstützung wäre so ein Projekt binnen 8 Monate zu stemmen nicht möglich. Ok für mich kann niemand anderes trainieren, Technik lernen und dranbleiben. Es kann mir auch niemand die mentalen Fähigkeiten einfach so geben, dass ich genug Biss habe es durchzuziehen. Daher habe ich mich entschieden Sportmed Graz zu bitten meine Trainingssteuerung zu übernehmen. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit Chris und Ana gemacht. Sie haben den schweren Part sich das Training zu überlegen, wie sie mich bis Juni so fit bekommen, dass ich es wie einen Spaziergang im Park wirken lasse. Ich brauch dann auch nur mehr trainieren. Mein Lieblingspart bei solchen Projekten. Einfach das Umsetzen was mir die Profis sagen.

mylife Diabetescare

Wie auch schon beim Transalpine Run werde ich beim Austria Extreme Triathlon von mylife unterstützt. Nicht nur mit dem AID-System (Insulinpumpe, Sensor, App), sondern auch von vielen sehr freundlichen Mitarbeitern, die wie ich gut gelaunt sind und wissen, was alles möglich ist. Gemeinsam möchten wir zeigen, dass Diabetes auch eine Motivation sein kann. Eine Motivation erst recht das zu tun, was ich machen möchte. Nicht nur mir selbst sondern auch anderen zeigen kann, dass Vieles möglich ist. Und das finde ich ist eine schöne Sache. Seitdem ich das mylife System benutze, habe ich festgestellt, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Ich glaube da geht noch mehr und wir werden sicher noch einige gemeinsame Projekte gemeinsam machen. Schon mal danke für alles was bisher war und was noch kommen wird.

Der Supporter

Ganz besonders freut es mich, dass mich Marko begleiten wird. Das freut mich auch deswegen, weil wir schon gemeinsam einen Marathon in Sevilla gelaufen sind und ich ihn da begleiten und unterstützen durfte. Dieses Mal drehen wir den Spieß um und er darf sich um mich kümmern. Das ist das schöne am Sport. Er verbindet Menschen miteinander und lässt Freundschaften entstehen. Und schon mal entschuldige Marko, wenn ich zwischendurch fluche. Ich bin mir fast sicher, dass das passieren wird 😉

Los gehts

Ich freue mich auf dieses Abenteuer. Auf das Training, das Blutzuckermanagement, die Herausforderung alles unter einen Hut zu bekommen und und und. Am besten du folgst mir auf Instagram und begleitest meine Reise vom Schwimmen wie ein Stein über Radeln wie Lance Amstrong und Laufen wie Speedy Gonzales. Wenn du was wissen möchtest oder Tipps hast, dann rein damit in die Kommentare. Ich freue mich auch über Likes oder wenn der Beitrag geteilt wird. Bis bald 🙂

Mentale Herausforderungen beim Transalpine Run

Mentale Herausforderungen beim Transalpine Run

Was sind mentale Herausforderungen beim Transalpine Run? „Mentale Herausforderungen beim Transalpine Run sind das Durchhalten über mehrere extrem fordernde Tage trotz Erschöpfung, Schmerzen, wechselndem Wetter und Selbstzweifeln.“ Ist die Antwort die man von ChatGPT erhält. Und was ist Mentaltraining? „Mentaltraining ist eine bewusste Schulung von Gedanken, Vorstellungen und Einstellungen, um Konzentration, Motivation, Gelassenheit und Leistungsfähigkeit zu steigern.“ Ebenso die Antwort von ChatGPT. Genug mit ChatGPT. Im Beitrag von heute möchte ich meine mentale Reise beim Transalpine Run näher beleuchten. Und wie immer bitte ich dich, lass einen Kommentar da, teile den Beitrag oder schenke ihm ein Like. Ich freue mich darüber.

(Mentale) Vorbereitung

Sportliche Vorbereitung

Bevor ich zum Transalpine Run anreiste, versuchte ich mich mit ausreichend Training auf den Lauf vorzubereiten. Mein Training lief gut und war umfangreich. Woche um Woche durfte ich mehr Kilometer laufen und Höhenmeter sammeln. Vom gemütlichen Longrun am Berg bis zu kurzen intensiven Bergsprints war alles dabei. Nun gut ich neige dazu meistens alles zu geben. So ist das geplante Training für mich häufig das Minimum, welches ich erfüllen will. Meistens mache ich mehr als notwendig. Das gilt allerdings nur fürs Training. Ansonsten bin ich ziemlich faul. Auch bei Lösungen suche ich meistens die einfachste. Es muss funktionieren ist mein Ansatz. Dadurch, dass ich so fleißig trainiert und kaum eine Veranstaltung ausgelassen habe, kam es zur Überbelastung und ich „durfte“ ärztlich angeordnet eine mehrwöchige Pause machen. Genau so etwas wünscht sich jeder Athlet vor einem Bewerb wie dem Transalpine Run. So war es nun mal und ich gings gemütlich an.

Gemütlich bedeutete ich habe 3 Wochen nur meinen Oberkörper trainiert. Gar keinen Sport zu machen, schaffe ich nur wenn ich ernsthaft krank bin. Eine kleine Verletzung schränkt mich ein, hält mich aber nicht auf. Also habe ich mir 2 Wochen Gedanken gemacht, wie ich meine Ausdauer ohne Laufen hochhalten kann. Ich bin zwar kein großer Fan vom Radfahren, aber kurzerhand habe ich mir ein Rennrad gekauft und begann einfach zu radeln. Damit war der Erhalt meiner Ausdauer gesichert. Im Krafttraining von Peter habe ich mir dann immer wieder Übungen für die Beine einbauen lassen. Immer wieder konnte ich somit in den Schmerz hineinfühlen. Welche Übungen funktionieren und welche nicht. Aufhören, bevor es schlimmer wird. Auf den Körper hören. Und so tastete ich mich an meine Grenzen heran und erhielt meine Fitness. Naja, und ich bin sofort ins Radfahren gekippt und habe gleich mal 1.000 km runtergespult. Normal kann ich nicht.

Mentale Vorbereitung

Im Vorfeld dachte ich mir schon, dass der Transalpine Run mehr als „nur“ eine körperliche Herausforderung wird. Also bemühte ich meine graue Hirnmasse auch etwas mehr als für andere Veranstaltungen. Ich schloss im Juli meine Mentaltrainerprüfung ab. Ein großer Vorteil für mich. Dann gönnte ich mir noch das Buch „Mentaltrainer für Läufer – Weil laufen auch Kopfsache ist“ von Dr. Michele Ufer. Als ich es in meinen Händen hielt, begann ich sofort neugierig darin zu lesen. Viele Dinge aus dem Mentaltraining waren mir schon bekannt. Im Buch waren aber teilweise andere Lösungswege und Übungen beschrieben, die mich interessierten und ich ausprobieren konnte. Mehr und mehr stellte ich fest, dass die mentale Komponente bei diesem Lauf wichtiger sein wird als sonst. Ich las und übte täglich. Was waren das für Übungen? Wie sieht so etwas aus?

Als erstes begann ich mir vorzustellen, dass ich gemeinsam mit meinem Teampartner Peter jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht ins Ziel komme. Dann begann ich mir vorzustellen, wie es sein wird, wenn wir die letzte Etappe geschafft haben. Welche Gefühle ich haben werde und wie es mir damit geht. Meine Reise begann im Ziel und ich arbeitete mich retour zum ersten Tag. Ich versuchte den Start bei bestem Wetter vorzustellen. Wie wir Teilnehmer angefeuert und motiviert werden. Und dann, wie es sein wird loszulaufen und endlich unser Abenteuer starten zu können. Dieses Szenario visualisierte ich vor meinem geistigen Auge für jede Etappe, für jedes Wetter, für alles, was gut lief und alles, was schlecht lief. Jede Möglichkeit, die mir in den Sinn kam, dass sie eintreten könnte, ging ich in meinem Kopf durch. Das Wichtigste für mich dabei war, dass ich es mir so real wie möglich vorstellen kann.

