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10 Jahre Stoff und noch immer nicht high

10 Jahre Stoff und noch immer nicht high

Der 17.06.2015 war ein Tag der mein Leben für immer ändern sollte. Schicksalhaft und von Dauer wird das Bündnis sein, welches ich eingegangen bin. Nicht gerade freiwillig oder so, dass ich es mir ausgesucht hätte. Aber wie das so mit dem Leben ist. Es passiert einfach wenn man Pläne macht. Ich möchte dir von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum erzählen.

Wenn du dich jetzt fragst warum gibt es diesen Beitrag einen Monat früher, dann möchte ich dir sagen, dass der 17.06 ein besonderer Tag ist. Ich teile ihn mit meinem Bruder. Ihm ist auch etwas passiert. Am gleichen Tag nur 2 Jahre später. Und daher möchte ich um den 17.06 herum einen eigenen Beitrag schreiben.

10 Jahre Stoff und noch immer nicht high, …

Der Beginn

Nun sind es 10 Jahre, in denen ich darauf angewiesen bin, mir extern Insulin zuzuführen. Zu Beginn habe ich das noch mit Insulinpens gemacht. Zumindest ein Jahr lang habe ich mit den Insulinkugelschreibern, wie ich sie genannt habe, mir das Insulin injiziert. Und ich bin froh, dass ich keine Angst vor Nadeln habe. Ich hatte eher Angst die Nadeln würden nicht in meinen stählernen Körper eindringen und kaputt gehen. Das ist natürlich nicht so gewesen. Sie gingen durch meine Haut ins subkutane Fettgewebe wie ein heißes Messer durch Butter fetzt. Damit startete meine Karriere als Person mit diabetischem Hintergrund. Circa ein Jahr lang nutzte ich diese Technologie inklusive Fingerpiks, um den Blutzucker zu bestimmen. Vor 10 Jahren waren CGMs noch selbst zu bezahlen. Ich musste ein paar Wochen überlegen, bis ich mir dann endlich die Sensoren geleistet und in meine Gesundheit investiert habe.

Nicht nur das Anschaffen des CGMs (Kontinuierliche Glukose Messung) dauerte ein paar Wochen, sondern auch das Erlernen der Fertigkeiten, die ich für meinen neuen Alltag benötigte. Die ersten 2 Wochen war ich im Krankenstand und zu Hause. Bewaffnet mit einer Waage und einem DIN A3 Block mit unzähligen Lebensmitteln, lernte ich das Wiegen und Schätzen von Mahlzeiten mit Kohlenhydraten. Das war wichtig, um die Insulinmenge zu berechnen die ich mir dann in mein Hüftgold jagen musste. Zu Beginn durfte ich auch immer wieder ins Krankenhaus, um weitere Schulungen zu erhalten und meine Therapie anzupassen. Das Feintuning der Therapie war die Glasur, die zu meiner Selbsttherapie mit Diabetes notwendig war. Erst danach durfte ich wieder auf die Welt losgelassen werden. Und dann kam sehr schnell der Alltag retour. Nur mit dem Feature Diabetes. Mein treuer Begleiter der mich nicht mehr loslassen wird.

Meine Helferlein

Weil es nicht einfach ist sich alles zu merken durfte ich ab der Diagnose auch ein Tagebuch führen. Nicht so eines, was du jetzt vielleicht denkst. Ein Diabetestagebuch. Darin enthalten sind Blutzuckerwerte, Kohlenhydratmengen, Insulinwerte und sonstige Notizen. 2015 gab es aber schon Smartphones und Apps, die das erleichterten. Ich habe es zwar in Papierform gelernt, wechselte aber sehr schnell zu einer App-Lösung. Der größte Vorteil dabei war, dass ich die Mahlzeiten genau beschreiben und auch Lokale eintragen konnte. Damit wusste ich, dass ich im Lokal X, bei stets dem gleichen Gericht, meistens die gleiche Menge Insulin abgeben musste. Ich konnte im Tagebuch danach suchen und die Werte von damals mit den aktuellen vergleichen. Dementsprechend nahm ich dann die Anpassungen in der Insulinmenge vor. Nach wenigen Monaten war ich bereits sehr sicher im Schätzen von Mahlzeiten. Es fiel mir meistens leicht meinen Blutzucker gut zu kontrollieren.

