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Das war der Transalpine Run – TAR25

Das war der Transalpine Run – TAR25

So schnell ist eine Woche vorbei und der Transalpine Run 2025 ist Geschichte. Was war das für eine schöne Woche. Voller Höhen und glücklicherweise mit wenig Tiefen. Auch wenn ich euch immer wieder Einblicke in den Lauf und den Alltag gegeben habe, möchte ich es hier nochmals machen. Ich möchte nicht nur Einblicke geben, sondern dich auch fragen, ob du konkrete Fragen hast. Wie war es mental? Welche Tricks habe ich angewendet. Körperlich, mit meinem Diabetesmanagement usw. Lass einfach einen Kommentar hier. Heute gibt es den Breicht der 7 Tage, das Blutzuckermanagement und meine mentalen Tricks folgen in den nächsten Tagen/Wochen.

Viel Spaß beim Lesen meiner Eindrücke.

Die Vorbereitung

Meine Vorbereitung für den TAR2025 lief bis Juni ganz gut und dann gar nicht mehr. Ich habe immer wieder mal mein Schienbein gespürt und deswegen auch den Trainingsumfang verringert. Nachdem ich aber einige Veranstaltungen am Plan hatte, bin ich diese auch gelaufen. Irgendwann war es dann gänzlich zu viel und ich musste eine längere Pause einlegen. 3 Wochen habe ich nichts getan. Kein spazieren oder laufen. Nur Oberkörperkrafttraining habe ich gemacht. Insgesamt dauerte die Pause 12 Wochen. Ich habe mir nur ein Rennrad gekauft. Damit habe ich meine Ausdauer weitertrainieren und vielleicht auch noch verbessern können. Das Radfahren funktionierte ausgezeichnet und so war ich positiv gestimmt, dass auch der Transalpine Run eine eher mentale Herausforderung wird und die Ausdauer vorhanden ist. Ich wusste es aber bis zum Start nicht. Daher war ich seit langem wieder mal nervös vor einem Wettbewerb.

Zur weiteren Vorbereitung zählte Mentaltraining. Ich habe eine Ausbildung als Mentaltrainer abgeschlossen und einige Bücher speziell für Sportler gelesen. Das half mir mich auf den Lauf vorzubereiten. Ich visualisierte immer wieder, dass ich den Lauf schmerzfrei mit einem stabilen Blutzuckermanagement bestreiten werde. Bei jedem Wetter, mit Muskelkater, mit zwicken in den Gelenken. Jede Möglichkeit, die mir einfiel, habe ich versucht zu visualisieren und zu erleben. Ich habe nicht den perfekten Lauf geplant oder mir vorgestellt. Schlechtes Wetter und Probleme habe ich ebenso mit in das Mentaltraining genommen. Jede Eventualität, welche mir eingefallen ist, habe ich eingebaut. Mir war es wichtig so gut es geht vorbereitet zu sein. Damit konnte ich etwas entspannter bleiben. Dadurch habe ich auch sicher besser geschlafen die Tage davor. Falls du dich fragst ob es funktioniert hat, ja das hat es. Sehr gut sogar. Die Zeit, die mir durch das Laufverbot gegeben wurde nutzte ich dafür.

TAR25 der Lauf

Das Team

Ich trat im Team Mylife Runners an. Das Team bestand aus meinem langjährigen Freund Peter und mir. Mit Peter bin ich meinen ersten Marathon gemeinsam gelaufen und seitdem laufen wir immer wieder gemeinsam. Mehr oder weniger verrückte Veranstaltungen. Mehr oder weniger zum Gefallen von Peters Partnerin. Danke Heidi, dass du ihn hin und wieder für unsere Läufe herborgst 😉

Tag 1

Die letzten Sekunden werden heruntergezählt. 3.. 2.. 1.. STARTSCHUSS! Und 1000 Läufer setzten sich von Lech am Arlberg nach Bludenz in Bewegung. Die erste Etappe 39 km mit 2.300 Höhenmeter bergauf und 2.500 bergab. Es wären mehr gewesen, aber auf Grund von Regen und Schneefällen am Vortag musste die erste Etappe geändert werden. Das Ziel war klar. In den ersten beiden Tagen sich nicht abzuschießen. Also eher hinten im Feld starten und gemütlich den ersten Anstieg meistern. Bei den Downhillpassagen aufpassen und ebenso zurückhaltend bleiben. Zeit an die 7-8 Stunden laufen dann regenerieren. Der erste Tag lief bereits super. Unsere Zurückhaltung zu Beginn eskalierte bei den anspruchsvollen Downhills in puren Wahnsinn und wir liefen viel schneller als geplant. Nach knapp 6:40 Stunden waren wir im Ziel. Glücklich den ersten Tag überlebt zu haben und voller Vorfreude auf Tag 2. Ich spürte bereits meine Beine.