Herausforderung der Vorbereitung

Ich hoffe, das klingt noch alles verständlich. Nun möchte ich auf die Herausforderungen eingehen. Mentaltraining ist mehr als sich etwas vorzustellen oder zu wünschen. Es ist auch nicht mit einmal üben erledigt. Es ist wie jedes Training. Ich muss es schon öfters absolvieren damit es eine Wirkung hat. Und je öfter und genauer ich es mir visualisiere desto besser funktioniert es. Das ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung. Und dann gibts da noch Fragen, „Was wäre wenn, … Was passiert, wenn es anders kommt, … usw.“ Ich habe versucht all diese Fragen, soweit ich konnte für mich zu beantworten. Und wenn das nicht möglich war, überlegte ich mir, was ich dann machen werde. Die Lösung war einfach, erstmal in die Situation kommen und dann wird mir schon was einfallen. Und das war tatsächlich einfach für mich.

Die größte Sorge, welche ich im Vorfeld hatte, war, ob mein Schienbein das durchalten kann und mitmachen wird. Eine andere Möglichkeit als es auszuprobieren hatte ich nicht. Irgendwie war ich auch schon neugierig, wie es sein wird nach 12 Wochen Laufpause wieder zu laufen. Daher dachte ich immer daran, dass ich jeden Schritt, den ich mache, schmerzfrei mache. Das ich leicht und unbeschwert über die Strecke laufen und glücklich, gesund und verletzungsfrei ins Ziel kommen werde. Und das Tag für Tag. 7 Tage lang. Als ich mit dieser Vorstellung begann, wurde mein Bein auch immer besser. Ich bemerkte nur mehr selten einen Schmerz. Wenige Tage vor dem Lauf durfte ich noch für einen Test aufs Laufband. Der Zeitpunkt, um zu testen, ob das Bein hält und ob mein Mentaltraining geholfen hat. Aber das steht ja schon in den letzten beiden Beiträgen, dass es das tat. Versäumt? Hier nachlesen!

Das gelernte Umsetzen

Als dann am 06.09.2025 um 08:02 (der Busverkehr musste durchgelassen werden) der Startschuss fiel, wusste ich, es ist so weit Zeit das Gelernte anzuwenden. Die ersten Kilometer fühlten sich sehr gut an. Keine Schmerzen, perfektes Wetter und ein unglaubliches Bergpanorama. Die Glücksgefühle waren sogar besser als ich sie mir vorgestellt hatte. Der erste Tag verging und beflügelte mich. Es lief problemlos ab. Ich musste nichts anwenden. Das Visualisieren hat sich ausgezahlt. Der erste Tag war gelaufen und ich dachte mir schon, dass das nicht jeden Tag so sein wird. Ich dachte dann so für mich: „Wie isst man einen Elefanten? Man beginnt mit dem ersten Bissen und dann Biss für Biss!“. So habe ich es dann auch bei den weiteren Tagen angelegt. Immer nur von einer Etappe zur nächsten denken, laufen und handeln. Ich begann bereits mir Affirmationen und Metaphern zu überlegen.

Affirmationen

Die Definition von meinem Experten ChatGPT „Affirmationen sind kurze, positiv formulierte Sätze, die durch wiederholtes Denken oder Aussprechen das Selbstvertrauen stärken und gewünschte Einstellungen oder Verhaltensweisen fördern.“  Und genau das habe ich gemacht. Ich ließ mir alles Mögliche einfallen. So viel, dass ich es mir gar nicht im Kopf behalten konnte. Daher entschied ich mich dann spontan, wenn ich es brauchen würde zu entwickeln. Das gelang mir extrem gut. Wenn es bergauf ging und ich am liebsten aufgehört hätte, sah ich meine Hände an und begann in meinem Kopf zu sagen «Links, rechts, links, rechts. Schritt für Schritt ans Ziel.» Oder wenn es bergab ging und ich überlegte, wie ich schneller runterlaufen kann «Leicht wie eine Feder geht’s runter, schnell wie ein Stein donnere, ich ins Tal». Und wenn gar nichts half, begann ich Melodien vor mich hinzusummen.  Das hob meine Stimmung und es ging gleich besser.

Im Kopf singen

Ich bin der Meinung, dass meine Gesangskünste hinter verschlossenen Türen in einem schalldichten Raum bleiben sollten. Daher habe ich nicht beim Laufen gesungen. Also nicht hörbar. Nur für mich. Da klingt es auch sehr gut. Die Resonanz in meinem Kopf ist unglaublich. Was so eine hohle Birne für einen Klangraum bieten kann, ist schon faszinierend. Ich bin aber brutal gut im umtexten von Songs. Zumindest für mich selbst bin ich das. Und so fiel mir zu „The Police – Every Breath You Take” ein neuer Text ein. Angelehnt an den bekannten Text summte ich vor mich hin. „Every breath I take, every Carb I ate, I’ll be running trough” Es ist egal ob das Sinn macht oder richtig ist. Funktionieren musste es. Und das hatte ich damit geschafft. Damit kehrte immer wieder ein Schmunzeln in mein Gesicht zurück. Das hielt meine Motivation hoch weiterzumachen.

Schmerzen ignorieren oder annehmen?

Bei so einem Lauf war mir vorher schon klar, dass ich Muskelkater haben werde. Doch wie sehr oder wenig wusste, ich nicht. Auch war mir klar, dass es zu Blasen an den Beinen kommen könnte. Und dann war da noch die Sache mit anderen auftretenden Schmerzen. Was mache ich dann? Ignorieren, annehmen, aufgeben? Vorab konnte ich diese Entscheidung nicht treffen. Das ging nur in dem Moment, wo sie auftreten würden. Mit Muskelkater hatte ich kein Problem. Der war ab Tag 3 Geschichte. Von da an war ich locker drauf und meine Muskeln auch. Blasen? Waren nur zwei kleine auf meinen Zehen. Fachgerecht verarztet und versorgt waren auch die kein Problem. Dann traten die ersten Schmerzen im linken Knie auf. Gerade so viel, dass sie erträglich aber unangenehm waren. Die Lösung? Annehmen und tapen lassen. Das half zum einen im Kopf und zum anderen auch dem Knie.

Bis auf die sanften Schmerzen im Knie blieb das auch so. Bis auf den letzten Tag. Meine Schienbeine waren so geschwollen, dass auch das Mentaltraining nichts half. Ich probierte ein wenig zu laufen. Mehr schlecht als recht. Bergauf war noch ok, bergab war der Horror. Aber ich musste bis zur nächsten Verpflegung. Jede Vorstellung und was auch immer ich versuchte versagte. Den Schmerz konnte ich nicht wegdenken. Ich nahm eine Ibuprofen 600 und es wurde besser. „Ich lauf doch nicht 200 km durch die Alpen, um dann auf den letzten 20 km aufzugeben!“ Dieser Satz verstärkte die Wirkung der Ibu. Der Satz, die Tablette und mein ungebrochener Wille aus eigener Kraft ins Ziel zu kommen trieben mich an. Das und das Wissen, dass ich im Ziel für die Vorbereitung und die Strapazen der letzten Tage belohnt werde. Mental war ich schon im Ziel. Mehrmals.

