von Mauzi | Nov. 16, 2025 | Beiträge ohne Diabetes
Was ein Triathlon ist, wissen sehr viele Personen. Was der Austria Extreme Triathlon (Website, Instagram) ist, schon nicht mehr so viele. Zu den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen kommen noch ein paar „Kleinigkeiten“ dazu. Schwimmen in einem Fluss. Zwar im Staubereich dennoch gibt es eine Strömung. Beim Radfahren und Laufen darf man dann noch ein paar Höhenmeter naschen. Und weil das noch nicht genug ist, liegt der Start und das Ziel ca. 220 km auseinander. Verrückt? Extrem!
Warum kein normaler Triathlon?
Ich finde einen normalen Triathlon einfach nur langweilig. Bitte nicht falsch verstehen. Die sportliche Leistung jedes Athleten ist beeindruckend. Aber mit tausenden anderen ins Wasser zu springen und sich im Wasser zu prügeln interessiert mich nicht. Ich habe nicht den Anspruch zu gewinnen oder besser zu sein als jemand anders. Ich will mein Bestes geben und Spaß haben. Außerdem bin ich bereits bei so vielen Wettbewerben am Start gestanden, dass ich diese Massenstarts nicht cool finde. Es ist einfach irre viel los und Stress pur. Es kommt mir immer ein wenig vor wie eine Prüfung und alle haben Angst nicht genug gelernt zu haben. Dabei sollte es ganz anders sein. Man sollte sich freuen, dass es endlich losgeht und man das tun kann, worauf man sich Monate vorbereitet hat. Der Austria Extreme Triathlon ist familiärer als ein Massenevent dafür aber um eine Spur anstrengender.
Und das ist der Grund, warum ich das machen möchte. Ich war als Supporter dabei, ich durfte die Staffel absolvieren und dann fehlt logischerweise der Einzelstart. Mittlerweile müsste auch jeder mitbekommen haben, dass ich es gerne ans Limit treibe. Mir macht es Spaß meine Grenzen immer wieder aufs Neue kennenzulernen und zu verschieben. Ich finde es beeindruckend wie viel möglich ist und was ich leisten kann. Wird es eine Challenge? Mit Sicherheit. Werde ich fluchen und mich im Training fragen, warum ich mir das angetan habe? Absolut. Wird es Spaß machen? Logisch. Vielleicht nicht immer, aber meistens. Werde ich es schaffen? Das ist mein Ziel. Es geht mir um keine bestimmte Zeit oder Platzierung. Alles egal. Durchkommen, Spaß haben und genießen. Mit Beständigkeit und meinem eisernen Willen zieh ich das durch. Erst das Training und dann den Triathlon. Aus Erfahrung weiß ich, dass das Training eh härter ist! 😉
Die Hürden
Diabetes
Erste Hürde und an die habe ich gar nicht so gedacht. Diabetes. Wie mach ich das beim Schwimmen? Mit Pumpe und Handy im Neopren? Ohne Pumpe und Handy im Blindflug? Gebe ich mein Handy jemanden im Boot und hoffe darauf, dass das Boot bei mir bleibt? Sollte ich dazwischen etwas essen/ trinken oder wird es auch ohne gehen. Was könnte passieren, wenn ich meine Sachen mitnehme und sie kaputt werden? Oder ich nehme es nicht mit und es passiert deswegen etwas. Dann ist das Rennen zu Ende bevor es begonnen hat. Wie wird es am Rad und beim Laufen dann laufen? Wie viel Kohlenhydrate muss ich aus Diabetessicht konsumieren und wie viel, um nicht auszubrennen. Wen fordert es mehr. Mein Equipment oder mich?
Mein Diabetesmanagement werde ich mit Othmar Moser auf der Diabetes & Sportambulanz am LKH Graz in Angriff nehmen. Othmar kenne ich seit meiner Diagnose Diabetes. Ich war in unzähligen seiner Studien und durfte schon viel lernen. Gemeinsam werden wir eine Strategie fürs Training und dann Tag X aufstellen. Seine Erfahrung & Fähigkeiten und mein Selbstvertrauen ist eine Mischung, die mich sicher ans Ziel bringen wird. Ich freue mich jetzt schon auf die Gespräche, die Auswertungen und dann auf das gemeinsame Glas Sauvignon Blanc nach dem Triathlon.
Schwimmen
Als Kind bin ich viel und sogar ganz gut geschwommen. Irgendwann wars dann aber vorbei und ich habe das nicht weiterverfolgt. Das darf ich nun wieder ganz neu lernen. Also eigentlich die Technik im Kraulen. Schwimmen kann ich noch immer. Und tauchen wie ein Stein. Das wars dann schon. Mit Ana habe ich eine fantastische Trainerin gefunden und sie wird mir das schon beibringen. Außerdem habe ich dann eh 2:15 Stunden Zeit, um die Strömung der Mur zu genießen. Ich habe also den leichteren Teil erwischt. Lernen wie es geht, üben, üben, üben und dann einfach ins Wasser steigen, tief durchatmen, alles, was ich gelernt habe, vergessen und ums Überleben kämpfen. Klingt machbar, oder?
Radfahren & Laufen
Beim Radfahren und Laufen schaut die Sache anders aus. Da benötigt es wenig technisches Verständnis. Hier sind „nur“ die Distanz und die Höhenmeter eine Hürde. Es ist dann doch ein ganz schönes Stückchen von Graz zum Dachstein. Und darauf freue ich mich am meisten. Ich stell mir vor wie schön es ist bei perfektem Wetter einmal quer durch die Steiermark zu radeln und dann zu laufen. Dazwischen gibt es kohlenhydrathaltige Snacks, schöne Aussicht und jede Menge Spaß. Bestimmt wird es auch super anstrengend. Aber wen juckts. Es macht jeder Teilnehmer freiwillig. Und alleine ist auch niemand.
Alles gute Fragen die ich mir erst seit kurzem stelle. Bis zum 20.06.2026 sollte ich dann die Antworten haben. Bedeutet für mich ich habe nun etwas mehr als 8 Monate Zeit um es auszuprobieren und dann einfach zu machen.
Die Unterstützung
Triathlon Trainingsplanung
Ohne Unterstützung wäre so ein Projekt binnen 8 Monate zu stemmen nicht möglich. Ok für mich kann niemand anderes trainieren, Technik lernen und dranbleiben. Es kann mir auch niemand die mentalen Fähigkeiten einfach so geben, dass ich genug Biss habe es durchzuziehen. Daher habe ich mich entschieden Sportmed Graz zu bitten meine Trainingssteuerung zu übernehmen. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit Chris und Ana gemacht. Sie haben den schweren Part sich das Training zu überlegen, wie sie mich bis Juni so fit bekommen, dass ich es wie einen Spaziergang im Park wirken lasse. Ich brauch dann auch nur mehr trainieren. Mein Lieblingspart bei solchen Projekten. Einfach das Umsetzen was mir die Profis sagen.
mylife Diabetescare
Wie auch schon beim Transalpine Run werde ich beim Austria Extreme Triathlon von mylife unterstützt. Nicht nur mit dem AID-System (Insulinpumpe, Sensor, App), sondern auch von vielen sehr freundlichen Mitarbeitern, die wie ich gut gelaunt sind und wissen, was alles möglich ist. Gemeinsam möchten wir zeigen, dass Diabetes auch eine Motivation sein kann. Eine Motivation erst recht das zu tun, was ich machen möchte. Nicht nur mir selbst sondern auch anderen zeigen kann, dass Vieles möglich ist. Und das finde ich ist eine schöne Sache. Seitdem ich das mylife System benutze, habe ich festgestellt, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Ich glaube da geht noch mehr und wir werden sicher noch einige gemeinsame Projekte gemeinsam machen. Schon mal danke für alles was bisher war und was noch kommen wird.
Der Supporter
Ganz besonders freut es mich, dass mich Marko begleiten wird. Das freut mich auch deswegen, weil wir schon gemeinsam einen Marathon in Sevilla gelaufen sind und ich ihn da begleiten und unterstützen durfte. Dieses Mal drehen wir den Spieß um und er darf sich um mich kümmern. Das ist das schöne am Sport. Er verbindet Menschen miteinander und lässt Freundschaften entstehen. Und schon mal entschuldige Marko, wenn ich zwischendurch fluche. Ich bin mir fast sicher, dass das passieren wird 😉
Los gehts
Ich freue mich auf dieses Abenteuer. Auf das Training, das Blutzuckermanagement, die Herausforderung alles unter einen Hut zu bekommen und und und. Am besten du folgst mir auf Instagram und begleitest meine Reise vom Schwimmen wie ein Stein über Radeln wie Lance Amstrong und Laufen wie Speedy Gonzales. Wenn du was wissen möchtest oder Tipps hast, dann rein damit in die Kommentare. Ich freue mich auch über Likes oder wenn der Beitrag geteilt wird. Bis bald 🙂
von Mauzi | Sep. 29, 2025 | Beiträge mit Diabetes
Was sind mentale Herausforderungen beim Transalpine Run? „Mentale Herausforderungen beim Transalpine Run sind das Durchhalten über mehrere extrem fordernde Tage trotz Erschöpfung, Schmerzen, wechselndem Wetter und Selbstzweifeln.“ Ist die Antwort die man von ChatGPT erhält. Und was ist Mentaltraining? „Mentaltraining ist eine bewusste Schulung von Gedanken, Vorstellungen und Einstellungen, um Konzentration, Motivation, Gelassenheit und Leistungsfähigkeit zu steigern.“ Ebenso die Antwort von ChatGPT. Genug mit ChatGPT. Im Beitrag von heute möchte ich meine mentale Reise beim Transalpine Run näher beleuchten. Und wie immer bitte ich dich, lass einen Kommentar da, teile den Beitrag oder schenke ihm ein Like. Ich freue mich darüber.