Tag 2

Der Startschuss fiel zum zweiten Mal und wir machten uns wieder auf den Weg. Von Bludenz nach Brand mit ein paar kleinen Umwegen im Hinterland. Anders wären wir aber auch nicht auf die Knapp 34 km mit über 2.000 Höhenmeter rauf und runter gekommen. Die Strecke startete durch die Stadt und über Asphalt 4 km bis zum Eingang in eine Klamm. Dort entstand bereits ein langer Stau und wir bereiteten uns schon auf den Aufstieg vor. Von dort weg ging es eigentlich nur mehr bergauf bis zum höchsten Punkt auf 1900 m Seehöhe. Vom höchsten Punkt ging es nach unten. Wieder mit einem Höllentempo krachten wir ins Tal. Wir konnten einige Leute überholen und vor allem am letzten Stück bergab gab es kein Halten mehr. Kurzerhand hab ich mich unfreiwillig auf meine 4 Buchstaben gesetzt. Nichts passiert, ab ins Ziel und regenerieren.

Tag 3 Königsetappe

Es stand die Königsetappe an. 49 km und über 3.400 Höhenmeter rauf nur 3.100 nach unten. Als hätten die ersten beiden Tage mit gesamt 72 km und über 4.000 Höhenmeter nicht schon ausgereicht. Ein Knall und das Starterfeld lief los. Wir spürten unsere Beine und mussten erst unser Tempo finden. Nach 2-3 km einlaufen waren wir wieder in unserem Renntempo und kamen gut voran. Bergauf waren wir flott aber nicht am Limit unterwegs. Das änderte sich als es wieder bergab ging. Beim ersten Downhill überholten wir gefühlt das ganze Starterfeld. Beim Gegenanstieg hatten wir dann wieder mehr Zeit und reduzierten das Tempo erneut. Wir hielten sogar kurz an. Ich führte Ketonmessungen durch und pfiff mir puren Zucker ins Kleinhirn. Nach 2-3 Minuten im Gehtempo bergab rief ich zu Peter „Ok, ready to rumble!“ Die Handbremse wurde gelöst und wir donnerten ins Tal. Geplante Zielzeit 10 h, Ankunft nach 8:26 h.

Tag 4 Bergsprint

Der Bergsprint gilt als „Erholungstag“. Grund dafür ist, dass es nur 9,4 km mit 1.300 Höhenmeter bergauf geht. Und es wäre auch wirklich ein Tag zum Erholen gewesen, wenn da nicht Regenwetter den Tag getrübt hätte. Der Start wurde immer früher angelegt damit möglichst alle trocken ins Ziel kommen. Leider hatte das Wetter die Idee auch früher mit dem Regen zu beginnen und es so lange regnen zu lassen bis auch der Letzte im Ziel war. Wir starteten gemütlich, ab der Hälfte der Strecke wurde es mir zu kalt und ich erhöhte das Tempo. Ich sah nicht mal zu Peter zurück, ich wusste er ist fitter als ich und bleibt dran. Bergauf ist nicht unsere Königsdisziplin aber die geplante Zielzeit von 2 h unterschritten wir dennoch. Zielzeit 1:42. IM Ziel sofort umziehen, ab in die Gondel, duschen umziehen, essen gehen, Massage und Powernap. Ruhetag eben.

Tag 5 verkürzte Etappe

Die Etappe musste aufgrund des Wetters deutlich verkürzt werden. Damit ergab sich ein zweiter Tag zum Erholen. Nur 15 km mit 750 Höhenmeter waren zu bewältigen. Zum Start musste man aber 2,5 km hinwandern. Der Start erfolgte fliegend. Sobald man ankam, lief man los. 3 h durften benötigt werden. Wir hatten wieder 2 h am Plan. Peter war besser drauf und ließ mich erst bergauf schnaufen und bergab sogar stehen. Die Folge er musste im Tal warten. Dann kam eine flache Passage auf Asphalt. Mag ich normalerweise. Bei Regen und nach 130 km in den Beinen mit über 8.000 Höhenmeter hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen. Die einzige Verpflegungsstation ließen wir aus und rannten weiter ins Ziel. Mein Handy entschied sich komplett zu sperren. Ich hatte keine Messwerte und durfte blind auf meinen Zucker vertrauen. Hat geklappt und nach 1:41 h waren wir komplett durchnässt im Ziel.