Ich würde heute alles gleich machen. Wäre mir das vom letzten am ersten Tag passiert, hätte ich vermutlich aufgehört. Den Schmerz anzunehmen als Teil der letzten Etappe war ok. Auch ihn für eine kurze Zeit zu ignorieren. Über einen längeren Zeitraum wäre das nicht schlau gewesen. Ich habe diese Entscheidung für mich selbst getroffen und bin froh darüber. Das hat mir gezeigt, wo meine Grenzen liegen und wie weit ich gehen kann. Ob es dumm war, werde ich hoffentlich nie herausfinden. In der Situation war es gut und richtig. Auf meinen Blutzucker hatte es interessanterweise keine Auswirkung. Der lief stabil durch. Und die nächste Challenge? Noch habe ich die nicht festgelegt, aber ich habe Ideen. 😉

Mentales Fazit

Durch die Teilnahme am Transalpine Run konnte ich mir einige neue Fähigkeiten aneignen. Fähigkeiten die mir weit über den Sport hinaus helfen werden. Beruflich wie privat habe ich festgestellt, dass ich einige dieser gelernten Tools einsetzen kann und werde. Das beginnt damit, dass ich meine positive Einstellung beibehalten und ausbauen werde. Wie ich mit mir selbst und anderen umgehe. Rückschläge sind nicht zwingend schlecht. Sie können eine Chance für einen anderen Weg sein. Erfolge darf genieße ich, aber ruhe mich nicht zu lange darauf aus. Den Fokus aufs Ziel richten und halten. Sollte ich es aus den Augen verlieren suche ich den Fokus wieder und richte ihn eventuell neu aus. Mit Biss aber nicht verbissen an die Aufgabe gehen. Ich möchte weitere mentale Techniken lernen und diese bei Bedarf weitergeben. Der schönste Erfolg beim Lauf war, dass meine mentale Vorbereitung mir den Lauf gerettet hat.

Und damit möchte ich diesen Beitrag für heute schließen. Wie gehst du mit mentalen Herausforderungen um? Im Alltag, im Job, im Sport oder wo auch immer? Hast du Tricks, die dir helfen? Lass doch einen Kommentar da.  Bitte lass auch einen Kommentar hier, falls du Wünsche für die nächsten Beiträge hast. Ich freue mich über Vorschläge. Übrigens das Video entstand an Tag 3. Wenige Kilometer vorm Ziel. Und es ist alles andere als happy 😉

 

Mein größter Gegner bin ich!

Mein größter Gegner bin ich!

Was hat es mit dem Titel auf sich? Schon länger plane ich diesen Beitrag zu schreiben. Im Zuge meiner NLP Master und Mentaltrainer Ausbildung habe ich meine Diplomarbeit dazu geschrieben. In der Diplomarbeit ging es um die Bewältigung von Panikattacken (selbst erlebt), um die Entwicklung von Bewältigungs- und Erfolgsstrategien sowie das Beschreiben meiner Motivation. Ich möchte hier aber nicht meine Diplomarbeit präsentieren. Viel mehr möchte ich den Beitrag angelehnt an meine Diplomarbeit schreiben. Schon gespannt? Dann geht’s jetzt los.

Der Vergleich mit anderen

Wie realistisch ist es sich mit Berufssportler zu vergleichen und zufrieden mit den eigenen Ergebnissen zu sein? Nicht besonders, oder? Würde ich mich mit den Größen des Marathons oder Ultramarathons vergleichen, hätte ich gar nie begonnen zu laufen. Und der Grund dazu ist einfach. Meine Chance jemals einen World Major Marathon zu gewinnen ist nicht besonders hoch. Eher gewinne ich im Lotto, noch wahrscheinlicher werde ich von einem Blitz erschlagen. Also warum habe ich mit dem Laufen begonnen, wenn ich nicht gewinnen will? Was treibt mich an? Und warum bin ich der Meinung, dass mein größter Gegner ich selbst bin? Stellst du dir manchmal auch diese Fragen? Der Grund ist einfach. Es macht mir Spaß. Und ich laufe gerne bei der einen oder anderen Veranstaltung mit. Allerdings nicht um zu gewinnen oder mich mit Max Mustermann zu vergleichen. Sondern um mich mit mir selbst zu messen.

Ich habe gelernt es bringt mich nicht weiter oder motiviert mich, wenn ich gegen Max Mustermann oder Susi Sorglos im Vergleich stehe. Sie haben vielleicht mehr Zeit zu trainieren. Oder bereiten sich anders vor als ich. Möglicherweise haben sie auch bessere Voraussetzungen, weil sie schon länger oder härter trainieren. Vielleicht haben sie bessere Gene oder einfach einen besseren Tag als ich. Ich weiß es nicht. Und es ist mir auch egal. Sie stehen gleich wie ich an der Startlinie bei der gleichen Veranstaltung und wollen vermutlich das gleiche wie ich. Ihr Bestes geben. Oder auch einfach nur Spaß haben? Es könnte auch sein, dass sie sich ein persönliches Ziel gesetzt haben, welches sie erreichen wollen. Die ersten 5 km durchlaufen. Einen Marathon schaffen. Ihre persönlich beste Leistung abrufen. Sich selbst beweisen, dass sie alles schaffen können wenn sie wollen und dafür arbeiten.

Egal welches Ziel sie haben, es ist nicht meines. Daher kann ich mich gar nicht mit ihnen vergleichen. Es macht mich nicht glücklich, wenn sie vor mir im Ziel sind. Es macht mich auch nicht glücklich, wenn ich vor ihnen ins Ziel komme. Lange habe ich trotzdem auf die Platzierungen geachtet und mich gefreut, wenn ich unter den besten 10 war. Oder mal unabsichtlich auf einem Podestplatz gelandet bin. Und ja ich habe hart trainiert um gewisse Ziele zu erreichen oder daran zu scheitern. Irgendwann habe ich dann doch gelernt, dass es mir nichts bringt auf die Platzierung anderer zu schauen und mich zu vergleichen. Ich habe aufgehört damit und schlagartig hat mir laufen wieder viel mehr Spaß gemacht. Auch das Training ging leichter von der Hand. Mir wurde klar, wenn ich mich vergleichen möchte, dann nur mit mir.

Mein größter Gegner bin ich

Als ich aufgehört habe mich mit anderen zu vergleichen, habe ich festgestellt, dass ich nur einen Gegner habe. Das bin ich. Und das war nicht nur meine größte Erkenntnis, die ich gewonnen habe, sondern auch meine größte Sorge. Ich kann niemand anderen verantwortlich machen für meinen Erfolg oder das Ausbleiben davon. Es trainiert auch niemand für mich um besser zu werden oder, dass ich meine Fitness erhalten kann. Dafür muss ich selbst arbeiten. Bedeutet, aber auch ich kann mich nur mit mir selbst vergleichen. Und daran erkenne ich Fortschritt, Stagnation oder Rückschritt. Dabei wurde mir auch klar, dass ich nicht mit einer Trainingseinheit besser oder schlechter werde. Es ist die Summe von guten oder schlechten Einheiten, die es ausmachen. Mit dieser Einsicht wurde ein weiterer Skill freigeschaltet. Geduld. Eine Tugend, wenn man so will, dieich nicht kannte. Am liebsten habe ich immer alles gleich und sofort erledigt.