(Mentale) Vorbereitung
Sportliche Vorbereitung
Bevor ich zum Transalpine Run anreiste, versuchte ich mich mit ausreichend Training auf den Lauf vorzubereiten. Mein Training lief gut und war umfangreich. Woche um Woche durfte ich mehr Kilometer laufen und Höhenmeter sammeln. Vom gemütlichen Longrun am Berg bis zu kurzen intensiven Bergsprints war alles dabei. Nun gut ich neige dazu meistens alles zu geben. So ist das geplante Training für mich häufig das Minimum, welches ich erfüllen will. Meistens mache ich mehr als notwendig. Das gilt allerdings nur fürs Training. Ansonsten bin ich ziemlich faul. Auch bei Lösungen suche ich meistens die einfachste. Es muss funktionieren ist mein Ansatz. Dadurch, dass ich so fleißig trainiert und kaum eine Veranstaltung ausgelassen habe, kam es zur Überbelastung und ich „durfte“ ärztlich angeordnet eine mehrwöchige Pause machen. Genau so etwas wünscht sich jeder Athlet vor einem Bewerb wie dem Transalpine Run. So war es nun mal und ich gings gemütlich an.
Gemütlich bedeutete ich habe 3 Wochen nur meinen Oberkörper trainiert. Gar keinen Sport zu machen, schaffe ich nur wenn ich ernsthaft krank bin. Eine kleine Verletzung schränkt mich ein, hält mich aber nicht auf. Also habe ich mir 2 Wochen Gedanken gemacht, wie ich meine Ausdauer ohne Laufen hochhalten kann. Ich bin zwar kein großer Fan vom Radfahren, aber kurzerhand habe ich mir ein Rennrad gekauft und begann einfach zu radeln. Damit war der Erhalt meiner Ausdauer gesichert. Im Krafttraining von Peter habe ich mir dann immer wieder Übungen für die Beine einbauen lassen. Immer wieder konnte ich somit in den Schmerz hineinfühlen. Welche Übungen funktionieren und welche nicht. Aufhören, bevor es schlimmer wird. Auf den Körper hören. Und so tastete ich mich an meine Grenzen heran und erhielt meine Fitness. Naja, und ich bin sofort ins Radfahren gekippt und habe gleich mal 1.000 km runtergespult. Normal kann ich nicht.
Mentale Vorbereitung
Im Vorfeld dachte ich mir schon, dass der Transalpine Run mehr als „nur“ eine körperliche Herausforderung wird. Also bemühte ich meine graue Hirnmasse auch etwas mehr als für andere Veranstaltungen. Ich schloss im Juli meine Mentaltrainerprüfung ab. Ein großer Vorteil für mich. Dann gönnte ich mir noch das Buch „Mentaltrainer für Läufer – Weil laufen auch Kopfsache ist“ von Dr. Michele Ufer. Als ich es in meinen Händen hielt, begann ich sofort neugierig darin zu lesen. Viele Dinge aus dem Mentaltraining waren mir schon bekannt. Im Buch waren aber teilweise andere Lösungswege und Übungen beschrieben, die mich interessierten und ich ausprobieren konnte. Mehr und mehr stellte ich fest, dass die mentale Komponente bei diesem Lauf wichtiger sein wird als sonst. Ich las und übte täglich. Was waren das für Übungen? Wie sieht so etwas aus?
Als erstes begann ich mir vorzustellen, dass ich gemeinsam mit meinem Teampartner Peter jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht ins Ziel komme. Dann begann ich mir vorzustellen, wie es sein wird, wenn wir die letzte Etappe geschafft haben. Welche Gefühle ich haben werde und wie es mir damit geht. Meine Reise begann im Ziel und ich arbeitete mich retour zum ersten Tag. Ich versuchte den Start bei bestem Wetter vorzustellen. Wie wir Teilnehmer angefeuert und motiviert werden. Und dann, wie es sein wird loszulaufen und endlich unser Abenteuer starten zu können. Dieses Szenario visualisierte ich vor meinem geistigen Auge für jede Etappe, für jedes Wetter, für alles, was gut lief und alles, was schlecht lief. Jede Möglichkeit, die mir in den Sinn kam, dass sie eintreten könnte, ging ich in meinem Kopf durch. Das Wichtigste für mich dabei war, dass ich es mir so real wie möglich vorstellen kann.
Herausforderung der Vorbereitung
Ich hoffe, das klingt noch alles verständlich. Nun möchte ich auf die Herausforderungen eingehen. Mentaltraining ist mehr als sich etwas vorzustellen oder zu wünschen. Es ist auch nicht mit einmal üben erledigt. Es ist wie jedes Training. Ich muss es schon öfters absolvieren damit es eine Wirkung hat. Und je öfter und genauer ich es mir visualisiere desto besser funktioniert es. Das ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung. Und dann gibts da noch Fragen, „Was wäre wenn, … Was passiert, wenn es anders kommt, … usw.“ Ich habe versucht all diese Fragen, soweit ich konnte für mich zu beantworten. Und wenn das nicht möglich war, überlegte ich mir, was ich dann machen werde. Die Lösung war einfach, erstmal in die Situation kommen und dann wird mir schon was einfallen. Und das war tatsächlich einfach für mich.
Die größte Sorge, welche ich im Vorfeld hatte, war, ob mein Schienbein das durchalten kann und mitmachen wird. Eine andere Möglichkeit als es auszuprobieren hatte ich nicht. Irgendwie war ich auch schon neugierig, wie es sein wird nach 12 Wochen Laufpause wieder zu laufen. Daher dachte ich immer daran, dass ich jeden Schritt, den ich mache, schmerzfrei mache. Das ich leicht und unbeschwert über die Strecke laufen und glücklich, gesund und verletzungsfrei ins Ziel kommen werde. Und das Tag für Tag. 7 Tage lang. Als ich mit dieser Vorstellung begann, wurde mein Bein auch immer besser. Ich bemerkte nur mehr selten einen Schmerz. Wenige Tage vor dem Lauf durfte ich noch für einen Test aufs Laufband. Der Zeitpunkt, um zu testen, ob das Bein hält und ob mein Mentaltraining geholfen hat. Aber das steht ja schon in den letzten beiden Beiträgen, dass es das tat. Versäumt? Hier nachlesen!
Das gelernte Umsetzen
Als dann am 06.09.2025 um 08:02 (der Busverkehr musste durchgelassen werden) der Startschuss fiel, wusste ich, es ist so weit Zeit das Gelernte anzuwenden. Die ersten Kilometer fühlten sich sehr gut an. Keine Schmerzen, perfektes Wetter und ein unglaubliches Bergpanorama. Die Glücksgefühle waren sogar besser als ich sie mir vorgestellt hatte. Der erste Tag verging und beflügelte mich. Es lief problemlos ab. Ich musste nichts anwenden. Das Visualisieren hat sich ausgezahlt. Der erste Tag war gelaufen und ich dachte mir schon, dass das nicht jeden Tag so sein wird. Ich dachte dann so für mich: „Wie isst man einen Elefanten? Man beginnt mit dem ersten Bissen und dann Biss für Biss!“. So habe ich es dann auch bei den weiteren Tagen angelegt. Immer nur von einer Etappe zur nächsten denken, laufen und handeln. Ich begann bereits mir Affirmationen und Metaphern zu überlegen.
Affirmationen
Die Definition von meinem Experten ChatGPT „Affirmationen sind kurze, positiv formulierte Sätze, die durch wiederholtes Denken oder Aussprechen das Selbstvertrauen stärken und gewünschte Einstellungen oder Verhaltensweisen fördern.“ Und genau das habe ich gemacht. Ich ließ mir alles Mögliche einfallen. So viel, dass ich es mir gar nicht im Kopf behalten konnte. Daher entschied ich mich dann spontan, wenn ich es brauchen würde zu entwickeln. Das gelang mir extrem gut. Wenn es bergauf ging und ich am liebsten aufgehört hätte, sah ich meine Hände an und begann in meinem Kopf zu sagen «Links, rechts, links, rechts. Schritt für Schritt ans Ziel.» Oder wenn es bergab ging und ich überlegte, wie ich schneller runterlaufen kann «Leicht wie eine Feder geht’s runter, schnell wie ein Stein donnere, ich ins Tal». Und wenn gar nichts half, begann ich Melodien vor mich hinzusummen. Das hob meine Stimmung und es ging gleich besser.
Im Kopf singen
Ich bin der Meinung, dass meine Gesangskünste hinter verschlossenen Türen in einem schalldichten Raum bleiben sollten. Daher habe ich nicht beim Laufen gesungen. Also nicht hörbar. Nur für mich. Da klingt es auch sehr gut. Die Resonanz in meinem Kopf ist unglaublich. Was so eine hohle Birne für einen Klangraum bieten kann, ist schon faszinierend. Ich bin aber brutal gut im umtexten von Songs. Zumindest für mich selbst bin ich das. Und so fiel mir zu „The Police – Every Breath You Take” ein neuer Text ein. Angelehnt an den bekannten Text summte ich vor mich hin. „Every breath I take, every Carb I ate, I’ll be running trough” Es ist egal ob das Sinn macht oder richtig ist. Funktionieren musste es. Und das hatte ich damit geschafft. Damit kehrte immer wieder ein Schmunzeln in mein Gesicht zurück. Das hielt meine Motivation hoch weiterzumachen.