Tag 6

Ich dachte die Strecke wird auf Grund des Wetters der letzten Tage sicher wieder verkürzt. Falsch gedacht. Es waren 34 km und der höchste Punkt war auf knapp 2.700 m Seehöhe. Da ist die Luft schon ganz schön dünn. Der Start war in Zernez und es ging nach Scoul. Die ersten 2 km waren auf der gesperrten Bundesstraße, bevor es über einen Singletrail zum höchsten Punkt ging. Kurz vor dem Gipfel klingelte mein Telefon. Thunderstruck war zu hören gefolgt von einem, „Seas Andi bin im Urlaub. Spaziere gerade a bissl durch die Schweiz. Bin nächste Woche wieder da.“ Ich entschuldigte mich bei den restlichen Teilnehmern in meinem Umfeld, dass ich noch telefonieren konnte, während sie um Luft ringen musste. Einige kostete es ein Lachen. Am höchsten Punkt angekommen ließen wir es wieder krachen. 2 mal noch rauf und wieder runter und wir waren im Ziel. Geplant 6h Ziel 5:26h. Meine Schienbeine hatten aber gelitten. Ordentlich!

Tag 7 Das Finale

Der letzte Tag war vom Aufstehen weg mühsam. Meine Schienbeine schmerzten ordentlich. Es tat richtig weh. Mein Ziel war es ins Ziel zu kommen. Irgendwie. Wir gingen an den Start und platzierten uns weit hinten. Die Luft war erst mal draußen. Keine Zielzeit mehr geplant. Nur vor dem Zeitlimit ins Ziel kommen. Es gab nur einen großen Anstieg. Gleich zu Beginn. 10 km 1.800 m nach oben auf knapp 3.000 m Seehöhe. Knapp innerhalb des Zeitlimits erledigt. Der Downhill war die pure Qual. Peter und ich stellten uns auf einen langen Tag ein. Nach dem ultralangsamen Downhill beschloss ich am kurzen Anstieg eine Schmerztablette zu nehmen. Würde ich sonst nie machen, aber nach 200 km durch die Alpen beende ich nicht freiwillig das Rennen. Verpflegungsstation 2 immer noch im Zeitlimit. Die Tablette wirkt. Langsam konnten wir wieder Tempo aufnehmen und sogar laufen. Es sah zwar aus als hätte mich jemand angefahren, aber ich konnte laufen.

Während des Rennens dachten wir, dass wir eine der letzten sein werden, die ins Ziel kommen. Allerdings ging es mir dann zunehmend besser und wir wurden wieder schneller. Die Schmerzen wurden wieder erträglich. Laufen war wieder möglich. Das stimmte uns glücklich und wir kamen dem Ziel rasch näher. Nach 7:15 h waren wir im Ziel. Nach 7 Tagesetappen hatten wir eine Zielzeit 37:58:17,0 h für 223 km und 13.200 Höhenmeter benötigt. Wir beide sind glücklich es geschafft zu haben. Auch wenn es zwischendurch anstrengend war konnten wir viel mitnehmen, lernen, sehen und erleben. Ein unvergessliches Erlebnis.

Danke

An dieser Stelle möchte ich danke an alle sagen die uns unterstützt haben. Allen voran Mylife Diabetescare. Sie haben unser Startgeld beglichen und so unser Erlebnis erst möglich gemacht. Danke an Peter, dass er sich der Herausforderung gestellt und diese gemeinsam mit mir gemeistert hat. Ebenso ein Dankeschön an meine Familie, die mich aus der Ferne unterstützt haben. Danke auch an Othmar Moser. Das Blutzuckermanagement wurde durch ihn überwacht und er stand mit seiner Expertise erfolgreich zur Seite. Danke auch an die Organisatoren, die so ein Event veranstalten und es unvergesslich machen. Und danke auch an meinen Physiotherapeuten Peter, er hatte rasch Zeit sich mein Schienbein anzusehen, mich zum richtigen Arzt (auch ein Peter😉 ) zu schicken und das Training anzupassen. Und ein weiterer Dank geht an Christian Almer von der Sportmed Graz. Bis zu meiner Verletzung konnte ich erfolgreich nach seinem Plan trainieren und mich vorbereiten.