Von da an bin ich nur mehr für und gegen mich gelaufen. Egal ob im Training oder im Wettkampf. Selbst wenn es mir keinen Spaß gemacht hat, oder ich aufgeben wollte, wusste ich der Grund, warum ich aufhören will, ist weil ich nicht mehr mag. Selten habe ich ein Training abgebrochen. Noch seltener einen Wettkampf. Und wenn ich aufgehört habe, dann nur weil ich festgestellt habe, dass es meiner Gesundheit schaden würde weiterzumachen. Mein Ego habe ich dabei ausgeblendet. Das war in dem Moment, wo ich aufhören wollte, weil mein Schweinehund lieber zu Hause faul auf der Couch gesessen wäre, sich ein Bier und Burger einverleibt und anderen beim Sport zugesehen hätte. Das zu unterscheiden durfte ich auch lernen. Und dann begann ich mich mit mir selbst zu vergleichen. Nicht mehr mit anderen oder Ergebnislisten. Meine Siege gegen mich sind fast bei 100%.

Warum nur fast? Ganz einfach. Ich bin auch nur ein Mensch und keine Maschine. Manchmal habe ich einfach keine Lust und höre auf. Das passiert zwar selten, aber es kommt vor. Und das ist genauso gut wie ein Training, welches ich absolviert habe. Manchmal belohne ich mich damit aufzuhören oder ein Training erst gar nicht zu starten. Dann setze ich mich mit meinem Schweinehund in den Garten und genieße es faul zu sein. Es gehört dazu und tut mir gut. Außerdem denk ich mir, wenn ich mal wirklich nicht will, dann brauche ich eine Pause und gönne sie mir. Das Schönste an der Auszeit ist, ich kann sie mir leisten. Ich lebe nicht vom Sport. Viel mehr lebe ich dafür. Damit bleibe ich motiviert und möchte immer weitermachen. Solange ich gesundheitlich in der Lage bin.

Meine Motivation

Ich wurde schon des Öfteren gefragt was mich motiviert und antreibt einen Marathon zu laufen oder überhaupt so viel Sport zu treiben. Es ist die Freude an der Bewegung. Die Freude andere zu motivieren sich zu bewegen. Ihren Sport auszuüben und an ihren Zielen dranzubleiben und sie auch zu erreichen. Die Geschichten die Sport schreibt sind so vielseitig wie das Leben. Erfolg und Misserfolg liegen oft so knapp aneinander. Und nichts funktioniert ohne das andere. Erfolge motivieren mich weiterzumachen. Misserfolge motivieren mich härter zu arbeiten oder meine Ziele zu überdenken. Meine Ziele setze ich meistens realistisch und schaffbar, selten sind sie himmelhochtrabend und kaum zu bewältigen. Ich liebe die Herausforderung und mich selbst an meine Grenzen zu bringen. Die Komfortzone ist für mich ein Bereich, in dem ich mich oft lange genug aufhalte. Daher rührt meine Motivation. Mich selbst zu fordern und meine Grenzen zu erforschen oder zu verschieben.

Dann ist da noch mein treuer Begleiter Diabetes. Auch das ist für mich mehr Motivation als ein Hindernis. Es gibt genug Personen, die glauben das hindert mich im Alltag, oder im Sport. Ganz im Gegenteil. Es treibt mich an. Ich weiß, dass ich mehr bedenken und planen muss. Besser auf mich und meinen Körper schauen darf als Dagobert Durchschnitt. Ich sehe darin keinen Nachteil. Es ist meiner Meinung nach ein Vorteil. Ich kenne mich sehr gut. Meine Gefühlzustände oder wann ich Kohlenhydrate, Salz oder Wasser im Training/Wettkampf konsumieren muss. Wenn das kein Vorteil ist, dann weiß ich auch nicht. Selbst wenn die Technik versagt und ich bei einem Wettbewerb auf die „alte“ Technik ohne Sensor und Insulinpumpe umsteigen muss, dann kann ich das. Weil ich es gelernt habe und im Notfall können muss. Das beruhigt mich. Und es treibt mich an. Damit möchte ich auch anderen Mut machen.

Und diesen Mut, den ich für mich selbst entdeckt habe, möchte ich weitergeben. Mut den ich ohne meine Diabetes Diagnose vielleicht gar nicht entdeckt hätte. Sowie ich mein größter Gegner bin, bin ich auch mein größter Motivator, Unterstützer und Fan. Klingt vielleicht egoistisch oder eingebildet, aber das Gegenteil ist der Fall. Durch mein Vertrauen in mich selbst, weiß ich wozu ich in der Lage bin und was ich alles schaffen kann. Das Wissen in meine Fähigkeiten gibt mir Sicherheit und Halt bei meinem Zielen. Mein Antrieb ist mir selbst und anderen zu zeigen, was mit Diabetes möglich ist. Und alles, was mit Diabetes möglich ist, ist auch ohne mit Sicherheit zu schaffen. Das ist meine Motivation, das ist mein Treibstoff, der mich antreibt. Das und Cordon Bleus 😉

„Das Einzige, was zwischen dir und deinem Ziel steht, ist der Bullshit, den du dir selbst erzählst, warum du es nicht erreichen kannst.“
– Jordan Belfort

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Ein unzertrennbares Band

Ein unzertrennbares Band

Ich bin mir sicher, dass viele wissen was ein unzertrennbares Band ist. Für uns ist dieses unzertrennbare Band der 17.06. Für viele ist dasein normaler Tag. Für uns ist es mehr als ein „normaler“ Tag. Es ist ein ganz besonderer Tag. Für uns ist es ein Tag der unser Leben für immer verändert hat. 

Ein unzertrennbares Band

Mein 17.06

Am 17.06.2015 begab ich mich zu meinem Hausarzt. Mir gings nicht gut und ich hatte einen Verdacht was los ist. Ich schilderte ihm kurz meine Geschichte und wenige Momente später erhielt ich die Diagnose Diabetes Typ1 habe. Typ1 bedeutet so viel wie, ich bin auf das zuführen externen Insulins angewiesen. Das ist nicht der „schlimme“ oder der „so wild hast du es“ Typ. Es ist der Typ, bei dem mein Körper einfach beschlossen hat, kein Insulin mehr zu produzieren. Du kannst das so sehen wie, wenn dein Körper beschließt den Lungen zu sagen sie sollen aufhören Luft zu pumpen. Na, wie schlimm ist das? Ziemlich endlich, oder? Diabetes ist nicht so tragisch. Damit kann ich gut leben. Wie gut kannst du hier nachlesen. Ich habe den Typ übrigens nicht ausgesucht oder bekommen, weil ich zu viel Süßes gegessen habe. Das passiert einfach. Warum? Das weiß aktuell noch niemand ganz genau.

Es ist aber auch egal woher es kommt und warum es nicht mehr weggeht. Es ist gekommen und zu bleiben. Die Frage ist nur, was ich daraus mache bzw. bereits gemacht habe. Meiner Meinung nach habe ich das Beste daraus gemacht. Mir geht es gut, ich habe meinen Spaß am Leben und würde meinen, dass ich ganz gut beweisen kann, dass Diabetes kein Hindernis darstellt. Zugegeben es bremst mich manchmal aus, aber ich kann es auch wunderbar als Grund verwenden, wenn ich mal keinen Bock auf etwas haben. Wer es nicht selber hat und sich damit nicht auskennt, muss mir einfach glauben, dass es mir nicht gut geht. Punkt für mich und Diabetes. Weil ich meine Diagnose Diabetes aber in einem anderen Beitrag behandle, möchte ich direkt zum nächsten Thema kommen. Nämlich Michis Unfall.