Neben der App-Lösung und den selbst bezahlten CGMs gab es noch weitere wichtige Helferleins. Das waren meine Familie und meine Freunde. Stets besorgt um meine Gesundheit durfte ich häufig die gleichen Fragen beantworten. Das war zwar nervig, aber gut gemeint. Sie haben sich eben Sorgen um mich und meine Gesundheit gemacht. Egal was ich gemacht habe, es war immer wer an meiner Seite. Für den Fall, dass ich etwas vergesse und umkippe. So konnte ich bereits nach kurzer Zeit wieder in mein Training einsteigen und wurde am Rad oder laufend begleitet. Somit musste ich kein Zubehör schleppen. Den ersten Marathon mit Diabetes habe ich erst ein Jahr nach meiner Diagnose geschafft. Davor war ich zu faul. Aber damit war dann auch der Startschuss in (m)eine sehr sportliche Laufbahn erfolgt. Und was ich bis heute alles geschafft habe ist für mich unglaublich.

Und so ganz nebenbei glaube ich, dass die Diagnose Diabetes für mein Umfeld schockierender war als für mich. Manchmal bin ich der Meinung, dass meine Helferlein diejenigen waren, die meinen seelischen Beistand und meine beruhigenden Worte benötigt haben. Irgendwann haben dann aber alle erkannt, dass es mir gut geht und ich meinen Weg laufen werde. 

Blutig messen vs. CGM

2015 bis 2016 durfte ich 8-mal am Tag blutige Messungen zur Bestimmung meines Blutzuckers durchführen. Diese Werte in einem Tagebuch erfassen und zur Kontrolle einmal im Quartal mitbringen. An das Fingerstechen musste ich mich gewöhnen. Alles andere war einfach. Das aber war nervig und tat auch häufig weh. Ich traf oftmals Stellen an den Fingerkuppen, die mich an die Decke springen ließen. Ich bin zwar nicht wehleidig, aber das war mies. Mein Entschluss fiel dann für das CGM-System aus. Es war bequemer, ich hatte 24 h Werte und das für 14 Tage am Stück. Kein lästiges Fingerstechen mehr und keine Luftsprünge an die Decke meiner Hütte. Auch wenn die Kosten selbst zu tragen waren, gönnte ich mir diesen Luxus für meine Gesundheit gerne. Meine Gedanken dazu waren, ich gebe genug Geld für Blödsinn aus. Dann investiere ich lieber in mich und meine Gesundheit. Eine gute Investition wie ich finde.

Seit dem verwende ich nur mehr CGM-Systeme und messe nur mehr manchmal blutig. Das dient dann zur Kontrolle und nicht weil ich wissen will wie schmerzhaft es ist sich in die falschen Stellen am Finger zu stechen. 

Der Umstieg auf die Pumpe

Ein Jahr lang nutzte ich die Insulinpens für meine Therapie. Dann kam die Umstellung auf die Insulinpumpe. Der Grund war ein einfacher. Es gab eine medizinische Studie, bei der es notwendig war, eine Insulinpumpe zu tragen. Und die Studie wurde äußerst gut bezahlt. Nachdem ich gerade den Kaufvertrag für mein Reihenhaus unterschrieben hatte, kam die Studie auch recht. Zu Beginn war ich noch skeptisch wegen der Pumpe, aber diese Skepsis legte sich recht schnell. Nach der erfolgten Einschulung auf die Pumpe, musste die Therapie wieder adaptiert werden. Wochenlanges tüfteln wie Daniel Düsentrieb. Am Ende kam aber keine Mondrakete raus, sondern etwas viel Besseres. Eine nahezu perfekte Therapieeinstellung, welche mir sehr viel mehr Freiheit und Flexibilität in meinen Alltag gab. Ich war super happy und das Geld aus der Studie löste ein weiteres Dopaminfeuerwerk in meinem Oberstübchen aus. Eine neuronale Party trotz einer unheilbaren Krankheit.