Schmerzen ignorieren oder annehmen?
Bei so einem Lauf war mir vorher schon klar, dass ich Muskelkater haben werde. Doch wie sehr oder wenig wusste, ich nicht. Auch war mir klar, dass es zu Blasen an den Beinen kommen könnte. Und dann war da noch die Sache mit anderen auftretenden Schmerzen. Was mache ich dann? Ignorieren, annehmen, aufgeben? Vorab konnte ich diese Entscheidung nicht treffen. Das ging nur in dem Moment, wo sie auftreten würden. Mit Muskelkater hatte ich kein Problem. Der war ab Tag 3 Geschichte. Von da an war ich locker drauf und meine Muskeln auch. Blasen? Waren nur zwei kleine auf meinen Zehen. Fachgerecht verarztet und versorgt waren auch die kein Problem. Dann traten die ersten Schmerzen im linken Knie auf. Gerade so viel, dass sie erträglich aber unangenehm waren. Die Lösung? Annehmen und tapen lassen. Das half zum einen im Kopf und zum anderen auch dem Knie.
Bis auf die sanften Schmerzen im Knie blieb das auch so. Bis auf den letzten Tag. Meine Schienbeine waren so geschwollen, dass auch das Mentaltraining nichts half. Ich probierte ein wenig zu laufen. Mehr schlecht als recht. Bergauf war noch ok, bergab war der Horror. Aber ich musste bis zur nächsten Verpflegung. Jede Vorstellung und was auch immer ich versuchte versagte. Den Schmerz konnte ich nicht wegdenken. Ich nahm eine Ibuprofen 600 und es wurde besser. „Ich lauf doch nicht 200 km durch die Alpen, um dann auf den letzten 20 km aufzugeben!“ Dieser Satz verstärkte die Wirkung der Ibu. Der Satz, die Tablette und mein ungebrochener Wille aus eigener Kraft ins Ziel zu kommen trieben mich an. Das und das Wissen, dass ich im Ziel für die Vorbereitung und die Strapazen der letzten Tage belohnt werde. Mental war ich schon im Ziel. Mehrmals.
Ich würde heute alles gleich machen. Wäre mir das vom letzten am ersten Tag passiert, hätte ich vermutlich aufgehört. Den Schmerz anzunehmen als Teil der letzten Etappe war ok. Auch ihn für eine kurze Zeit zu ignorieren. Über einen längeren Zeitraum wäre das nicht schlau gewesen. Ich habe diese Entscheidung für mich selbst getroffen und bin froh darüber. Das hat mir gezeigt, wo meine Grenzen liegen und wie weit ich gehen kann. Ob es dumm war, werde ich hoffentlich nie herausfinden. In der Situation war es gut und richtig. Auf meinen Blutzucker hatte es interessanterweise keine Auswirkung. Der lief stabil durch. Und die nächste Challenge? Noch habe ich die nicht festgelegt, aber ich habe Ideen. 😉
Mentales Fazit
Durch die Teilnahme am Transalpine Run konnte ich mir einige neue Fähigkeiten aneignen. Fähigkeiten die mir weit über den Sport hinaus helfen werden. Beruflich wie privat habe ich festgestellt, dass ich einige dieser gelernten Tools einsetzen kann und werde. Das beginnt damit, dass ich meine positive Einstellung beibehalten und ausbauen werde. Wie ich mit mir selbst und anderen umgehe. Rückschläge sind nicht zwingend schlecht. Sie können eine Chance für einen anderen Weg sein. Erfolge darf genieße ich, aber ruhe mich nicht zu lange darauf aus. Den Fokus aufs Ziel richten und halten. Sollte ich es aus den Augen verlieren suche ich den Fokus wieder und richte ihn eventuell neu aus. Mit Biss aber nicht verbissen an die Aufgabe gehen. Ich möchte weitere mentale Techniken lernen und diese bei Bedarf weitergeben. Der schönste Erfolg beim Lauf war, dass meine mentale Vorbereitung mir den Lauf gerettet hat.
Und damit möchte ich diesen Beitrag für heute schließen. Wie gehst du mit mentalen Herausforderungen um? Im Alltag, im Job, im Sport oder wo auch immer? Hast du Tricks, die dir helfen? Lass doch einen Kommentar da. Bitte lass auch einen Kommentar hier, falls du Wünsche für die nächsten Beiträge hast. Ich freue mich über Vorschläge. Übrigens das Video entstand an Tag 3. Wenige Kilometer vorm Ziel. Und es ist alles andere als happy 😉
von Mauzi | Sep. 22, 2025 | Beiträge mit Diabetes
7 Tage hintereinander zu laufen ist eine Sache. Das ganze dann noch in und über die Alpen ist nochmal ein Stück heftiger. Und wenn das dann noch mit Diabetes Diabetes Typ 1 absolviert wird, ist das wohl die Kirsche auf der Torte. Vielleicht stellst du dir nun die Fragen wie sieht da das Blutzuckermanagement aus? Wie viele Kohlenhydrate müssen gegessen werden. Welches Insulin wird verwendet? Welche Menge, wann wird es abgegeben, welches System wird genutzt. Dann bleib dran. Ich werde in den nächsten Zeilen darauf eingehen und versuchen es so gut wie möglich zu erklären. Vorab möchte ich aber darauf hinweisen, dass das meine Erfahrungen sind und ich die Behandlung in dem Moment so entschieden habe. Ich stand dennoch in ständigem Kontakt mit Othmar Moser. Er hat mich aus der Ferne beraten und gemeinsam haben wir über die Behandlung entschieden.
Blutzuckermanagement beim Lauf

Vorab die Erklärung zum Screenshot & Allgemeines
Bevor wir loslegen, erkläre ich noch das Bild. Die schwarzen und weißen Punkte sind die Sensorwerte. Der horizontale graue Balken, in dem sich die Werte die meiste Zeit befinden, ist der Zielbereich (70-180 mg/dl). Die blaue Linie ist die Basisinsulinversorgung. Diese wird vom Loop anhand der Sensorwerte bestimmt und an die Insulinpumpe übermittelt. Die blau strichlierte Linie ist die programmierte Basisinsulinversorgung. Für den Fall, dass der Loop ausfällt. Die Zahlen in den Blasen sind Kohlenhydrate (schwarz) bzw. die abgegebenen Insulineinheiten (blau). Vertikale gelbe (Ease-Off) bzw. rote Balken (Boost) sind Zusatzfunktionen im Loop. Diese Funktionen führen zu einer Verminderung oder Steigerung der Insulinabgabe. Also der Loop wird gemütlicher in der Insulinabgabe oder aggressiver. Das war es fürs erste mit Erklärungen zum Bild. Was Unter (Hypoglykämie)- bzw. Überzucker (Hyperglykämie) ist könnt ihr hier nachlesen.
Sofern ich es nicht explizit in einer Erklärung erwähne, war mein Zielwert während der Etappen immer auf 120-150 mg/dl eingestellt. Die Alarme für einen Hypo hatte ich auf 100 mg/dl gesetzt. Das war stets in Abstimmung mit Othmar geschehen. Außerdem hatten wir 7 Tage Zeit, um uns ein bisschen zu spielen. Ab Tag 3 habe ich in der Nacht einen Zielwert von 120 mg/dl eingestellt. Dies diente dazu Hypos und eine Gegenregulation zu vermeiden. Meine Ernährung war zum Frühstück meistens etwas mit Vollkorn, sofern es das gegeben hat oder Müsli. Beim Laufen selbst war es eine Mischung aus Zuckersirup aus der Tube (a 36g), Proteinriegel (50g Protein, 23 g Kohlenhydrate), Maoam, Cola oder Lower Carb Proteinriegel (11g Kohlenhydrate). Geschmäcker die ich aktuell weniger (gar nich!) konsumiere, Schokolade, Vanille und die Kombination davon und auch Cola.
Jetzt gehts los 😉
Am Vorabend des Starts in das 7 Tage Rennen gab es wie üblich vor Läufen eine Pasta Party. Erstmal richtig Kohlenhydrate schaufeln und dem Briefing lauschen. Mein Essen habe ich mit einer App zusätzlich zum Loop aufgezeichnet. So konnte ich die enthaltenden Kohlenhydrate bestimmen. Die Pasta war mit 96 g eine gute Portion für ein recht spätes Abendessen. Die 4 g danach waren glaube ich eine Mini Manner Schnitte, welche auf meinem Kopfpolster lag. Die Nacht war ok bis ca. Mittenacht. Dann kam es zu einem Hypo. Was eine Gegenregulation zur Folge hatte und meinen BZ wieder ansteigen ließ. Frühstück gab s um kurz nach 6 Uhr. Hier habe ich mehr gegessen als üblich und dafür weniger Insulin abgegeben als normal. Das führte zu einem schönen Anstieg wie man an der Kurve erkennen kann. Zusätzlich verwendete ich zu erst die Ease-Off Funktion und später dann den Boost.