Das war der TAR

Das war der Transalpine Run 2025. Ein Erlebnis, welches mir sicher in Erinnerung bleibt. Ich hoffe, du hattest beim Lesen so eine Freude wie ich beim Laufen. Wie versprochen werde ich in den nächsten Tagen und Wochen noch ausführlicher über mein Blutzuckermanagement, mein mentales Training und Herausforderung sowie auf die Fragen von euch eingehen. Ich freue mich schon davon zu berichten und von dir zu hören. Schreib doch in die Kommentare was dich besonders interessiert. Teile den Beitrag und lass doch ein Like da. Und falls du noch andere Projekte nachlesen möchtest bist du hier richtig. Bis bald!

 

10 Jahre Stoff und noch immer nicht high

10 Jahre Stoff und noch immer nicht high

Der 17.06.2015 war ein Tag der mein Leben für immer ändern sollte. Schicksalhaft und von Dauer wird das Bündnis sein, welches ich eingegangen bin. Nicht gerade freiwillig oder so, dass ich es mir ausgesucht hätte. Aber wie das so mit dem Leben ist. Es passiert einfach wenn man Pläne macht. Ich möchte dir von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum erzählen.

Wenn du dich jetzt fragst warum gibt es diesen Beitrag einen Monat früher, dann möchte ich dir sagen, dass der 17.06 ein besonderer Tag ist. Ich teile ihn mit meinem Bruder. Ihm ist auch etwas passiert. Am gleichen Tag nur 2 Jahre später. Und daher möchte ich um den 17.06 herum einen eigenen Beitrag schreiben.

10 Jahre Stoff und noch immer nicht high, …

Der Beginn

Nun sind es 10 Jahre, in denen ich darauf angewiesen bin, mir extern Insulin zuzuführen. Zu Beginn habe ich das noch mit Insulinpens gemacht. Zumindest ein Jahr lang habe ich mit den Insulinkugelschreibern, wie ich sie genannt habe, mir das Insulin injiziert. Und ich bin froh, dass ich keine Angst vor Nadeln habe. Ich hatte eher Angst die Nadeln würden nicht in meinen stählernen Körper eindringen und kaputt gehen. Das ist natürlich nicht so gewesen. Sie gingen durch meine Haut ins subkutane Fettgewebe wie ein heißes Messer durch Butter fetzt. Damit startete meine Karriere als Person mit diabetischem Hintergrund. Circa ein Jahr lang nutzte ich diese Technologie inklusive Fingerpiks, um den Blutzucker zu bestimmen. Vor 10 Jahren waren CGMs noch selbst zu bezahlen. Ich musste ein paar Wochen überlegen, bis ich mir dann endlich die Sensoren geleistet und in meine Gesundheit investiert habe.

Nicht nur das Anschaffen des CGMs (Kontinuierliche Glukose Messung) dauerte ein paar Wochen, sondern auch das Erlernen der Fertigkeiten, die ich für meinen neuen Alltag benötigte. Die ersten 2 Wochen war ich im Krankenstand und zu Hause. Bewaffnet mit einer Waage und einem DIN A3 Block mit unzähligen Lebensmitteln, lernte ich das Wiegen und Schätzen von Mahlzeiten mit Kohlenhydraten. Das war wichtig, um die Insulinmenge zu berechnen die ich mir dann in mein Hüftgold jagen musste. Zu Beginn durfte ich auch immer wieder ins Krankenhaus, um weitere Schulungen zu erhalten und meine Therapie anzupassen. Das Feintuning der Therapie war die Glasur, die zu meiner Selbsttherapie mit Diabetes notwendig war. Erst danach durfte ich wieder auf die Welt losgelassen werden. Und dann kam sehr schnell der Alltag retour. Nur mit dem Feature Diabetes. Mein treuer Begleiter der mich nicht mehr loslassen wird.

Meine Helferlein

Weil es nicht einfach ist sich alles zu merken durfte ich ab der Diagnose auch ein Tagebuch führen. Nicht so eines, was du jetzt vielleicht denkst. Ein Diabetestagebuch. Darin enthalten sind Blutzuckerwerte, Kohlenhydratmengen, Insulinwerte und sonstige Notizen. 2015 gab es aber schon Smartphones und Apps, die das erleichterten. Ich habe es zwar in Papierform gelernt, wechselte aber sehr schnell zu einer App-Lösung. Der größte Vorteil dabei war, dass ich die Mahlzeiten genau beschreiben und auch Lokale eintragen konnte. Damit wusste ich, dass ich im Lokal X, bei stets dem gleichen Gericht, meistens die gleiche Menge Insulin abgeben musste. Ich konnte im Tagebuch danach suchen und die Werte von damals mit den aktuellen vergleichen. Dementsprechend nahm ich dann die Anpassungen in der Insulinmenge vor. Nach wenigen Monaten war ich bereits sehr sicher im Schätzen von Mahlzeiten. Es fiel mir meistens leicht meinen Blutzucker gut zu kontrollieren.