4 Jahre lang durfte ich die Pumpe tragen. Dann lief der Vertrag aus und ich hatte das Recht auf eine neue Insulinpumpe. Wie das Leben so spielt, gab es eine neue Studie. Eine Studie wieder mit einer insulinpumpe. Doch dieses Mal war etwas ganz Besonderes dabei. Ich benötigte ein Smartphone, ein bestimmtes CGM, welche mittlerweile von der Krankenkasse bezahlt wurden und eine spezielle Pumpe. Die Besonderheit der Studie war ein neues System. Ein sogenanntes Hybrid-Closed-Loop System. Und das System war der Hammer.

Studie mit Hybrid-Closed-Loop

Diese Hybrid-Closed-Loop Studie ist ein Highlight von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum. Bereits nach wenigen Tage stellte ich zu meinem Entzücken fest was für ein Gamechanger dieses System sein würde. Ich war so begeistert davon, dass ich immer mehr mit dem System getestet habe. Ich wollte die Grenzen der Belastbarkeit dazu herausfinden. Ein Unterfangen, welches sich als unmöglich herausstellte. Die Studie ging über ein paar Monate und wurde sogar verlängert. Danach durften wir das System noch weiterverwenden. Wir Teilnehmer mussten lediglich das Pumpenmaterial selbst kaufen. An der Zeit das System zu testen, scheiterte es also nicht. Es scheiterte daran, dass es trotz der Neuartigkeit bereits sehr ausgereift und lernfähig war. Egal was ich auch probiert habe, der Algorithmus war darauf vorbereitet und konnte damit umgehen. Und so entschied ich zu Muttertag von mir zu Hause in unser über 50 km entferntes Wochenendhaus zu laufen.

Verantwortungsbewusst wie ich bin, habe ich vorher bei meiner Studienärztin nachgefragt, ob ich das auch machen darf. Sie war etwas überrascht, stimmte aber zu und war gespannt, wie es funktionieren würde. Mir ging es damit gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Diabetesmanagement nicht zufrieden während dem Sport. Doch dieser Lauf hat meine Einstellung dazu geändert. Mit meinen Kenntnissen über das System und den gesammelten Erfahrungen nahm ich vor dem Lauf ein paar kleinere Anpassungen vor. Dann kam der einfachere Teil. Das Laufen. Mein Ziel war es zumindest einen Marathon zu schaffen. Mental vorbereitet war ich nicht auf einen spontanen Marathon, körperlich war ich bereit das zu rocken. Also lief ich mit meinem Trinkrucksack und einer Menge Traubenzucker los. 4,5 Stunden später ließ ich mich abholen und die letzten Kilometer zum Haus bringen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich zum Essen zu spät gekommen wäre.  

Begeistert vom System und der erbrachten Leistung berichtete ich meine Erfahrungen meiner Ärztin. Wir waren beide erfreut über das System und den spontanen Marathon. Damit war bewiesen, dass das System auch im Sport eine einwandfreie Unterstützung darstellt. Für die Studie war es irrelevant, dass ich das gemacht habe. Es war auch nicht gefordert. Allerdings brachte es erste Einblicke in die Zukunft, was alles noch leichter möglich sein wird. Der Ausblick damals ist heute der Standard. Nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Die Insulinpumpe von heute ist moderner und hat mehr Sexappeal. Der Algorithmus ist noch besser und meine Erfahrung machen es fast schon zum Kinderspiel mein Diabetesmonster täglich aufs neue zu zähmen.