Michis 17.06

Am 17.06.2017 starteten wir in unserem Urlaub mit Freunden eine weitere Motorradtour. Geplant war es in Südtirol ein paar Bergpässe abzufahren, irgendwo Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen und am Abend gemütlich im Hotel ein Bierchen zu trinken und gemeinsam zu essen. Wir fuhren also nach dem Frühstück los und passierten die Grenze. In einem Örtchen bei einer Ampel meldete sich meine Insulinpumpe mit einem Batteriealarm. Die Batterie wird in den nächsten 12 Stunden leer werden. Ein Grund umzudrehen, allerdings wussten wir, dass wir sicher davor wieder im Hotel sind. Dort gibt es eine neue Batterie. Anstatt umzudrehen, setzten wir unsere Tour fort. Irgendwann zu Mittag tauschten Michi und ich das Motorrad. Michi wollte eine Probefahrt machen, weil er sich überlegt hat das gleiche Motorrad zu kaufen. Ich erklärte ihm alles und das er vorsichtig sein muss. Er fuhr schon ein paar Jahre und hatte genug Erfahrung.  

Nachdem wir in einer Gruppe unterwegs waren, fuhren wir sowieso gesittet und hielten uns auch an die StVo. Auf den Bergpässen galt allerdings, jeder fährt so schnell wie er will (im gesetzlichen Rahmen natürlich) Auch daran hat sich jeder brav gehalten. Wir kamen zu einem Pass und Michi hatte freie Fahrt. Er fuhr als erste Person und führte die Gruppe an. Es waren viele schöne Kurven die richtig Spaß gemacht haben. Wir waren voller Freude und genossen die Fahrt. Doch dann geschah das Unglück. In einer Kurve passierte ein Fehler, er kam auf die Gegenfahrbahn und krachte in die Leitschiene. Sein linkes Bein war der Puffer zwischen ihm und der Leitschiene. Durch den Aufprall wurde er vom Motorrad geschleudert und nahm Flugstunden. Seine Bruchlandung endete ebenso in der Leitschiene. Unser älterer Bruder, der direkt hinter ihm war, sah den Unfall. Dann kam unser Freund Armin und danach ich.

Der Unfall

Von da an läuft alles ab wie ein Film. Wir sprangen von unseren Motorrädern und liefen zu Michi. Er hat geschrien. Aber nicht vor Schmerzen wie er sofort selbst sagte, sondern um uns zu signalisieren, dass er bei Bewusstsein ist. Sofort setzten wir einen Notruf ab. Wir wussten nicht sofort, wo wir waren. Glücklicherweise kamen Einheimische vorbei. Denen gab ich mein Telefon und machte ihnen mit Händen und Füßen verständlich, dass sie einen Hubschrauber anfordern sollen. Sekunden wurden zu Stunden. Ich sah Michis Bein. Nicht nur sein Bein. Auch seine inneren Werte ragten durch die Ledermontur weiß-rötlich in der Sonne schimmernd heraus. „Scheiße“ schoss es mir durch den Kopf. Michi sah meinen Blick. „Ist es schlimm?“ „Nein geht schon.“ Meinte ich und musste schlucken. „Lüg mich nicht an.“ „Naja sexy ist es nicht.“ Und dann waren wir beschäftigt Schatten für ihn zu machen und auf die Rettung zu warten.

Als erstes traf die Polizei ein. Kurz danach die Rettung und dann erst der Hubschrauber. Der Ernst der Lage wurde immer klarer. Andere Motorradfahrer hielten bereits an und halfen die Unfallstelle zu sichern oder waren dazu da, um die Infusionen für Michi zu halten. Michi wurde aus der Montur geschnitten. Ich wich nicht von seiner Seite, sprach mit ihm und hielt ihm die Hand. Nach einer Stunde Erstversorgung an der Unfallstelle wurde er in den Hubschrauber gebracht. Ich fragte, ob ich mitfliegen darf und hatte Glück. Der Pilot stimmte zu. Michi lag vor mir im Hubschrauber. Ansprechbar, mit einer Sauerstoffmaske im Gesicht und bereits voller Schmerzmittel. Der Flug fühlte sich an wie eine mehrtätige Mission auf der ISS. Michis Gedanken verriet er mir ihm Nachhinein. „Wenn die Schraube vom Rotor zum Hubschrauber flöten geht, dann gehen wir alle drauf“. Er war also auch sehr um uns besorgt.

Die Not OP

Wieder am Boden gelandet wurde er sofort in einem Schockraum gebracht. Nach der ersten Einschätzung durch die Ärzte ging es weiter zur Not Operation. Über 4,5 Stunden hat es gedauert bis ein Arzt aus dem Saal kam und mir mitteilte, dass sie alles, was sie tun konnten, getan haben und es jetzt heißt abzuwarten. Ich fragte mehrmals, ob er es schaffen wird. Ausweichende Antworten, aber Hoffnung war da. Er wird wieder. Mehr wollte ich nicht hören. Nach einer weiteren Stunde durfte ich dann zu ihm auf die Intensivstation. Intubiert, vollgeklebt mit Elektroden und alles voller Leitungen, die in ihn oder aus ihm kamen. Ich stand 5 Minuten an seinem Bett. Drückte ihm nochmal die Hand und sagte, „Michi du hattest einen schweren Unfall. Die Ärzte haben gesagt du hast viel Blut verloren und musst dich jetzt erholen. Aber du wirst wieder. Erhol dich und ich komme wieder. Versprochen!“

Dann verließ ich die Station und begab mich nach draußen. Es war noch immer sehr heiß. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich in Bozen bin. Allein und die Batterie meiner Insulinpumpe kurz vorm Ausfallen. Bis auf Frühstück hatte ich den ganzen Tag nichts gegessen. Mein Taxi, mein älterer Bruder mit Freunden, war noch 2 h entfernt. Mir blieb nichts übrig als zu warten. Irgendwann um kurz vor Mitternacht wurde ich dann abgeholt. Gleich wurde ich mit einer neuen Batterie versorgt und bekam ein Lunchpaket. Dann fuhren wir retour ins Hotel. Dort hatte ich noch 2 Bier, bevor ich duschen und ins Bett ging. Nicht wissend, ob Michi die Nacht übersteht oder ob in der Früh ein Anruf am Telefon aufscheint das Unheil verkündet. Glücklicherweise kam es anders. Der Anruf kam, aber alles war gut. Die Nacht war überstanden. Der Rest würde sich in den nächsten Tagen zeigen.

Die Zeit danach

Die Tage danach waren immer gleich, aufstehen, frühstücken, zu Michi ins Krankenhaus gehen, ihm beistehen. Es dauerte 2,5 Tage, bis er wieder aus dem Koma aufgeweckt wurde. Wenigstens war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein. Unser Vater war nachgebracht worden von meiner Tante. Begleitet von unserer Mutter und seiner Freundin. Ich bin froh, dass nur mein Vater blieb und sonst niemand. Nach jedem morgendlichen Besuch ging es zum Mittagessen, dann zum Besuch und dann zum Abendessen. In der Zwischenzeit hielten wir alle Verwandten, Freunde und Bekannten am Laufenden und ich kümmerte mich um den Rücktransport. Nach über einer Woche ging es dann endlich nach Graz in die Heimat. Wo dann der eigentliche lange Rückweg für Michi beginnen sollte. Und auch den meisterte er. Es gab zwar Rückschläge, aber Michi ließ sich nie unterkriegen und so konnte er zurück ins Leben kommen und fand (s)ein neues Hobby. Oder verrückter. 

Unser 17.06

Seit meiner Diagnose und dem Unfall von Michi, ist der 17.06 unser 2er Feiertag. Für ihn ein zweiter Geburtstag und für mich gibt’s Kuchen. Diabetes habe ich schon und den Teil mit der Amputation des Beines hat Michi erledigt. Damit haben wir alles abgedeckt. Wir feiern das selten, um ehrlich zu sein. Meistens bin ich Urlaub und Michi darf arbeiten. Wir holen das dann häufig nach. Grillen, chillen, und Bierli killen. Gemeinsam schauen dann auf unsere Erlebnisse zurück und sind froh, dass es uns so gut geht. Wir sind sehr ähnlich in unserer Art und Humor. Es kann dann schon vorkommen, dass wir vergessen die Bier zu zählen und rechtzeitig aufzuhören. Dann wanken wir nach dem einen oder anderen Bier, als ob uns beiden mindestens ein Bein fehlen würde. Was uns beide auch stark verbindet ist unsere Stärke mit Rückschlägen umzugehen und die positiven Dinge versuchen zu sehen.