Durch Ease-Off stieg mein Wert auf knapp über 300 mg/dl. Obwohl meine Werte schon erhöht waren, begann ich zu essen. Zum einen war das mit Othmar abgesprochen zum anderen ist es notwendig genug Kohlenhydrate und Kalorien zu konsumieren. Als ich die Boost Funktion aktiviert hatte, fiel mein BZ rasch ab. Trotz ständigem Essen und Trinken bekam ich knapp einen Hypo. Der Screenshot ging an Othmar. Bevor er geantwortet hatte, wusste ich bereits, dass das Einschalten des Boost Modes den Hypo herbeigeführt hatte. Ein Fehler der passiert ist und glücklicherweise ohne große Folgen blieb. Der Start war um 8 Uhr und wir waren um kurz vor 15 Uhr im Ziel. Dort konnten wir mit einem alkoholfreien Bier auf den ersten Tag anstoßen. Zum Abendessen gab es dann Käsespätzle. Also wieder ordentlich Kohlenhydrate zum Auffüllen der Speicher für die nächsten Tage.
Weiter gehts

Ich würde ja behaupten die erste Nacht nach dem Lauf war eine erholsame, aber das war es leider nicht. Ich habe mich beim Abendessen mit der Menge der Kohlenhydrate verschätzt und bekam dadurch einen Hypo. So eine Hypo Nacht ist nicht besonders angenehm. So kam es, dass ich schon sehr geschlaucht zum Frühstück und zum Start ging. Dieses Mal gab ich gar kein Insulin fürs Frühstück ab. Mein BZ (Blutzucker) kletterte auf knapp 200 mg/dl und fiel dann von selbst ab. An diesem Tag war der Start wieder um 8 Uhr. Ich nutzte fast die gesamte Zeit den Ease-Off Mode und musste dennoch ordentlich dazu futtern. Am zweiten Tag habe ich festgestellt, dass mein Körper weit mehr an Nahrung benötigt als ich mir vorgestellt hatte. Um ca. 14:30 waren wir im Ziel und es gab Nudelsalat und alkoholfreies Bier zur Belohnung.
Blutzuckermanagement bei der Königsetappe

Die Königsetappe hatte knapp 50 km und 3.400 Höhenmeter. Start war schon um 6 Uhr. Nachdem ich die Nacht davor immer im Hypo war, war diese Nacht genau das Gegenteil. Ich war immer im Hyper. Auch nicht viel besser, aber ich konnte durchschlafen und musste nicht in der Nacht essen. Warum der Loop mich nicht in den Zielbereich gebracht hat, ist einfach zu erklären. Weil die Nacht davor dauernd zu tief war versuchte er mich diese Nacht höher zu lassen damit ich nicht das gleiche Problem nochmal habe. Das Frühstück war um kurz nach 4. Wieder gab ich kein Insulin ab und mein BZ stieg nicht wesentlich weiter an. Wir machten uns auf den Weg und rechneten mit einer Zeit von 10 Stunden. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten war, dass mein BZ einwandfrei funktionieren und es und extrem gut gehen wird.
Wir waren nach 8:26 Stunden im Ziel. Deutlich schneller als geplant. Wir konnten einige Teams überholen und viel an Zeit gut machen. Uns kamen die technischen Downhillpassagen zugute. Auf denen ließen wir es richtig krachen. Dadurch das mein BZ auch so gut mitspielte war es noch einfacher. Das Einzige, was interessant war, war dass ich nach ca. der Hälfte meine Ketone gemessen habe. Diese waren erhöht. So musste ich kurzfristig einen manuellen Bolus abgeben und dann ordentlich futtern damit ich keinen Hypo bekomme. Die zusätzliche Energie haben wir gut genutzt und sind flott vorangekommen. Im Ziel gab es dann eine kleine Jause und alkoholfreies Bier. Weil ich das erste Bier vergessen hatte einzugeben und Insulin zu spritzen hatte ich einen ordentlichen BZ-Anstieg gefolgt von einem Hypo. Der rote Punkt beim Hypo ist eine blutige Kontrollmessung mittels Fingerstich und diente auch zur Kalibrierung des Sensors.
Bergsprint

Am vierten Tag war der „Ruhetag“. Bedeutet es waren „nur“ 9,3 km mit 1.300 Höhenmetern auf den Gotschnagrat. An diesem Tag regnete es die ganze Zeit, es ging Wind und war kalt. Nicht die schönsten Bedingungen aber egal. Wir hatten nichts Besseres zu tun als zu laufen 😉 Für mein Frühstück um 07:30 gab ich knapp 40% an Insulin ab. Ich ließ den Loop einfach arbeiten und wusste, dass ich kurz vorm Ziel einen Wert in Richtung Hypo haben werde. Start war um 09:15 und im Ziel waren wir um kurz vor 11. Dort schnappte ich mir gleich einen Riegel und wir liefen direkt zur Bergstation, um uns Umzuziehen und die Gondel ins Tal zu nehmen. Weil ich für den Riegel kein Insulin abgegeben hatte, schoss mein BZ auf knapp 400. An diesem Tag entschied ich mich dazu, dass der Loop das richten muss und griff nicht ein.
Wie man sieht, hat das super funktioniert und ich kam gut in den Zielbereich. Das Abendessen und die Nacht verliefen ruhig. Am Abend wurde uns beim Briefing für den nächsten Tag mitgeteilt, dass die Strecke aufgrund des anhaltenden schlechten Wetters verkürzt wird. Die Strecke war von 38 km auf 15 km reduziert worden. Es war zu gefährlich auf bis zu 2.700 m Seehöhe aufzusteigen. Die Temperaturen wurden auf bis zu -8°C vorhergesagt. Definitiv kein Wetter bei dem 600 Athleten über einen Berg laufen sollten.
Verkürzter Tag

Nachdem schon bei dieser Etappe die Höhen ausgelassen wurden, galt das auch für mein Blutzuckermanagement. Das Besondere an diesem Tag war, dass sich mein Smartphone selbst gesperrt hatte und ich es während des gesamten Laufes nicht nutzen konnte. Ich musste also blind dem Loop vertrauen. Erst war ich genervt und verärgert, dann war ich sogar richtig froh darüber. Ich hatte mich nur auf die Alarmsignale verlassen und wusste dann, dass ich Zucker benötige. Wir sind um kurz nach 10 Uhr gestartet und waren um kurz vor 12 im Ziel. Wie man sieht, hat der Loop sogar besser gearbeitet, als wenn ich eingreife. Ab diesem Tag ließ ich viel mehr den Loop selbst arbeiten und griff nicht mehr so häufig ein. Das war für mich eine Erkenntnis, die den Lauf wirklich entspannter gemacht hat. Es waren auch nur mehr 2 Tage zu laufen.
Vorletzter Tag

Nachdem es uns bisher gut gegangen ist, haben wir uns für Tag 6 überlegt, welche Zeit wir anstreben werden. Wir gingen von knapp 6 Stunden aus. Start war um 8 Uhr. An diesem Tag lief wieder alles besser als gedacht und auch mein BZ war guter Dinge. Ich war super zufrieden mit dem Blutzuckermanagement. Gegen Ende nahm ich einen Leistungsabfall wahr. 6 Tage laufen machten sich langsam aber sicher bemerkbar. Wir schlossen diesen Tag in knapp 5:26 Stunden ab. Damit waren wir wieder schneller als geplant. Im Ziel sah ich an meinen Beinen hinab und musste feststellen, dass sie deutlich geschwollen waren. Außerdem schmerzten sie auch. Durch die vielen Höhenmeter rauf und runter traten nun Überbelastungserscheinungen auf. Glücklicherweise nahm mir der Loop das Blutzuckermanagement ab und ich musste mich nicht darum sorgen.
Das Finale

Der letzte Tag begann für mich bereits mit heftigen Schmerzen in den Schienbeinen. Der Übergang von den Schienbeinen auf die Knöchel war nicht zu sehen. So geschwollen waren meine Bein. Außerdem hatte ich in der Nacht einen Hypo und war auch deswegen nicht besonders erholt. Die Etappe startete um 8 Uhr. Wir reihten uns eher weiter hinten ein. Die ersten 10 km waren nur bergauf. Knapp 1.800 Höhenmeter waren am Stück bis zum höchsten Punkt auf ca. 3.000 m Seehöhe zu bewältigen. Mit dem Aufstieg stieg auch mein Zucker. Der Loop fiel auch aus und ich lief auf der voreingestellten Basisversorgung. Das funktionierte sehr gut. Als es zum Downhill kam, musste ich feststellen, dass mein BZ das kleinste Problem ist. Meine Beine schmerzten derart, dass ich erstmals im Rennen zu zweifeln begann und mich auf einen extra langen Tag einstellte. Es würde ein Rennen gegen das Zeitlimit werden. Doch dann hatte ich eine Idee.
Bevor wir zur zweiten Verpflegungsstation kamen, nahm ich eine Schmerztablette. In meiner gesamten Laufkarriere war das das erste Mal, dass ich zu so einem Hilfsmittel griff. Erst wurde ich müde und die Schmerzen wurden schlimmer. Nach 30 Minuten und der Verpflegung wurde es besser und ich konnte sogar wieder laufen. Mein BZ war auch in Ordnung und wir steigerten wieder das Tempo. Mit dem guten Blutzuckermanagement und dem Ziel vor Augen konnten wieder Tempo aufnehmen. Es ging besser und ich freute mich auf das erste normale Bier seit Wochen. Per WahtsApp wurde mir Mut zugesprochen und Peter nahm mir bergab meinen Rucksack ab. Damit wurde alles leichter und wir flogen ins Ziel. Nach 7:15 Stunden hatten wir es geschafft. Es war unglaublich. Wir waren erleichtert, dass alles so gut geklappt hat und es uns so gut gegangen ist.