Neben der App-Lösung und den selbst bezahlten CGMs gab es noch weitere wichtige Helferleins. Das waren meine Familie und meine Freunde. Stets besorgt um meine Gesundheit durfte ich häufig die gleichen Fragen beantworten. Das war zwar nervig, aber gut gemeint. Sie haben sich eben Sorgen um mich und meine Gesundheit gemacht. Egal was ich gemacht habe, es war immer wer an meiner Seite. Für den Fall, dass ich etwas vergesse und umkippe. So konnte ich bereits nach kurzer Zeit wieder in mein Training einsteigen und wurde am Rad oder laufend begleitet. Somit musste ich kein Zubehör schleppen. Den ersten Marathon mit Diabetes habe ich erst ein Jahr nach meiner Diagnose geschafft. Davor war ich zu faul. Aber damit war dann auch der Startschuss in (m)eine sehr sportliche Laufbahn erfolgt. Und was ich bis heute alles geschafft habe ist für mich unglaublich.

Und so ganz nebenbei glaube ich, dass die Diagnose Diabetes für mein Umfeld schockierender war als für mich. Manchmal bin ich der Meinung, dass meine Helferlein diejenigen waren, die meinen seelischen Beistand und meine beruhigenden Worte benötigt haben. Irgendwann haben dann aber alle erkannt, dass es mir gut geht und ich meinen Weg laufen werde. 

Blutig messen vs. CGM

2015 bis 2016 durfte ich 8-mal am Tag blutige Messungen zur Bestimmung meines Blutzuckers durchführen. Diese Werte in einem Tagebuch erfassen und zur Kontrolle einmal im Quartal mitbringen. An das Fingerstechen musste ich mich gewöhnen. Alles andere war einfach. Das aber war nervig und tat auch häufig weh. Ich traf oftmals Stellen an den Fingerkuppen, die mich an die Decke springen ließen. Ich bin zwar nicht wehleidig, aber das war mies. Mein Entschluss fiel dann für das CGM-System aus. Es war bequemer, ich hatte 24 h Werte und das für 14 Tage am Stück. Kein lästiges Fingerstechen mehr und keine Luftsprünge an die Decke meiner Hütte. Auch wenn die Kosten selbst zu tragen waren, gönnte ich mir diesen Luxus für meine Gesundheit gerne. Meine Gedanken dazu waren, ich gebe genug Geld für Blödsinn aus. Dann investiere ich lieber in mich und meine Gesundheit. Eine gute Investition wie ich finde.

Seit dem verwende ich nur mehr CGM-Systeme und messe nur mehr manchmal blutig. Das dient dann zur Kontrolle und nicht weil ich wissen will wie schmerzhaft es ist sich in die falschen Stellen am Finger zu stechen. 

Der Umstieg auf die Pumpe

Ein Jahr lang nutzte ich die Insulinpens für meine Therapie. Dann kam die Umstellung auf die Insulinpumpe. Der Grund war ein einfacher. Es gab eine medizinische Studie, bei der es notwendig war, eine Insulinpumpe zu tragen. Und die Studie wurde äußerst gut bezahlt. Nachdem ich gerade den Kaufvertrag für mein Reihenhaus unterschrieben hatte, kam die Studie auch recht. Zu Beginn war ich noch skeptisch wegen der Pumpe, aber diese Skepsis legte sich recht schnell. Nach der erfolgten Einschulung auf die Pumpe, musste die Therapie wieder adaptiert werden. Wochenlanges tüfteln wie Daniel Düsentrieb. Am Ende kam aber keine Mondrakete raus, sondern etwas viel Besseres. Eine nahezu perfekte Therapieeinstellung, welche mir sehr viel mehr Freiheit und Flexibilität in meinen Alltag gab. Ich war super happy und das Geld aus der Studie löste ein weiteres Dopaminfeuerwerk in meinem Oberstübchen aus. Eine neuronale Party trotz einer unheilbaren Krankheit.