Was ist daran positiv?

Vieles ist daran positiv. Michi kann nicht mehr mit dem falschen Bein aufstehen. Er wird sich auch kein Bein ausreißen nur um etwas zu erreichen. Wenn jemand fragt, ob es läuft, sagt er nein es humpelt. Und davon gibt es noch unzählige weitere Sprüche. Ich bin süß, auch wenn ich Sauer heiße. Ich antworte auf Fragen zu meinem Diabetes meistens mit dummen Antworten. Außerdem darf ich, nein ich muss sogar, legal dopen. Insulin steht auf der Dopingliste und ohne geht es bei mir nicht mehr. Auch hier könnte ich noch viele weitere Dinge anführen die ich als positiv beurteilen würde. Eines ist noch zu erwähnen. Michi hat seit neuestem einen Flaschenöffner in seinem Schaft. Man kann wunderbar Bier öffnen oder auch andere Getränke. Ist also nicht nur positiv sondern auch ein Partygag und kommt verdammt cool rüber.

Was wir beide als positiv empfinden ist unsere Neugier einfach immer wieder was auszuprobieren. Wir wollen anderen Mut machen und zeigen, dass auch Rückschläge nicht der Weltuntergang sind. Jeder von uns hat die Möglichkeit das Beste aus seiner Situation zu machen. Wenn wir es allein nicht schaffen, dann haben wir jemanden der uns helfen kann, oder wir suchen jemanden. Und haben wir keinen in unserem Bekanntenkreis dann suchen wir uns jemanden außerhalb. Irgendwie geht es immer weiter. Unser Leitspruch ist auch „Wenn der Kopf bis zum Hals in Scheiße steckt, dann lassen wir ihn lieber nicht hängen!“ Und so kommen wir immer voran. Die Richtung ist dabei egal. Wir möchten ein Vorbild sein und andere motivieren den Kopf nicht hängen zu lassen. Den egal was das Leben für dich bereit hält, du hast immer Möglichkeiten. Du kannst aufgeben, nachgeben oder Alles geben. Wir geben (fast) immer alles.

Auf die nächsten Jahre

Wir wissen beide nicht, was das Leben für uns noch bereithält. Wir wissen nur, wir werden es nehmen, wie es kommt, und uns gegenseitig zur Seite stehen und unterstützen, wo wir nur können. Es wird sicher die eine oder andere Meinungsverschiedenheit geben, bisher konnten wir noch alle lösen. Sei es durch direkte Aufforderung oder durch ein klärendes ruhiges Gespräch. Das meiste machen wir uns beim Kochen, Grillen und Bier trinken aus. Das hat bisher gut funktioniert und wird es auch weiterhin. Für uns ist klar, was auch immer passiert, es wird immer einen Weg geben, der für uns passt und den wir gemeinsam gehen bzw. humpeln können. Uns rennt nichts davon und falls doch, hole ich es ein und halte es fest 😉

Und damit beende ich den Beitrag für heute. Ich hoffe, er hat dir gefallen. Über ein Like, Kommentar oder wenn du es teilst, freue ich mich sehr. Wie gehst du mit Rückschlägen um? Feierst du auch einen zweiten Geburtstag oder irgendeine Diagnose wie Diabetes?

Laufend Grenzen verschieben

Laufend Grenzen verschieben

Vor 2 Jahren bin ich meine 9 Marathons in Folge gelaufen und habe jedes Bundesland sowie jedes Nachbarland dabei besucht. Auf selbst erstellten Strecken ging es durchs Land. Bei „Laufend Grenzen verschieben“ habe ich nicht nur mein schönes Österreich besser kennengelernt, sondern auch alle Nachbarländer. Und natürlich habe ich die Kulinarik erforscht und genossen. Heute möchte ich auf meine Marathon und Cordon Bleu Reise zurückblicken und das mit dir teilen.

Laufend Grenzen verschieben

Die Idee dahinter

Die Idee entstand beim Kongress Licht 2023. Ich habe einen Artikel über 2 Südsteirer gelesen, die in jedem Bundesland einen Halbmarathon gelaufen sind. Und das an 9 aufeinanderfolgenden Tagen. Ich musste schmunzeln und kurze Zeit später bekam ich von Freunden und bekannten den Artikel auch noch geschickt. Lächelnd habe ich gemeint, das ist eine halbe Sache und wer mich kennt, der weiß entweder ganz oder gar nicht. Also wenn ich das Projekt starte, dann nur mit Marathons. Bei einem Spaziergang in die Altstadt von Salzburg erzählte ich meinem Arbeitskollegen und Freund von der Idee. Wir unterhielten uns darüber und verfeinerten die Idee bei einem Bier. Weil Armin aber ähnlich gute Ideen hat wie ich, wuchs der Idee zu einem Plan und wurde immer mehr. Nicht nur Marathons in jedem Bundesland durften es sein, auch jedes Nachbarland sollte besucht werden. Nach ein paar Tagen machte ich mich an eine genauere Planung.

Die Grobplanung

Als erstes sah ich die Probleme des Projektes.

  • Das war die Zeit. Wann soll ich so viel Zeit haben das zu laufen? Fit war ich ja, da machte ich mir keine Sorgen.
  • Wo werde ich laufen, um alle meine Vorgaben zu erfüllen?
  • Wer wird mich begleiten?
  • Wie komme ich von einem Ort zum anderen.
  • Wie kann ich meine Regeneration möglichst gut gestalten?
  • Was und wie viel muss ich vor, während und nach den Läufen zu mir nehmen, um fit zu bleiben?
  • Welche Geschwindigkeit ist die richtige, um so ein Projekt zu schaffen.
  • Kann ich Sponsoren organisieren, die mich finanziell unterstützen?
  • Und noch viele weitere Fragen taten sich für mich auf.

Die Antworten waren auf manche Fragen schnell gefunden auf andere weniger schnell. Die wichtigste wer mich begleiten wird, war schnell geklärt. Armin hat sofort gesagt, wenn ich das wirklich mache, dann wird er mich begleiten.

Die zweite wichtige Frage war die Zeitfrage. Wann und wie soll ich das unterbringen. Auch dafür war schnell eine Lösung gefunden. Und zwar eine die für mich mehr als perfekt gepasst hat. Nicht nur das Projekt flatterte zufällig in meinen Schoß, auch ein neuer Job ergab sich. Ich wechselte in mein neues Unternehmen. Dafür konnte ich im alten meinen Urlaub abbauen und war noch ein Monat arbeitslos. Ich hatte also gut Zeit. Das Nächste, was ich gelöst habe, waren sämtliche medizinische Fragen in Bezug auf meinen Diabetes. Schnell hatte ich meine Ärzte begeistern können. Dann ging es auf Sponsorensuche. Auch hier konnte ich einige finden und so wurde das Projekt finanziert. Und dann wollte ich noch dafür sorgen, dass ich darauf aufmerksam mache, dass mit Diabetes nahezu alles möglich ist. Und so unterstütze ich den Verein «Wir sind Diabetes» Alles was an Spenden reinkam, ging 1:1 an den Verein weiter.