Fazit zum Blutzuckermanagement
Ich bin mit dem Blutzuckermanagement wirklich sehr zufrieden. Es hat bis auf Kleinigkeiten super funktioniert. Ich habe mich absolut wohl gefühlt und bin ziemlich sorgenfrei gelaufen. Dass es ab und zu mal nicht klappt ist einfach so. Das ist wie immer im Leben und gehört ein bisschen dazu. Ich habe gelernt je mehr ich auf den Loop vertraue, desto besser funktioniert es und macht seine Arbeit. Mittlerweile bin ich viel lockerer im Umgang damit und lasse den Loop einfach arbeiten. Es gibt mir mehr Freiheit und ich bin nicht mehr so gestresst. Ich habe jetzt mehr Zeit für andere Sorgen 😉 Hast du noch Fragen zum Blutzuckermanagement oder zum Loop? Infos zur Insulinpumpe findest du hier zum Loop findest du die Infos hier. Ansonsten schreib mir doch gerne einen Kommentar dazu, lass ein Like da oder teile den Artikel. Ich freue mich auf deine Rückmeldung.
An dieser Stelle möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich hier keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen abgebe. Es sind meine Erfahrungen und Berichte im Umgang mit meinem Blutzuckermanagement. Wenn du gezielte Therapiemöglichkeiten benötigst, besprich diese bitte mit deinem Arzt oder Diabetesberater. Es gibt mittlerweile internationale Trainingsempfehlungen mit Diabetes. Diese Empfehlungen gibt es für die meisten gängigen Loops und wurde von international anerkannten Wissenschaftlern in Studien ermittelt und verfasst. Ich habe mich persönlich an diesen Guidelines orientiert und es in Rücksprache individuell angepasst. Bei konkreten Fragen hilft dir dein Arzt oder Diabetesberater sicher gerne weiter. Viel Spaß beim Training mit Diabetes. Lass dich nicht unterkriegen und denk immer daran, Diabetes ist kein Hindernis deinem Hobby nachzugehen.
Vorschau
Im nächsten Artikel werde ich von meinen mentalen Tricks berichten. Wenn du schon Fragen dazu hast, dann rein damit in die Kommentare 😉
von Mauzi | Juni 4, 2025 | Beiträge mit Diabetes
Vor 2 Jahren bin ich meine 9 Marathons in Folge gelaufen und habe jedes Bundesland sowie jedes Nachbarland dabei besucht. Auf selbst erstellten Strecken ging es durchs Land. Bei „Laufend Grenzen verschieben“ habe ich nicht nur mein schönes Österreich besser kennengelernt, sondern auch alle Nachbarländer. Und natürlich habe ich die Kulinarik erforscht und genossen. Heute möchte ich auf meine Marathon und Cordon Bleu Reise zurückblicken und das mit dir teilen.
Laufend Grenzen verschieben
Die Idee dahinter
Die Idee entstand beim Kongress Licht 2023. Ich habe einen Artikel über 2 Südsteirer gelesen, die in jedem Bundesland einen Halbmarathon gelaufen sind. Und das an 9 aufeinanderfolgenden Tagen. Ich musste schmunzeln und kurze Zeit später bekam ich von Freunden und bekannten den Artikel auch noch geschickt. Lächelnd habe ich gemeint, das ist eine halbe Sache und wer mich kennt, der weiß entweder ganz oder gar nicht. Also wenn ich das Projekt starte, dann nur mit Marathons. Bei einem Spaziergang in die Altstadt von Salzburg erzählte ich meinem Arbeitskollegen und Freund von der Idee. Wir unterhielten uns darüber und verfeinerten die Idee bei einem Bier. Weil Armin aber ähnlich gute Ideen hat wie ich, wuchs der Idee zu einem Plan und wurde immer mehr. Nicht nur Marathons in jedem Bundesland durften es sein, auch jedes Nachbarland sollte besucht werden. Nach ein paar Tagen machte ich mich an eine genauere Planung.
Die Grobplanung
Als erstes sah ich die Probleme des Projektes.
- Das war die Zeit. Wann soll ich so viel Zeit haben das zu laufen? Fit war ich ja, da machte ich mir keine Sorgen.
- Wo werde ich laufen, um alle meine Vorgaben zu erfüllen?
- Wer wird mich begleiten?
- Wie komme ich von einem Ort zum anderen.
- Wie kann ich meine Regeneration möglichst gut gestalten?
- Was und wie viel muss ich vor, während und nach den Läufen zu mir nehmen, um fit zu bleiben?
- Welche Geschwindigkeit ist die richtige, um so ein Projekt zu schaffen.
- Kann ich Sponsoren organisieren, die mich finanziell unterstützen?
- Und noch viele weitere Fragen taten sich für mich auf.
Die Antworten waren auf manche Fragen schnell gefunden auf andere weniger schnell. Die wichtigste wer mich begleiten wird, war schnell geklärt. Armin hat sofort gesagt, wenn ich das wirklich mache, dann wird er mich begleiten.
Die zweite wichtige Frage war die Zeitfrage. Wann und wie soll ich das unterbringen. Auch dafür war schnell eine Lösung gefunden. Und zwar eine die für mich mehr als perfekt gepasst hat. Nicht nur das Projekt flatterte zufällig in meinen Schoß, auch ein neuer Job ergab sich. Ich wechselte in mein neues Unternehmen. Dafür konnte ich im alten meinen Urlaub abbauen und war noch ein Monat arbeitslos. Ich hatte also gut Zeit. Das Nächste, was ich gelöst habe, waren sämtliche medizinische Fragen in Bezug auf meinen Diabetes. Schnell hatte ich meine Ärzte begeistern können. Dann ging es auf Sponsorensuche. Auch hier konnte ich einige finden und so wurde das Projekt finanziert. Und dann wollte ich noch dafür sorgen, dass ich darauf aufmerksam mache, dass mit Diabetes nahezu alles möglich ist. Und so unterstütze ich den Verein «Wir sind Diabetes» Alles was an Spenden reinkam, ging 1:1 an den Verein weiter.
Detailplanung, naja so lala
Bevor es dann losging, musste ich noch die Strecken finden. Die habe ich ganz schnell mit Garmin geplant. Das hat zu ein paar Hoppalas geführt. Zum Beispiel waren wir auf Wegen unterwegs die es gar nicht gab. Oder sind an eine gesperrte Brücke gekommen, die einen schönen Umweg bedeutet hat. Und die Planung für Armin am Rad tauglich zu machen war auch nicht einfach. So habe ich mir die Strecken nicht exakt angeschaut und darauf vertraut, dass Garmin genau weiß, ob es möglich ist, dort mit dem Rad zu fahren. Im Nachhinein hat sich der Satz „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!“ als richtig erwiesen. Wir haben aber alles unbeschadet überstanden und hatten viele schöne Momente, von extremer Freude bis hin zu aggressiver Stille vor Wut über die Streckenführung. Weil uns diese Marathonchallenge nicht genug war, hatten wir noch eine Side Challenge. Und zwar die Cordon Challenge.
Nachdem auch die Strecken feststanden, der Zeitraum ausgewählt war und die Unterkünfte gebucht, fehlte nur mehr eine Kleinigkeit. Die Abklärung mit meinen Ärzten und Trainer. Ich durfte zur Blutabnahme, zur Körperfettmessung und zum EKG. Bei den Untersuchungen besprachen wir auch wie mein Diabetesmanagement in dieser Zeit aussehen sollte und welche Daten ich sammeln werde. Ein kleines USB-Stick großes EKG wurde mir erklärt und ich trug es 24/7. Nur zum Duschen, Datendownload und aufladen wurde es abgenommen. Noch schnell eine WhatsApp Gruppe eingerichtet und dann kam endlich der einfache und angenehme Teil des Projektes. An den Start fahren, ein bisschen Sightseeing machen und warten, dass der erste Start anbricht. Bevor es aber so weit war, gab es noch das letzte Abendmahl. Ein, nein sogar zwei Stück, Cordon Bleu. Vom Kalb, mit herzhaftem Bergkäse und Schinken. Und so startete die Side Challenge bevor die eigentliche Challenge losging.
Laufend Grenzen verschieben, die Marathons
Vorarlberg – Lichtenstein – Schweiz
Mein erster Marathon startete in Feldkirch (Vorarlberg) und ging nach Liechtenstein über die Schweiz retour nach Feldkirch. Mit 400 Höhenmetern war es ein anstrengender Beginn. Vor den Anstiegen hat Armin noch gemeint ich werde auf ihn warten müssen. Das belächelte ich, doch er hatte Recht. Erst wenns bergab ging konnte er mich einholen und wieder begleiten. So habe ich in der Zwischenzeit bei Fitnessgeräten Klimmzüge gemacht, um mir die Wartezeit zu verkürzen. In einer Zeit von 4:35:12 und mit 43,26 km war der erste Marathon in den Büchern.