4 Jahre lang durfte ich die Pumpe tragen. Dann lief der Vertrag aus und ich hatte das Recht auf eine neue Insulinpumpe. Wie das Leben so spielt, gab es eine neue Studie. Eine Studie wieder mit einer insulinpumpe. Doch dieses Mal war etwas ganz Besonderes dabei. Ich benötigte ein Smartphone, ein bestimmtes CGM, welche mittlerweile von der Krankenkasse bezahlt wurden und eine spezielle Pumpe. Die Besonderheit der Studie war ein neues System. Ein sogenanntes Hybrid-Closed-Loop System. Und das System war der Hammer.

Studie mit Hybrid-Closed-Loop

Diese Hybrid-Closed-Loop Studie ist ein Highlight von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum. Bereits nach wenigen Tage stellte ich zu meinem Entzücken fest was für ein Gamechanger dieses System sein würde. Ich war so begeistert davon, dass ich immer mehr mit dem System getestet habe. Ich wollte die Grenzen der Belastbarkeit dazu herausfinden. Ein Unterfangen, welches sich als unmöglich herausstellte. Die Studie ging über ein paar Monate und wurde sogar verlängert. Danach durften wir das System noch weiterverwenden. Wir Teilnehmer mussten lediglich das Pumpenmaterial selbst kaufen. An der Zeit das System zu testen, scheiterte es also nicht. Es scheiterte daran, dass es trotz der Neuartigkeit bereits sehr ausgereift und lernfähig war. Egal was ich auch probiert habe, der Algorithmus war darauf vorbereitet und konnte damit umgehen. Und so entschied ich zu Muttertag von mir zu Hause in unser über 50 km entferntes Wochenendhaus zu laufen.

Verantwortungsbewusst wie ich bin, habe ich vorher bei meiner Studienärztin nachgefragt, ob ich das auch machen darf. Sie war etwas überrascht, stimmte aber zu und war gespannt, wie es funktionieren würde. Mir ging es damit gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Diabetesmanagement nicht zufrieden während dem Sport. Doch dieser Lauf hat meine Einstellung dazu geändert. Mit meinen Kenntnissen über das System und den gesammelten Erfahrungen nahm ich vor dem Lauf ein paar kleinere Anpassungen vor. Dann kam der einfachere Teil. Das Laufen. Mein Ziel war es zumindest einen Marathon zu schaffen. Mental vorbereitet war ich nicht auf einen spontanen Marathon, körperlich war ich bereit das zu rocken. Also lief ich mit meinem Trinkrucksack und einer Menge Traubenzucker los. 4,5 Stunden später ließ ich mich abholen und die letzten Kilometer zum Haus bringen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich zum Essen zu spät gekommen wäre.  

Begeistert vom System und der erbrachten Leistung berichtete ich meine Erfahrungen meiner Ärztin. Wir waren beide erfreut über das System und den spontanen Marathon. Damit war bewiesen, dass das System auch im Sport eine einwandfreie Unterstützung darstellt. Für die Studie war es irrelevant, dass ich das gemacht habe. Es war auch nicht gefordert. Allerdings brachte es erste Einblicke in die Zukunft, was alles noch leichter möglich sein wird. Der Ausblick damals ist heute der Standard. Nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Die Insulinpumpe von heute ist moderner und hat mehr Sexappeal. Der Algorithmus ist noch besser und meine Erfahrung machen es fast schon zum Kinderspiel mein Diabetesmonster täglich aufs neue zu zähmen.

Der Loop wird Salonreif

Dieser Hybrid-Closed-Loop, den ich testen durfte, wurde ca. 3 Jahre nach der Studie von der Firma Ypsomed AG (mylife Diabetescare) auf den Markt gebracht. Mit den Erfahrungen, welche ich während der Studie gemacht habe, konnte ich sofort im vollen Umfang starten. Eigentlich hätte ich noch eine Online-Schulung inklusive Tests dafür machen müssen, aber ich bin das umgangen. Ich hatte die Zugangsdaten aus der Studie noch und konnte das System ohne die geforderten Maßnahmen starten. War zwar nicht erlaubt bzw. gewünscht, aber manchmal breche ich die geltenden Regeln und gehe meinen eigenen kreativen Weg. Also habe ich das neue System sofort gestartet und gleich versucht es an seine Grenzen zu bringen. Eines habe ich sofort gelernt. Das System ist nicht an seine Grenzen zu bringen. Es sei denn ein technischer Defekt liegt vor. Das ist aber wie bei einem Auto. Funktioniert immer außer es wird etwas kaputt.