Detailplanung, naja so lala

Bevor es dann losging, musste ich noch die Strecken finden. Die habe ich ganz schnell mit Garmin geplant. Das hat zu ein paar Hoppalas geführt. Zum Beispiel waren wir auf Wegen unterwegs die es gar nicht gab. Oder sind an eine gesperrte Brücke gekommen, die einen schönen Umweg bedeutet hat. Und die Planung für Armin am Rad tauglich zu machen war auch nicht einfach. So habe ich mir die Strecken nicht exakt angeschaut und darauf vertraut, dass Garmin genau weiß, ob es möglich ist, dort mit dem Rad zu fahren. Im Nachhinein hat sich der Satz „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!“ als richtig erwiesen. Wir haben aber alles unbeschadet überstanden und hatten viele schöne Momente, von extremer Freude bis hin zu aggressiver Stille vor Wut über die Streckenführung. Weil uns diese Marathonchallenge nicht genug war, hatten wir noch eine Side Challenge. Und zwar die Cordon Challenge.

Nachdem auch die Strecken feststanden, der Zeitraum ausgewählt war und die Unterkünfte gebucht, fehlte nur mehr eine Kleinigkeit. Die Abklärung mit meinen Ärzten und Trainer. Ich durfte zur Blutabnahme, zur Körperfettmessung und zum EKG. Bei den Untersuchungen besprachen wir auch wie mein Diabetesmanagement in dieser Zeit aussehen sollte und welche Daten ich sammeln werde. Ein kleines USB-Stick großes EKG wurde mir erklärt und ich trug es 24/7. Nur zum Duschen, Datendownload und aufladen wurde es abgenommen. Noch schnell eine WhatsApp Gruppe eingerichtet und dann kam endlich der einfache und angenehme Teil des Projektes. An den Start fahren, ein bisschen Sightseeing machen und warten, dass der erste Start anbricht. Bevor es aber so weit war, gab es noch das letzte Abendmahl. Ein, nein sogar zwei Stück, Cordon Bleu. Vom Kalb, mit herzhaftem Bergkäse und Schinken. Und so startete die Side Challenge bevor die eigentliche Challenge losging.

Laufend Grenzen verschieben, die Marathons

Vorarlberg – Lichtenstein – Schweiz

Mein erster Marathon startete in Feldkirch (Vorarlberg) und ging nach Liechtenstein über die Schweiz retour nach Feldkirch. Mit 400 Höhenmetern war es ein anstrengender Beginn. Vor den Anstiegen hat Armin noch gemeint ich werde auf ihn warten müssen. Das belächelte ich, doch er hatte Recht. Erst wenns bergab ging konnte er mich einholen und wieder begleiten. So habe ich in der Zwischenzeit bei Fitnessgeräten Klimmzüge gemacht, um mir die Wartezeit zu verkürzen. In einer Zeit von 4:35:12 und mit 43,26 km war der erste Marathon in den Büchern.

Tirol

Manche der Marathons bin ich nur im Bundesland geblieben. Dafür habe ich bei anderen ein Dreiländereck gemacht. Tirol war der zweite Marathon und der erste, welcher nur in einem Land blieb. Der zweite Marathon war ein wenig die Überraschungskiste. Ich wusste nicht, wie es sein wird, zwei Marathons hintereinander zu laufen. Dieses Mal begleitete mich nicht nur Armin am Rad, auch Thomas mein Marathonbekannter aus Tirol war mit von der Partie. Er lief mit mir einfach zum Spaß einen ganzen Marathon mit. Armin fragte schon am Morgen wie es mir geht, ich meinte gut, den Rest sehen wir, wenn ich laufe. Nach den ersten Metern stellte ich fest, dass ich absolut fit bin. Null Vorbelastung habe und das einfach locker runterlaufen werde. Und damit meinte ich nicht diesen zweiten Marathon, sondern das gesamte Projekt. Marathon 2/9 42,21 km 4:24:30

Salzburg

Mein dritter Marathon war in Salzburg. Hier kannte ich mich ein wenig aus und so liefen wir entlang der Salzach von Hallein bis nach Salzburg. Die Strecke war in Ordnung und meistens im Schatten. Dennoch wurde es sehr schnell sehr warm. Das führte auch dazu, dass ich mehr Zucker als sonst benötige. Armin hatte aber alles in seinem Rucksack und versorgte mich. Damit war der dritte Marathon auch „nur“ reine Formsache bei bestem Wetter. Nach 42,21 km in 4:17:31 war es zu Ende und wir fuhren zur nächsten Unterkunft.

Oberösterreich – Deutschland

Marathon 4 hielt einige Überraschungen parat. Der Start war in Passau am Dreiflusseck. Wir blieben in Deutschland und liefen der Donau entlang. Als erstes fiel mein EKG ab. Ich schwitzte es runter. Dann übersahen wir ein dezentes großes Schild, welches darauf hinwies, dass die Querung Jochenstein gesperrt war und dann wurde aus dem Marathon ein Marathon plus lockeres Auslaufen. Als wir an die gesperrte Querung der Donau kamen, mussten wir entscheiden, ob wir weiterlaufen und es deutlich mehr wird als ein Marathon oder ob es retour geht. Wir entschieden uns umzudrehen und eine Fähre zu suchen. Wir hatten Glück und fanden eine. Dort stand auch der Hinweis, dass man die nutzen sollte, wenn man über die Donau will. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wir nahmen es mit Humor und erledigten den Marathon+. Nach 5:13:30 und 48,20 km waren wir im Ziel und kurz vor einem Cordon Bleu.

Niederösterreich – Tschechien

Diese Strecke war auch unterhaltsam. Aus einem geplanten Straßenmarathon wurde ein Orientierungslauf. Die Strecke die Garmin geplant hatte, gab es stellenweise nicht. So ging es querfeldein durchs Gemüse. Bei dieser Strecke trennten wir uns wegen dem Gelände. Über eine Stunde lief ich allein über Feldwege, Felder und Wiesen. Stets mit Armin über den Live-Standort verbunden, aber doch getrennt. Nach knapp einer Stunde ging mir der Traubenzucker aus. Ich hatte schon Sorge, dass ich abbrechen muss. Weit und Breit war keine Zivilisation zu sehen. Kurz bevor es kritisch wurde holte mich Armin wieder ein. Zur schnellen Behandlung gab es zur Halbzeit des Projektes ein Pausenbier. Der Zucker pendelte sich rasch ein und wir beschlossen uns bei der zweiten Hälfte des Projektes nicht mehr zu trennen. 44 km 5:01:54

Wien

Wien war wieder ein Marathon nur in Wien. Armin und ich trafen uns für ein Interview mit „Wir sind Diabetes“ im Prater und dann ging es los. Auf den Spuren von Kipchoge lief ich die Prater Hauptallee 4-mal rauf und wieder runter, um den Marathon voll zu bekommen. Weil ich etwas sauer war, nicht nur wegen meines Namens, wollte ich den Marathon in unter 4 h laufen. Ich fragte kurz in Graz nach, ob das möglich sei und ballerte, dann durch die Allee. Das Sprechen habe ich für die Zeit weitestgehend eingestellt. Armin wurde zum Alleinunterhalter und bespaßte mich. Mit Schuhwechsel und bei sehr warmen Temperaturen war der Marathon mit 42,20 km in einer Zeit von 3:57:30 zu Ende. Zufrieden planten wir den Trip zum nächsten Cordon Bleu.

Burgenland – Slowakei – Ungarn

Auch ein sehr heißer und dafür sehr öder Marathon. Kilometerweit war nichts zu sehen. Endlose Felder und gerade Abschnitte die einfach nur sch… langweilig waren. Die Sonne war erbarmungslos und ich schien an meine Grenzen zu kommen. Trotzdem gingen sich noch ein paar Klimmzüge aus und Armin wusste mich abzulenken und zu motivieren. Immerhin war das der Marathon bei dem ich nach 7 Tagen wieder zu Hause bin und in meinem Bett schlafen kann. Nach 42,20 km in 4:22:33 war alles zu Ende und wir traten die Heimreise an.