Tirol
Manche der Marathons bin ich nur im Bundesland geblieben. Dafür habe ich bei anderen ein Dreiländereck gemacht. Tirol war der zweite Marathon und der erste, welcher nur in einem Land blieb. Der zweite Marathon war ein wenig die Überraschungskiste. Ich wusste nicht, wie es sein wird, zwei Marathons hintereinander zu laufen. Dieses Mal begleitete mich nicht nur Armin am Rad, auch Thomas mein Marathonbekannter aus Tirol war mit von der Partie. Er lief mit mir einfach zum Spaß einen ganzen Marathon mit. Armin fragte schon am Morgen wie es mir geht, ich meinte gut, den Rest sehen wir, wenn ich laufe. Nach den ersten Metern stellte ich fest, dass ich absolut fit bin. Null Vorbelastung habe und das einfach locker runterlaufen werde. Und damit meinte ich nicht diesen zweiten Marathon, sondern das gesamte Projekt. Marathon 2/9 42,21 km 4:24:30
Salzburg
Mein dritter Marathon war in Salzburg. Hier kannte ich mich ein wenig aus und so liefen wir entlang der Salzach von Hallein bis nach Salzburg. Die Strecke war in Ordnung und meistens im Schatten. Dennoch wurde es sehr schnell sehr warm. Das führte auch dazu, dass ich mehr Zucker als sonst benötige. Armin hatte aber alles in seinem Rucksack und versorgte mich. Damit war der dritte Marathon auch „nur“ reine Formsache bei bestem Wetter. Nach 42,21 km in 4:17:31 war es zu Ende und wir fuhren zur nächsten Unterkunft.
Oberösterreich – Deutschland
Marathon 4 hielt einige Überraschungen parat. Der Start war in Passau am Dreiflusseck. Wir blieben in Deutschland und liefen der Donau entlang. Als erstes fiel mein EKG ab. Ich schwitzte es runter. Dann übersahen wir ein dezentes großes Schild, welches darauf hinwies, dass die Querung Jochenstein gesperrt war und dann wurde aus dem Marathon ein Marathon plus lockeres Auslaufen. Als wir an die gesperrte Querung der Donau kamen, mussten wir entscheiden, ob wir weiterlaufen und es deutlich mehr wird als ein Marathon oder ob es retour geht. Wir entschieden uns umzudrehen und eine Fähre zu suchen. Wir hatten Glück und fanden eine. Dort stand auch der Hinweis, dass man die nutzen sollte, wenn man über die Donau will. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wir nahmen es mit Humor und erledigten den Marathon+. Nach 5:13:30 und 48,20 km waren wir im Ziel und kurz vor einem Cordon Bleu.
Niederösterreich – Tschechien
Diese Strecke war auch unterhaltsam. Aus einem geplanten Straßenmarathon wurde ein Orientierungslauf. Die Strecke die Garmin geplant hatte, gab es stellenweise nicht. So ging es querfeldein durchs Gemüse. Bei dieser Strecke trennten wir uns wegen dem Gelände. Über eine Stunde lief ich allein über Feldwege, Felder und Wiesen. Stets mit Armin über den Live-Standort verbunden, aber doch getrennt. Nach knapp einer Stunde ging mir der Traubenzucker aus. Ich hatte schon Sorge, dass ich abbrechen muss. Weit und Breit war keine Zivilisation zu sehen. Kurz bevor es kritisch wurde holte mich Armin wieder ein. Zur schnellen Behandlung gab es zur Halbzeit des Projektes ein Pausenbier. Der Zucker pendelte sich rasch ein und wir beschlossen uns bei der zweiten Hälfte des Projektes nicht mehr zu trennen. 44 km 5:01:54
Wien
Wien war wieder ein Marathon nur in Wien. Armin und ich trafen uns für ein Interview mit „Wir sind Diabetes“ im Prater und dann ging es los. Auf den Spuren von Kipchoge lief ich die Prater Hauptallee 4-mal rauf und wieder runter, um den Marathon voll zu bekommen. Weil ich etwas sauer war, nicht nur wegen meines Namens, wollte ich den Marathon in unter 4 h laufen. Ich fragte kurz in Graz nach, ob das möglich sei und ballerte, dann durch die Allee. Das Sprechen habe ich für die Zeit weitestgehend eingestellt. Armin wurde zum Alleinunterhalter und bespaßte mich. Mit Schuhwechsel und bei sehr warmen Temperaturen war der Marathon mit 42,20 km in einer Zeit von 3:57:30 zu Ende. Zufrieden planten wir den Trip zum nächsten Cordon Bleu.
Burgenland – Slowakei – Ungarn
Auch ein sehr heißer und dafür sehr öder Marathon. Kilometerweit war nichts zu sehen. Endlose Felder und gerade Abschnitte die einfach nur sch… langweilig waren. Die Sonne war erbarmungslos und ich schien an meine Grenzen zu kommen. Trotzdem gingen sich noch ein paar Klimmzüge aus und Armin wusste mich abzulenken und zu motivieren. Immerhin war das der Marathon bei dem ich nach 7 Tagen wieder zu Hause bin und in meinem Bett schlafen kann. Nach 42,20 km in 4:22:33 war alles zu Ende und wir traten die Heimreise an.
Kärnten – Slowenien – Italien
Bei Marathon 8/9 habe ich mir selbst eine Challenge aufgegeben. Es ging über den Radweg nach Italien in Richtung Tarvis, dann weiter in Richtung Slowenien nach Kranska Gora und dann über den Wurzenpass retour zum Start in Arnoldstein. Der Marathon mit den meisten Höhenmeter einen Tag bevor der letzte Marathon anstand. Dieses Mal wurde ich auch noch von Wolfi begleitet. Auf den Radwegen war Armin immer an unserer Seite, bei den Anstiegen entschieden wir uns zu trennen und weiterzulaufen. Als Wolfi und ich am Wurzenpass ankamen und am Wanderweg weiterliefen, versuchte ich Armin vergeblich zu erreichen. Keine Verbindung. Ich wollte ihm mitteilen, dass er die Straße zurück nach Arnoldstein nehmen soll und nicht den Wanderweg. Als ich wenig später ein eindeutiges Foto bekam, wusste ich meine Mühe war vergebens und nun war Armin sauer. Dennoch kamen wir gut zum nächsten Cordon nach 43.05 km in 4:22:16 mit 1044 Hm
Steiermark – Das große Finale
Mein letzter Lauf war von Röthelstein auf den Grazer Hauptplatz. Ich wurde von vielen Freunden am Rad und laufend begleitet. Manche liefen ihren ersten Marathon oder waren schon erfahrener. Andere begleiteten mich ein Teilstück oder liefen ihren ersten Halbmarathon. Die Elektrolytversorgung wurde mit Bier gewährleistet. Nach 2 Bier beim Laufen hatte ich ganz schön einen sitzen. Bis auf den Hauptplatz nach Graz wurden es immer mehr Leute um mich herum. Am Hauptplatz wurde ich von meiner Familie und Freunden sowie einigen Passanten unter Jubel und Applaus empfangen. Es stand ein Tisch bereit mit einem Cordon Bleu für Armin und mich und einer kalten Dose Bier. Mein erster und für lange Zeit einziger Gedanke war in diesem Moment „Wie geil es geschafft zu haben. Wir haben es geschafft!“ Ich war überwältigt und umarmte Armin und bedankte nochmal für seine Zeit, Hilfe und Freundschaft. 43,81 km 4:22:16
Es war ein Wahnsinn, was wir in diesen 9 Tagen erlebt hatten. Wie viele Orte wir sahen und wie viele Cordons wir gegessen hatte. Wir hatten viel Zeit uns während den Läufen und auch danach über alles Mögliche zu unterhalten. Im Ziel waren wir begeistert davon wie gut es uns gegangen ist und wie viel Spaß wir dabei hatten. Abschließend noch ein paar Zahlen
- 391,12 km
- 41:12:44 Stunden
- 560 positive Höhenmeter
- 635 negative Höhenmeter
- 049 verbrannte Laufkalorien + 18.000 Kalorien Grundbedarf
- 10 Cordon Bleus
Die Cordon Bleu Side Challenge
Bei Laufend Grenzen verschieben war natürlich die Ernährung eine große Frage. Im Vorfeld haben wir gedacht wir werden in jedem Bundesland eine kulinarische Köstlichkeit probieren. Aber schon im Vorfeld beschlossen wir überall Cordon Bleu zu kosten und das beste Cordon Bleu zu finden. So ergab es sich, dass wir 10 Tage lang Cordon Bleu gegessen haben. Im Sinne der Wissenschaft und um das beste Cordon zu finden.
- Das beste Cordon gab es in Tirol beim Romediwirt
- Das lustigste Cordon bei meinem Nachbarn nach Marathon #7. Er hat an dem Tag zum ersten Mal Cordon gemacht
- Das überraschendste Cordon gab es beim Zieleinlauf, zubereitet vom Propeller Graz. Die haben nicht mal Cordon auf der Karte, aber als sie davon hörten, haben sie einfach eines gezaubert
So wurde meine Marathonchallenge von unser Cordonchallenge begleitet. Und das Schönste daran? Kein einziges mussten wir selbst bezahlen. Wir wurden auf jedes aus der Ferne eingeladen.