Mittlerweile habe ich das System seit über 3 Jahren im Einsatz. Dafür benötige ich noch für kurze Zeit ein Android Smartphone, aber bald läuft es auch auf iOS und damit benötige ich dann nur mehr ein Smartphone. Ich bezeichne mein Diabetes Smartphone als Diabetes Dashboard. Dafür bin ich auch bereit mein iPhone plus ein weiteres Smartphone herumzutragen. Lange wird es nicht mehr dauern und es reicht dann ein Smartphone. Der größte Vorteil von diesem System ist, dass es sehr diskret verwendet werden kann. Das trifft auf mich nur nicht zu. Ich gehe offen mit dem Thema Diabetes um und hoffe, dass ich vielen Mut machen und Hoffnung geben kann damit zu leben und das Beste daraus zu machen. Das System ist zuverlässig und funktioniert gut. Es eignet sich für ein Kleinkind über die Erziehungsberechtigten bis ins hohe Alter wenn man Technikaffin ist. Ich bin happy, dass es diese Entwicklung gibt.

Diabetesjubiläum feiern

Kann ich das jetzt feiern, dass ich seit 10 Jahren unheilbar krank bin? Klar warum sollte ich das nicht feiern können. Die Gründe dafür sind einfach und kann ich aufzählen.

  • Diabetes hat mein Bewusstsein für meine Gesundheit geweckt
  • Diabetes gibt mir die Motivation über mich selbst hinauszuwachsen
  • Diabetes ist ein Teil von mir
  • Tut nicht weh, schränkt nicht ein, ist unsichtbar
  • Motiviert mich andere zu motivieren
  • Ist nicht immer einfach zu handeln, aber ich lerne nie aus
  • Es hätte mich schlimmer treffen können
  • Ich bin dadurch messbar süß, auch wenn mein Name Sauer ist
  • Lieblingssatz: „Ich kanns wegspritzen“ (vielseitig einsetzbarer Satz unabhängig von Diabetes)

Und aus diesen Gründen werde ich meine 10 Jahre mit Diabetes feiern, genießen und immer wieder Revue passieren lassen. Nicht nur ein treuer Begleiter mein Diabetes, auch ein Anker, der mich immer wieder mal auf den Boden der Tatsachen holt wenn ich zu übertriebenen Höhenflüge ansetze.

Die Zukunft

Was die Zukunft mit Diabetes bringt, wird sich zeigen. Es gibt viele Studien und die Forschung stoppt nicht. Es ist ein spannender Bereich der ständig Neues hervorbringt. Ich lasse mich überraschen, was alles noch auf mich zukommt, und werde an weiteren Studien teilnehmen. Meine Motivation andere zu motivieren und zu zeigen, dass Diabetes kein Hindernis ist, ist ungebrochen. Und irgendwann wird es heilbar sein. Da bin ich mir sicher. Und dann wird es spannend. Was mache ich dann ohne Diabetes? Hoffentlich wird mir nicht langweilig wenn ich nicht mehr mitdenken muss beim Essen und Trinken. 😉

Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen. Ich würde mich über das Teilen des Beitrags, Kommentare und Likes dazu fragen. Bis zum nächsten Mal 🙂 

„Ich laufe nicht trotz Diabetes – ich laufe, weil ich es kann. Weil ich will. Und weil ich zeigen will, dass es geht.“ Missy Foy (Ultramarathonläuferin, Typ-1)

Ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Die Frage ist berechtigt. Vor allem habe ich sie mir vor fast 10 Jahren auch schon gestellt. Was ich in der Zwischenzeit schon alles erlebt habe, möchte ich hier mitteilen. Zumindest einen Teil davon.

Unmögliche Dinge mit Diabetes

Als Neuling mit Diabetes wurde ich wirklich oft mit Sachen konfrontiert, die ich vermeintlich nicht mehr darf. Irgendwie wussten alle besser Bescheid als ich, hatten aber genau keine Ahnung. Ich kann nicht mehr Sport treiben, ich könnte unterzuckern umkippen und sterben. Ich darf keine Torte mehr essen, ich könnte umkippen und sterben. Ich darf dieses und jenes nicht mehr… genau, ich könnte umkippen und sterben. Tja da war ich dann mal vorsichtig. So ungefähr 3 Minuten. Das war die Zeit, die ich vom Arzt zu meinem Rad benötigt habe, um zurück ins Büro zu kommen. Dann futterte ich nochmal ordentlich rein und begab mich etwas später ins Krankenhaus (Kurzversion überspitzt dargestellt). Dort wurde mit den Einschulungen gestartet und wenige Tage später durfte ich heim. Alles, was ich aus dem Krankenhaus mitgenommen habe, war. Zwei Wochen nach der Diagnose einen Halbmarathon zu laufen ist möglich, aber nicht sinnvoll.