Kärnten – Slowenien – Italien

Bei Marathon 8/9 habe ich mir selbst eine Challenge aufgegeben. Es ging über den Radweg nach Italien in Richtung Tarvis, dann weiter in Richtung Slowenien nach Kranska Gora und dann über den Wurzenpass retour zum Start in Arnoldstein. Der Marathon mit den meisten Höhenmeter einen Tag bevor der letzte Marathon anstand. Dieses Mal wurde ich auch noch von Wolfi begleitet. Auf den Radwegen war Armin immer an unserer Seite, bei den Anstiegen entschieden wir uns zu trennen und weiterzulaufen. Als Wolfi und ich am Wurzenpass ankamen und am Wanderweg weiterliefen, versuchte ich Armin vergeblich zu erreichen. Keine Verbindung. Ich wollte ihm mitteilen, dass er die Straße zurück nach Arnoldstein nehmen soll und nicht den Wanderweg. Als ich wenig später ein eindeutiges Foto bekam, wusste ich meine Mühe war vergebens und nun war Armin sauer. Dennoch kamen wir gut zum nächsten Cordon nach 43.05 km in 4:22:16 mit 1044 Hm

Steiermark – Das große Finale

Mein letzter Lauf war von Röthelstein auf den Grazer Hauptplatz. Ich wurde von vielen Freunden am Rad und laufend begleitet. Manche liefen ihren ersten Marathon oder waren schon erfahrener. Andere begleiteten mich ein Teilstück oder liefen ihren ersten Halbmarathon. Die Elektrolytversorgung wurde mit Bier gewährleistet. Nach 2 Bier beim Laufen hatte ich ganz schön einen sitzen. Bis auf den Hauptplatz nach Graz wurden es immer mehr Leute um mich herum. Am Hauptplatz wurde ich von meiner Familie und Freunden sowie einigen Passanten unter Jubel und Applaus empfangen. Es stand ein Tisch bereit mit einem Cordon Bleu für Armin und mich und einer kalten Dose Bier. Mein erster und für lange Zeit einziger Gedanke war in diesem Moment „Wie geil es geschafft zu haben. Wir haben es geschafft!“ Ich war überwältigt und umarmte Armin und bedankte nochmal für seine Zeit, Hilfe und Freundschaft. 43,81 km 4:22:16

Es war ein Wahnsinn, was wir in diesen 9 Tagen erlebt hatten. Wie viele Orte wir sahen und wie viele Cordons wir gegessen hatte. Wir hatten viel Zeit uns während den Läufen und auch danach über alles Mögliche zu unterhalten. Im Ziel waren wir begeistert davon wie gut es uns gegangen ist und wie viel Spaß wir dabei hatten. Abschließend noch ein paar Zahlen

  • 391,12 km
  • 41:12:44 Stunden
  • 560 positive Höhenmeter
  • 635 negative Höhenmeter
  • 049 verbrannte Laufkalorien + 18.000 Kalorien Grundbedarf
  • 10 Cordon Bleus

Die Cordon Bleu Side Challenge

Bei Laufend Grenzen verschieben war natürlich die Ernährung eine große Frage. Im Vorfeld haben wir gedacht wir werden in jedem Bundesland eine kulinarische Köstlichkeit probieren. Aber schon im Vorfeld beschlossen wir überall Cordon Bleu zu kosten und das beste Cordon Bleu zu finden. So ergab es sich, dass wir 10 Tage lang Cordon Bleu gegessen haben. Im Sinne der Wissenschaft und um das beste Cordon zu finden.

  • Das beste Cordon gab es in Tirol beim Romediwirt
  • Das lustigste Cordon bei meinem Nachbarn nach Marathon #7. Er hat an dem Tag zum ersten Mal Cordon gemacht
  • Das überraschendste Cordon gab es beim Zieleinlauf, zubereitet vom Propeller Graz. Die haben nicht mal Cordon auf der Karte, aber als sie davon hörten, haben sie einfach eines gezaubert

So wurde meine Marathonchallenge von unser Cordonchallenge begleitet. Und das Schönste daran? Kein einziges mussten wir selbst bezahlen. Wir wurden auf jedes aus der Ferne eingeladen.

Familie, Freunde und mein neuer Arbeitgeber haben uns auf die Cordons und auch die Getränke eingeladen. Wir waren immer gut gesättigt und zufrieden. Ich kann mich noch an die Aussage eines Freundes erinnern. Tage nach dem Projekt meinte er so «Ich war mir sicher, dass du das mit den Marathons schaffen wirst. Bei den Cordon Bleus war ich mir nicht so sicher.» Gleich wie bei den Marathons sind mir die Cordon Bleus zu keinem Zeitpunkt angestanden. Tatsächlich ist es mittlerweile so, dass ich Cordon viel lieber esse als vor zwei Jahren. Das Gasthaus in Arnoldstein nach Marathon Nummer 8 besuche ich immer wieder gerne auf das Cordon. Das war auch sehr gut und jedes Mal muss ich schmunzeln wenn ich dort bin.

Die Ergebnisse aus der Medizin

Nachdem alles zu Ende war, wurden noch die EKG-Daten ausgewertet, Blut wurde erneut abgenommen und auch die Körperfettmessung wurde nochmal durchgeführt. Die Ergebnisse waren sehr interessant.

  • EKG-Daten unauffällig. Nur nach dem letzten Marathon war meine Regeneration schlecht. Lag vielleicht an den drölf Bier, die ich hatte 😉
  • Die Blutwerte waren unspektakulär langweilig. Man hat nicht erkannt, dass ich gelaufen bin. Alle Werte im Normalbereich zumindest nicht wesentlich anders als bei der Abnahme vor Laufend Grenzen verschieben
  • Die Körperfettmessung ergab auch kaum Veränderung. Ich hatte kaum abgenommen, weder Gewicht noch an Umfang an den gemessenen Stellen. Bedeutet also, dass die Cordon Bleu Diät erfolgreich war.
  • Mein Diabetesmanagement war sehr gut. Das verdanke ich dem AID-System von mylife Diabetescare

Und mein persönliches Fazit dazu ist. Ich weiß nun, dass ich (fast) alles schaffen kann. Solange ich halbwegs normal trainiere, mich ausgewogen mit vielen verschiedenen Cordon Bleus ernähre und verletzungsfrei bleibe lauf ich immer weiter. Das nächste Projekt ist schon bereit.

DANKE

Ich möchte mich noch bei allen bedanken die mich damals unterstützt haben. Das waren sehr viele Einzelpersonen und auch Firmen. Ihr habt immer an mich geglaubt und unterstützt. Ich habe es zwar für mich gemacht und auch um zu beweisen, dass es möglich ist, aber mit der Unterstützung war es deutlich einfacher. Und besonders möchte ich mich bei Armin bedanken. Der sich als WUGL* angeboten hat und mit mir diese Tour gestartet hat. Wir sind zwar keine Arbeitskollegen mehr, aber wir sind Freunde geblieben und essen immer noch gemeinsam Cordon Bleu.

*WUGL = Wasser Und Geländegängiges Lastentier

Falls du dir meine Instagram Beiträge von damals dazu ansehen willst, habe ich dir den ersten hier verlinkt. Dann kannst du dir alles nochmal anschauen. Gerne kannst du den Beitrag liken, teilen oder kommentieren. Ich freue mich über alles davon. Bis bald, ich gehe jetzt ein Cordon Bleu essen 😉