Familie, Freunde und mein neuer Arbeitgeber haben uns auf die Cordons und auch die Getränke eingeladen. Wir waren immer gut gesättigt und zufrieden. Ich kann mich noch an die Aussage eines Freundes erinnern. Tage nach dem Projekt meinte er so «Ich war mir sicher, dass du das mit den Marathons schaffen wirst. Bei den Cordon Bleus war ich mir nicht so sicher.» Gleich wie bei den Marathons sind mir die Cordon Bleus zu keinem Zeitpunkt angestanden. Tatsächlich ist es mittlerweile so, dass ich Cordon viel lieber esse als vor zwei Jahren. Das Gasthaus in Arnoldstein nach Marathon Nummer 8 besuche ich immer wieder gerne auf das Cordon. Das war auch sehr gut und jedes Mal muss ich schmunzeln wenn ich dort bin.
Die Ergebnisse aus der Medizin
Nachdem alles zu Ende war, wurden noch die EKG-Daten ausgewertet, Blut wurde erneut abgenommen und auch die Körperfettmessung wurde nochmal durchgeführt. Die Ergebnisse waren sehr interessant.
- EKG-Daten unauffällig. Nur nach dem letzten Marathon war meine Regeneration schlecht. Lag vielleicht an den drölf Bier, die ich hatte 😉
- Die Blutwerte waren unspektakulär langweilig. Man hat nicht erkannt, dass ich gelaufen bin. Alle Werte im Normalbereich zumindest nicht wesentlich anders als bei der Abnahme vor Laufend Grenzen verschieben
- Die Körperfettmessung ergab auch kaum Veränderung. Ich hatte kaum abgenommen, weder Gewicht noch an Umfang an den gemessenen Stellen. Bedeutet also, dass die Cordon Bleu Diät erfolgreich war.
- Mein Diabetesmanagement war sehr gut. Das verdanke ich dem AID-System von mylife Diabetescare
Und mein persönliches Fazit dazu ist. Ich weiß nun, dass ich (fast) alles schaffen kann. Solange ich halbwegs normal trainiere, mich ausgewogen mit vielen verschiedenen Cordon Bleus ernähre und verletzungsfrei bleibe lauf ich immer weiter. Das nächste Projekt ist schon bereit.
DANKE
Ich möchte mich noch bei allen bedanken die mich damals unterstützt haben. Das waren sehr viele Einzelpersonen und auch Firmen. Ihr habt immer an mich geglaubt und unterstützt. Ich habe es zwar für mich gemacht und auch um zu beweisen, dass es möglich ist, aber mit der Unterstützung war es deutlich einfacher. Und besonders möchte ich mich bei Armin bedanken. Der sich als WUGL* angeboten hat und mit mir diese Tour gestartet hat. Wir sind zwar keine Arbeitskollegen mehr, aber wir sind Freunde geblieben und essen immer noch gemeinsam Cordon Bleu.
*WUGL = Wasser Und Geländegängiges Lastentier

Falls du dir meine Instagram Beiträge von damals dazu ansehen willst, habe ich dir den ersten hier verlinkt. Dann kannst du dir alles nochmal anschauen. Gerne kannst du den Beitrag liken, teilen oder kommentieren. Ich freue mich über alles davon. Bis bald, ich gehe jetzt ein Cordon Bleu essen 😉
von Mauzi | Mai 16, 2025 | Beiträge mit Diabetes
Der 17.06.2015 war ein Tag der mein Leben für immer ändern sollte. Schicksalhaft und von Dauer wird das Bündnis sein, welches ich eingegangen bin. Nicht gerade freiwillig oder so, dass ich es mir ausgesucht hätte. Aber wie das so mit dem Leben ist. Es passiert einfach wenn man Pläne macht. Ich möchte dir von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum erzählen.
Wenn du dich jetzt fragst warum gibt es diesen Beitrag einen Monat früher, dann möchte ich dir sagen, dass der 17.06 ein besonderer Tag ist. Ich teile ihn mit meinem Bruder. Ihm ist auch etwas passiert. Am gleichen Tag nur 2 Jahre später. Und daher möchte ich um den 17.06 herum einen eigenen Beitrag schreiben.
10 Jahre Stoff und noch immer nicht high, …
Der Beginn
Nun sind es 10 Jahre, in denen ich darauf angewiesen bin, mir extern Insulin zuzuführen. Zu Beginn habe ich das noch mit Insulinpens gemacht. Zumindest ein Jahr lang habe ich mit den Insulinkugelschreibern, wie ich sie genannt habe, mir das Insulin injiziert. Und ich bin froh, dass ich keine Angst vor Nadeln habe. Ich hatte eher Angst die Nadeln würden nicht in meinen stählernen Körper eindringen und kaputt gehen. Das ist natürlich nicht so gewesen. Sie gingen durch meine Haut ins subkutane Fettgewebe wie ein heißes Messer durch Butter fetzt. Damit startete meine Karriere als Person mit diabetischem Hintergrund. Circa ein Jahr lang nutzte ich diese Technologie inklusive Fingerpiks, um den Blutzucker zu bestimmen. Vor 10 Jahren waren CGMs noch selbst zu bezahlen. Ich musste ein paar Wochen überlegen, bis ich mir dann endlich die Sensoren geleistet und in meine Gesundheit investiert habe.
Nicht nur das Anschaffen des CGMs (Kontinuierliche Glukose Messung) dauerte ein paar Wochen, sondern auch das Erlernen der Fertigkeiten, die ich für meinen neuen Alltag benötigte. Die ersten 2 Wochen war ich im Krankenstand und zu Hause. Bewaffnet mit einer Waage und einem DIN A3 Block mit unzähligen Lebensmitteln, lernte ich das Wiegen und Schätzen von Mahlzeiten mit Kohlenhydraten. Das war wichtig, um die Insulinmenge zu berechnen die ich mir dann in mein Hüftgold jagen musste. Zu Beginn durfte ich auch immer wieder ins Krankenhaus, um weitere Schulungen zu erhalten und meine Therapie anzupassen. Das Feintuning der Therapie war die Glasur, die zu meiner Selbsttherapie mit Diabetes notwendig war. Erst danach durfte ich wieder auf die Welt losgelassen werden. Und dann kam sehr schnell der Alltag retour. Nur mit dem Feature Diabetes. Mein treuer Begleiter der mich nicht mehr loslassen wird.
Meine Helferlein
Weil es nicht einfach ist sich alles zu merken durfte ich ab der Diagnose auch ein Tagebuch führen. Nicht so eines, was du jetzt vielleicht denkst. Ein Diabetestagebuch. Darin enthalten sind Blutzuckerwerte, Kohlenhydratmengen, Insulinwerte und sonstige Notizen. 2015 gab es aber schon Smartphones und Apps, die das erleichterten. Ich habe es zwar in Papierform gelernt, wechselte aber sehr schnell zu einer App-Lösung. Der größte Vorteil dabei war, dass ich die Mahlzeiten genau beschreiben und auch Lokale eintragen konnte. Damit wusste ich, dass ich im Lokal X, bei stets dem gleichen Gericht, meistens die gleiche Menge Insulin abgeben musste. Ich konnte im Tagebuch danach suchen und die Werte von damals mit den aktuellen vergleichen. Dementsprechend nahm ich dann die Anpassungen in der Insulinmenge vor. Nach wenigen Monaten war ich bereits sehr sicher im Schätzen von Mahlzeiten. Es fiel mir meistens leicht meinen Blutzucker gut zu kontrollieren.
Neben der App-Lösung und den selbst bezahlten CGMs gab es noch weitere wichtige Helferleins. Das waren meine Familie und meine Freunde. Stets besorgt um meine Gesundheit durfte ich häufig die gleichen Fragen beantworten. Das war zwar nervig, aber gut gemeint. Sie haben sich eben Sorgen um mich und meine Gesundheit gemacht. Egal was ich gemacht habe, es war immer wer an meiner Seite. Für den Fall, dass ich etwas vergesse und umkippe. So konnte ich bereits nach kurzer Zeit wieder in mein Training einsteigen und wurde am Rad oder laufend begleitet. Somit musste ich kein Zubehör schleppen. Den ersten Marathon mit Diabetes habe ich erst ein Jahr nach meiner Diagnose geschafft. Davor war ich zu faul. Aber damit war dann auch der Startschuss in (m)eine sehr sportliche Laufbahn erfolgt. Und was ich bis heute alles geschafft habe ist für mich unglaublich.
Und so ganz nebenbei glaube ich, dass die Diagnose Diabetes für mein Umfeld schockierender war als für mich. Manchmal bin ich der Meinung, dass meine Helferlein diejenigen waren, die meinen seelischen Beistand und meine beruhigenden Worte benötigt haben. Irgendwann haben dann aber alle erkannt, dass es mir gut geht und ich meinen Weg laufen werde.
Blutig messen vs. CGM
2015 bis 2016 durfte ich 8-mal am Tag blutige Messungen zur Bestimmung meines Blutzuckers durchführen. Diese Werte in einem Tagebuch erfassen und zur Kontrolle einmal im Quartal mitbringen. An das Fingerstechen musste ich mich gewöhnen. Alles andere war einfach. Das aber war nervig und tat auch häufig weh. Ich traf oftmals Stellen an den Fingerkuppen, die mich an die Decke springen ließen. Ich bin zwar nicht wehleidig, aber das war mies. Mein Entschluss fiel dann für das CGM-System aus. Es war bequemer, ich hatte 24 h Werte und das für 14 Tage am Stück. Kein lästiges Fingerstechen mehr und keine Luftsprünge an die Decke meiner Hütte. Auch wenn die Kosten selbst zu tragen waren, gönnte ich mir diesen Luxus für meine Gesundheit gerne. Meine Gedanken dazu waren, ich gebe genug Geld für Blödsinn aus. Dann investiere ich lieber in mich und meine Gesundheit. Eine gute Investition wie ich finde.