Der Loop wird Salonreif

Dieser Hybrid-Closed-Loop, den ich testen durfte, wurde ca. 3 Jahre nach der Studie von der Firma Ypsomed AG (mylife Diabetescare) auf den Markt gebracht. Mit den Erfahrungen, welche ich während der Studie gemacht habe, konnte ich sofort im vollen Umfang starten. Eigentlich hätte ich noch eine Online-Schulung inklusive Tests dafür machen müssen, aber ich bin das umgangen. Ich hatte die Zugangsdaten aus der Studie noch und konnte das System ohne die geforderten Maßnahmen starten. War zwar nicht erlaubt bzw. gewünscht, aber manchmal breche ich die geltenden Regeln und gehe meinen eigenen kreativen Weg. Also habe ich das neue System sofort gestartet und gleich versucht es an seine Grenzen zu bringen. Eines habe ich sofort gelernt. Das System ist nicht an seine Grenzen zu bringen. Es sei denn ein technischer Defekt liegt vor. Das ist aber wie bei einem Auto. Funktioniert immer außer es wird etwas kaputt.

Mittlerweile habe ich das System seit über 3 Jahren im Einsatz. Dafür benötige ich noch für kurze Zeit ein Android Smartphone, aber bald läuft es auch auf iOS und damit benötige ich dann nur mehr ein Smartphone. Ich bezeichne mein Diabetes Smartphone als Diabetes Dashboard. Dafür bin ich auch bereit mein iPhone plus ein weiteres Smartphone herumzutragen. Lange wird es nicht mehr dauern und es reicht dann ein Smartphone. Der größte Vorteil von diesem System ist, dass es sehr diskret verwendet werden kann. Das trifft auf mich nur nicht zu. Ich gehe offen mit dem Thema Diabetes um und hoffe, dass ich vielen Mut machen und Hoffnung geben kann damit zu leben und das Beste daraus zu machen. Das System ist zuverlässig und funktioniert gut. Es eignet sich für ein Kleinkind über die Erziehungsberechtigten bis ins hohe Alter wenn man Technikaffin ist. Ich bin happy, dass es diese Entwicklung gibt.

Diabetesjubiläum feiern

Kann ich das jetzt feiern, dass ich seit 10 Jahren unheilbar krank bin? Klar warum sollte ich das nicht feiern können. Die Gründe dafür sind einfach und kann ich aufzählen.

  • Diabetes hat mein Bewusstsein für meine Gesundheit geweckt
  • Diabetes gibt mir die Motivation über mich selbst hinauszuwachsen
  • Diabetes ist ein Teil von mir
  • Tut nicht weh, schränkt nicht ein, ist unsichtbar
  • Motiviert mich andere zu motivieren
  • Ist nicht immer einfach zu handeln, aber ich lerne nie aus
  • Es hätte mich schlimmer treffen können
  • Ich bin dadurch messbar süß, auch wenn mein Name Sauer ist
  • Lieblingssatz: „Ich kanns wegspritzen“ (vielseitig einsetzbarer Satz unabhängig von Diabetes)

Und aus diesen Gründen werde ich meine 10 Jahre mit Diabetes feiern, genießen und immer wieder Revue passieren lassen. Nicht nur ein treuer Begleiter mein Diabetes, auch ein Anker, der mich immer wieder mal auf den Boden der Tatsachen holt wenn ich zu übertriebenen Höhenflüge ansetze.

Die Zukunft

Was die Zukunft mit Diabetes bringt, wird sich zeigen. Es gibt viele Studien und die Forschung stoppt nicht. Es ist ein spannender Bereich der ständig Neues hervorbringt. Ich lasse mich überraschen, was alles noch auf mich zukommt, und werde an weiteren Studien teilnehmen. Meine Motivation andere zu motivieren und zu zeigen, dass Diabetes kein Hindernis ist, ist ungebrochen. Und irgendwann wird es heilbar sein. Da bin ich mir sicher. Und dann wird es spannend. Was mache ich dann ohne Diabetes? Hoffentlich wird mir nicht langweilig wenn ich nicht mehr mitdenken muss beim Essen und Trinken. 😉

Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen. Ich würde mich über das Teilen des Beitrags, Kommentare und Likes dazu fragen. Bis zum nächsten Mal 🙂 

„Ich laufe nicht trotz Diabetes – ich laufe, weil ich es kann. Weil ich will. Und weil ich zeigen will, dass es geht.“ Missy Foy (Ultramarathonläuferin, Typ-1)

Ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Die Frage ist berechtigt. Vor allem habe ich sie mir vor fast 10 Jahren auch schon gestellt. Was ich in der Zwischenzeit schon alles erlebt habe, möchte ich hier mitteilen. Zumindest einen Teil davon.

Unmögliche Dinge mit Diabetes

Als Neuling mit Diabetes wurde ich wirklich oft mit Sachen konfrontiert, die ich vermeintlich nicht mehr darf. Irgendwie wussten alle besser Bescheid als ich, hatten aber genau keine Ahnung. Ich kann nicht mehr Sport treiben, ich könnte unterzuckern umkippen und sterben. Ich darf keine Torte mehr essen, ich könnte umkippen und sterben. Ich darf dieses und jenes nicht mehr… genau, ich könnte umkippen und sterben. Tja da war ich dann mal vorsichtig. So ungefähr 3 Minuten. Das war die Zeit, die ich vom Arzt zu meinem Rad benötigt habe, um zurück ins Büro zu kommen. Dann futterte ich nochmal ordentlich rein und begab mich etwas später ins Krankenhaus (Kurzversion überspitzt dargestellt). Dort wurde mit den Einschulungen gestartet und wenige Tage später durfte ich heim. Alles, was ich aus dem Krankenhaus mitgenommen habe, war. Zwei Wochen nach der Diagnose einen Halbmarathon zu laufen ist möglich, aber nicht sinnvoll.

Was ist dann nicht möglich mit Diabetes? Ich bin so frei eine sicher nicht vollständige Liste zu erstellen was unmöglich ist mit Diabetes. Wenn du Lust hast, kannst du in den Kommentaren gerne deine unmöglichen Diabetesthemen ergänzen. Ich würde mich freuen.

Liste der Unmöglichkeiten

  • Steine essen, konnte ich schon ohne Diabetes nicht. Also nichts neues.
  • Unter Wasser atmen, konnte ich wenig überraschend auch schon davor nicht. Ich bin nicht Aquaman, oder doch? 😉
  • Fliegen wie ein Vogel. Wahnsinn, dass das nicht geht, oder? Kannst du das?
  • Mit dem Kopf nicht nur sprichwörtlich durch die Wand gehen, sondern tatsächlich. Klappt nicht. Ich habs probiert und es endete in einer Platzwunde. Allerdings segelte ich problemlos durch eine Glastür, ohne mich dabei zu verletzen. Lustige Geschichte, aber ein anderes Mal vielleicht.
  • Gift schlucken. Habe ich nicht probiert soll könnte aber tödlich enden.
  • Einen Tisch verspeisen, ganz ehrlich wer würde das wollen?
  • Die Elemente beherrschen und manipulieren wie in Filmen.

Ich bin mir sicher diese Liste lässt sich super ergänzen. Also hau deine Unmöglichkeiten mit Diabetes in die Kommentare.

Was aber wirklich unmöglich ist, ist auf Insulin oder andere Medikamente zu verzichten die verordnet werden. Diese sind lebensnotwendig. Wenn ich mein Insulin absetze, die Pumpe entferne dann ist das eines der Dinge, die mein Leben vorzeitig beenden können. Und ehrlicherweise hänge ich an meinem Leben wie an meiner Pumpe. Dann kommen wir zum dem Teil mit, ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Mögliche Dinge mit Diabetes