Seit dem verwende ich nur mehr CGM-Systeme und messe nur mehr manchmal blutig. Das dient dann zur Kontrolle und nicht weil ich wissen will wie schmerzhaft es ist sich in die falschen Stellen am Finger zu stechen.
Der Umstieg auf die Pumpe
Ein Jahr lang nutzte ich die Insulinpens für meine Therapie. Dann kam die Umstellung auf die Insulinpumpe. Der Grund war ein einfacher. Es gab eine medizinische Studie, bei der es notwendig war, eine Insulinpumpe zu tragen. Und die Studie wurde äußerst gut bezahlt. Nachdem ich gerade den Kaufvertrag für mein Reihenhaus unterschrieben hatte, kam die Studie auch recht. Zu Beginn war ich noch skeptisch wegen der Pumpe, aber diese Skepsis legte sich recht schnell. Nach der erfolgten Einschulung auf die Pumpe, musste die Therapie wieder adaptiert werden. Wochenlanges tüfteln wie Daniel Düsentrieb. Am Ende kam aber keine Mondrakete raus, sondern etwas viel Besseres. Eine nahezu perfekte Therapieeinstellung, welche mir sehr viel mehr Freiheit und Flexibilität in meinen Alltag gab. Ich war super happy und das Geld aus der Studie löste ein weiteres Dopaminfeuerwerk in meinem Oberstübchen aus. Eine neuronale Party trotz einer unheilbaren Krankheit.
4 Jahre lang durfte ich die Pumpe tragen. Dann lief der Vertrag aus und ich hatte das Recht auf eine neue Insulinpumpe. Wie das Leben so spielt, gab es eine neue Studie. Eine Studie wieder mit einer insulinpumpe. Doch dieses Mal war etwas ganz Besonderes dabei. Ich benötigte ein Smartphone, ein bestimmtes CGM, welche mittlerweile von der Krankenkasse bezahlt wurden und eine spezielle Pumpe. Die Besonderheit der Studie war ein neues System. Ein sogenanntes Hybrid-Closed-Loop System. Und das System war der Hammer.
Studie mit Hybrid-Closed-Loop
Diese Hybrid-Closed-Loop Studie ist ein Highlight von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum. Bereits nach wenigen Tage stellte ich zu meinem Entzücken fest was für ein Gamechanger dieses System sein würde. Ich war so begeistert davon, dass ich immer mehr mit dem System getestet habe. Ich wollte die Grenzen der Belastbarkeit dazu herausfinden. Ein Unterfangen, welches sich als unmöglich herausstellte. Die Studie ging über ein paar Monate und wurde sogar verlängert. Danach durften wir das System noch weiterverwenden. Wir Teilnehmer mussten lediglich das Pumpenmaterial selbst kaufen. An der Zeit das System zu testen, scheiterte es also nicht. Es scheiterte daran, dass es trotz der Neuartigkeit bereits sehr ausgereift und lernfähig war. Egal was ich auch probiert habe, der Algorithmus war darauf vorbereitet und konnte damit umgehen. Und so entschied ich zu Muttertag von mir zu Hause in unser über 50 km entferntes Wochenendhaus zu laufen.
Verantwortungsbewusst wie ich bin, habe ich vorher bei meiner Studienärztin nachgefragt, ob ich das auch machen darf. Sie war etwas überrascht, stimmte aber zu und war gespannt, wie es funktionieren würde. Mir ging es damit gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Diabetesmanagement nicht zufrieden während dem Sport. Doch dieser Lauf hat meine Einstellung dazu geändert. Mit meinen Kenntnissen über das System und den gesammelten Erfahrungen nahm ich vor dem Lauf ein paar kleinere Anpassungen vor. Dann kam der einfachere Teil. Das Laufen. Mein Ziel war es zumindest einen Marathon zu schaffen. Mental vorbereitet war ich nicht auf einen spontanen Marathon, körperlich war ich bereit das zu rocken. Also lief ich mit meinem Trinkrucksack und einer Menge Traubenzucker los. 4,5 Stunden später ließ ich mich abholen und die letzten Kilometer zum Haus bringen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich zum Essen zu spät gekommen wäre.
Begeistert vom System und der erbrachten Leistung berichtete ich meine Erfahrungen meiner Ärztin. Wir waren beide erfreut über das System und den spontanen Marathon. Damit war bewiesen, dass das System auch im Sport eine einwandfreie Unterstützung darstellt. Für die Studie war es irrelevant, dass ich das gemacht habe. Es war auch nicht gefordert. Allerdings brachte es erste Einblicke in die Zukunft, was alles noch leichter möglich sein wird. Der Ausblick damals ist heute der Standard. Nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Die Insulinpumpe von heute ist moderner und hat mehr Sexappeal. Der Algorithmus ist noch besser und meine Erfahrung machen es fast schon zum Kinderspiel mein Diabetesmonster täglich aufs neue zu zähmen.
Der Loop wird Salonreif
Dieser Hybrid-Closed-Loop, den ich testen durfte, wurde ca. 3 Jahre nach der Studie von der Firma Ypsomed AG (mylife Diabetescare) auf den Markt gebracht. Mit den Erfahrungen, welche ich während der Studie gemacht habe, konnte ich sofort im vollen Umfang starten. Eigentlich hätte ich noch eine Online-Schulung inklusive Tests dafür machen müssen, aber ich bin das umgangen. Ich hatte die Zugangsdaten aus der Studie noch und konnte das System ohne die geforderten Maßnahmen starten. War zwar nicht erlaubt bzw. gewünscht, aber manchmal breche ich die geltenden Regeln und gehe meinen eigenen kreativen Weg. Also habe ich das neue System sofort gestartet und gleich versucht es an seine Grenzen zu bringen. Eines habe ich sofort gelernt. Das System ist nicht an seine Grenzen zu bringen. Es sei denn ein technischer Defekt liegt vor. Das ist aber wie bei einem Auto. Funktioniert immer außer es wird etwas kaputt.
Mittlerweile habe ich das System seit über 3 Jahren im Einsatz. Dafür benötige ich noch für kurze Zeit ein Android Smartphone, aber bald läuft es auch auf iOS und damit benötige ich dann nur mehr ein Smartphone. Ich bezeichne mein Diabetes Smartphone als Diabetes Dashboard. Dafür bin ich auch bereit mein iPhone plus ein weiteres Smartphone herumzutragen. Lange wird es nicht mehr dauern und es reicht dann ein Smartphone. Der größte Vorteil von diesem System ist, dass es sehr diskret verwendet werden kann. Das trifft auf mich nur nicht zu. Ich gehe offen mit dem Thema Diabetes um und hoffe, dass ich vielen Mut machen und Hoffnung geben kann damit zu leben und das Beste daraus zu machen. Das System ist zuverlässig und funktioniert gut. Es eignet sich für ein Kleinkind über die Erziehungsberechtigten bis ins hohe Alter wenn man Technikaffin ist. Ich bin happy, dass es diese Entwicklung gibt.
Diabetesjubiläum feiern
Kann ich das jetzt feiern, dass ich seit 10 Jahren unheilbar krank bin? Klar warum sollte ich das nicht feiern können. Die Gründe dafür sind einfach und kann ich aufzählen.
- Diabetes hat mein Bewusstsein für meine Gesundheit geweckt
- Diabetes gibt mir die Motivation über mich selbst hinauszuwachsen
- Diabetes ist ein Teil von mir
- Tut nicht weh, schränkt nicht ein, ist unsichtbar
- Motiviert mich andere zu motivieren
- Ist nicht immer einfach zu handeln, aber ich lerne nie aus
- Es hätte mich schlimmer treffen können
- Ich bin dadurch messbar süß, auch wenn mein Name Sauer ist
- Lieblingssatz: „Ich kanns wegspritzen“ (vielseitig einsetzbarer Satz unabhängig von Diabetes)
Und aus diesen Gründen werde ich meine 10 Jahre mit Diabetes feiern, genießen und immer wieder Revue passieren lassen. Nicht nur ein treuer Begleiter mein Diabetes, auch ein Anker, der mich immer wieder mal auf den Boden der Tatsachen holt wenn ich zu übertriebenen Höhenflüge ansetze.
Die Zukunft
Was die Zukunft mit Diabetes bringt, wird sich zeigen. Es gibt viele Studien und die Forschung stoppt nicht. Es ist ein spannender Bereich der ständig Neues hervorbringt. Ich lasse mich überraschen, was alles noch auf mich zukommt, und werde an weiteren Studien teilnehmen. Meine Motivation andere zu motivieren und zu zeigen, dass Diabetes kein Hindernis ist, ist ungebrochen. Und irgendwann wird es heilbar sein. Da bin ich mir sicher. Und dann wird es spannend. Was mache ich dann ohne Diabetes? Hoffentlich wird mir nicht langweilig wenn ich nicht mehr mitdenken muss beim Essen und Trinken. 😉
Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen. Ich würde mich über das Teilen des Beitrags, Kommentare und Likes dazu fragen. Bis zum nächsten Mal 🙂
„Ich laufe nicht trotz Diabetes – ich laufe, weil ich es kann. Weil ich will. Und weil ich zeigen will, dass es geht.“ Missy Foy (Ultramarathonläuferin, Typ-1)