Tja vielleicht fragst du dich, was ich getan habe als ich erfuhr, dass der Halbmarathon 2 Wochen nach meiner Diagnose nicht möglich ist? Ich habe gefragt, ob der Marathon 3 Monate später dann möglich ist. Die Antwort war: „In drei Monaten wissen Sie über Diabetes besser Bescheid und was sie tun können als wir.“ Fand ich spannend. Beim Autofahren nach 100.000 km hat man im Straßenverkehr fast alles erlebt, was es so gibt. Und dafür habe ich Jahre benötigt. Ich denke mal, der Arzt hat das sportlich betrachtet gekürzt, um mir Mut zu machen. Er hat seinen Part damit ausgezeichnet erfüllt. Mein sportlicher Ehrgeiz war geweckt und ich war drauf und dran mein Diabetesmonster zu zähmen. So sehr, dass ich aufs Trainieren vergas. Das war der erste und einzige Marathon, den ich abgebrochen habe. Nicht des Diabetes wegen, weil ich eine faule Sa* war.

Von da an gings aber so bergauf, dass ich begonnen habe, einfach alles auszuprobieren wo andere sagten das ist unmöglich mit Diabetes. An dieser Stelle möchte ich dich auch gleich bitten die Liste in den Kommentaren zu ergänzen. Ich habe sicher nicht alles ausprobiert, was mit Diabetes möglich ist. Aber das ist meine Liste von Dingen, die ich probiert habe oder von denen ich weiß, dass sie möglich sind.

Liste der Möglichkeiten

Um ehrlich zu sein gibt es glaube ich nur sehr wenig, was mit Diabetes nicht funktioniert. Also könnte ich die Liste kurzhalten und schreiben, mit Diabetes ist alles möglich! Weil ich aber eine Liste versprochen habe, folgt sie nun.

  • Einen Marathon laufen, das sind 42,195 km.
  • 2 Marathons in 7 Tagen laufen.
  • 4 Marathons in vier Wochen laufen, ja ich habs gemacht. Im gleichen Jahr wie das mit den 2 Marathons in 7 Tagen.
  • Einen Ultramarathon laufen, die beginnen bei 50 km und mehr.
  • Mehr als 75 km laufen.
  • 9 Marathons in 9 aufeinander folgenden Tagen laufen.
  • 10 Cordon Bleus in 10 aufeinander folgenden Tagen essen.
  • Einen Marathon als Maskottchen laufen, habe ich Maskottathon genannt.
  • Oma sagen, dass ich Gurken und Tomaten nicht mehr essen darf. Ich mag sie nicht, aber Oma merkt sich das nicht und damit habe ich das Problem gelöst.
  • Party machen als gäbe es kein morgen.
  • Sex, Drugs & Diabetes
  • (Männer)Grippe überleben.
  • Jede Menge Blödsinn erzählen.
  • Ausgesprochen süß sein. Sogar messbar anhand von Sensorwerten.
  • Und noch viel mehr.

Und nochmal weise ich darauf hin, erweitere die Liste und poste deine Liste der (Un)Möglichkeiten doch in die Kommentare. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Heute lass ich es mal kürzer sein. Die Liste(n) werden bestimmt lange genug. Wie immer freue ich mich über Likes, Kommentare oder wenn der Beitrag geteilt wird 🙂 Nehmen gemeinsam Diabetes ein wenig den Schrecken, zähmen das Diabetesmonster und zeigen allen in der großen weiten Welt das mit Diabetes alles möglich ist. Denn wenn ich es kann, dann kannst du es schon lange. 🙂

Alles ist möglich, bis seine Unmöglichkeit bewiesen wurde.

Pearl S. Buck

Ein süßeres Leben mit Diabetes: Akzeptanz und Bewältigung

Ein süßeres Leben mit Diabetes: Akzeptanz und Bewältigung

Solltest du Diabetes oder den Verdacht dazu haben, ist es notwendig einen Arzt aufzusuchen und sich an die entsprechenden Diabetologen oder Ambulanzen überweisen zu lassen. Städte haben in der Regel Diabetesambulanzen in denen du gut aufgehoben und beraten ist. Im ländlichen Gebiet kann es schon schwieriger sein. Wenn es aber um die eigene Gesundheit geht, nehme ich gerne auch einen längeren Weg in Kauf, um möglichst lange ganz fit zu sein.

Frag auch nach was du für Möglichkeiten bei den Therapien hast. Vielleicht kannst du auch eine Kur oder ein Rehabilitationsheilfverfahren beantragen und dich zwischen 3 und 4 Wochen nur um dich und deinen Diabetes kümmern. Das alles unter ärztlicher Aufsicht mit Schulungen, Bewegung, Ernährungsschule (vielleicht sogar mit Kochkurs) und vielem mehr.  

Diabetes ist sicher nicht der Weltuntergang. Es ist keine frohe Botschaft, wenn die Diagnose gestellt wird, aber das Leben geht weiter. Die Medizin wird immer besser und die Technik am Diabetessektor ebenso. Zu Beginn ist der Aufwand groß sich darauf einzulassen (zu müssen) und die Flut an Informationen, die einem gegeben werden zu verarbeiten, aber je schneller man Diabetes für sich selbst und als neuen Weggefährten akzeptiert, desto schneller geht es einem wieder besser. Der Weg in die Zukunft ist viel süßer als dein bisheriger Weg es war.

Es gibt Selbsthilfegruppen und unzählige Bücher über Diabetes. Du findest bestimmt genau das Richtige für dich. Du wirst sehen, wenn du es als Teil von die akzeptiert hast, wirst du ein viel süßeres Leben führen. Ich hoffe ich kann dir in diesem Blog ein bisschen zeigen was mit Diabetes alles möglich ist und dass es weniger schlimm ist als du oder dein Umfeld es glauben. Und eines kann ich dir auch sagen, ich predige nicht Wasser und trinke Wein. Auch ich habe meine Tage an denen es gar nicht läuft. Tage, wo der Blutzucker auf und ab geht wie in einer Achterbahn, egal was ich mache. Tage an dem das Insulin wie Wasser ist und gar nicht wirkt. Meistens läuft es gut. Und wer glaubt ich sitze nur zu Hause und checke meine Werte oder bin am Trainieren, dem sei gesagt, ich gehe auch gerne mal feiern und trinke einen über den Durst. Oder anders formuliert, es kommt schon mal vor, dass ich eine unbestimmte Anzahl an Hopfentorpedos (Bier) mir ins Kleinhirn knalle und es zum Verlust der Muttersprache kommt. Ich gönne mir auch mal Kuchen oder Schokoriegel. Es gehört einfach dazu und ist oft eine Belohnung für ein erreichtes Ziel oder weil ich gerade Lust darauf habe und ich es mir erlauben möchte. Ich genieße einfach mein Leben und mach das Beste daraus. Das geht mit Diabetes und ich werde das in den Beiträgen noch näher ausführen, wie und warum das bei mir so ist.

Ein süßeres Leben mit Diabetes: Akzeptanz und Bewältigung

Diabetes: Warum Selbstmanagement entscheidend ist

Diabetes ist leider unsichtbar und hat viele Folge- und Begleiterkrankungen. Ich zähle nur ein paar auf.

  • Schädigung der Nerven
    • Beinen
    • Fingern
    • Augen
  • Organschäden
  • Amputation abgestorbener Zehen
  • Schlechte Wundheilung
  • Schlechte Blutwerte (abgesehen von Diabetes)
  • Bluthochdruck
  • Usw.

Grundsätzlich kann man sagen, je besser man seinen Diabetes im Griff hat, desto unwahrscheinlicher wird es zu Folgeerkrankungen kommen bzw. wenn sie kommen, sollten sie weit langsamer voranschreiten und weniger schlimm sein. Es lohnt sich also auf sich selbst, seinen Körper und seinen Diabetes zu achten. Je mehr ich in der Gegenwart darauf aufpasse, desto länger werde ich ein langes und gesundes Leben haben. Einen achtsamen Umgang mit sich selbst empfehle ich aber jedem der sich was Gutes tun möchte.