Was ist dann nicht möglich mit Diabetes? Ich bin so frei eine sicher nicht vollständige Liste zu erstellen was unmöglich ist mit Diabetes. Wenn du Lust hast, kannst du in den Kommentaren gerne deine unmöglichen Diabetesthemen ergänzen. Ich würde mich freuen.

Liste der Unmöglichkeiten

  • Steine essen, konnte ich schon ohne Diabetes nicht. Also nichts neues.
  • Unter Wasser atmen, konnte ich wenig überraschend auch schon davor nicht. Ich bin nicht Aquaman, oder doch? 😉
  • Fliegen wie ein Vogel. Wahnsinn, dass das nicht geht, oder? Kannst du das?
  • Mit dem Kopf nicht nur sprichwörtlich durch die Wand gehen, sondern tatsächlich. Klappt nicht. Ich habs probiert und es endete in einer Platzwunde. Allerdings segelte ich problemlos durch eine Glastür, ohne mich dabei zu verletzen. Lustige Geschichte, aber ein anderes Mal vielleicht.
  • Gift schlucken. Habe ich nicht probiert soll könnte aber tödlich enden.
  • Einen Tisch verspeisen, ganz ehrlich wer würde das wollen?
  • Die Elemente beherrschen und manipulieren wie in Filmen.

Ich bin mir sicher diese Liste lässt sich super ergänzen. Also hau deine Unmöglichkeiten mit Diabetes in die Kommentare.

Was aber wirklich unmöglich ist, ist auf Insulin oder andere Medikamente zu verzichten die verordnet werden. Diese sind lebensnotwendig. Wenn ich mein Insulin absetze, die Pumpe entferne dann ist das eines der Dinge, die mein Leben vorzeitig beenden können. Und ehrlicherweise hänge ich an meinem Leben wie an meiner Pumpe. Dann kommen wir zum dem Teil mit, ist mit Diabetes wirklich alles möglich?

Mögliche Dinge mit Diabetes

Tja vielleicht fragst du dich, was ich getan habe als ich erfuhr, dass der Halbmarathon 2 Wochen nach meiner Diagnose nicht möglich ist? Ich habe gefragt, ob der Marathon 3 Monate später dann möglich ist. Die Antwort war: „In drei Monaten wissen Sie über Diabetes besser Bescheid und was sie tun können als wir.“ Fand ich spannend. Beim Autofahren nach 100.000 km hat man im Straßenverkehr fast alles erlebt, was es so gibt. Und dafür habe ich Jahre benötigt. Ich denke mal, der Arzt hat das sportlich betrachtet gekürzt, um mir Mut zu machen. Er hat seinen Part damit ausgezeichnet erfüllt. Mein sportlicher Ehrgeiz war geweckt und ich war drauf und dran mein Diabetesmonster zu zähmen. So sehr, dass ich aufs Trainieren vergas. Das war der erste und einzige Marathon, den ich abgebrochen habe. Nicht des Diabetes wegen, weil ich eine faule Sa* war.

Von da an gings aber so bergauf, dass ich begonnen habe, einfach alles auszuprobieren wo andere sagten das ist unmöglich mit Diabetes. An dieser Stelle möchte ich dich auch gleich bitten die Liste in den Kommentaren zu ergänzen. Ich habe sicher nicht alles ausprobiert, was mit Diabetes möglich ist. Aber das ist meine Liste von Dingen, die ich probiert habe oder von denen ich weiß, dass sie möglich sind.

Liste der Möglichkeiten

Um ehrlich zu sein gibt es glaube ich nur sehr wenig, was mit Diabetes nicht funktioniert. Also könnte ich die Liste kurzhalten und schreiben, mit Diabetes ist alles möglich! Weil ich aber eine Liste versprochen habe, folgt sie nun.

  • Einen Marathon laufen, das sind 42,195 km.
  • 2 Marathons in 7 Tagen laufen.
  • 4 Marathons in vier Wochen laufen, ja ich habs gemacht. Im gleichen Jahr wie das mit den 2 Marathons in 7 Tagen.
  • Einen Ultramarathon laufen, die beginnen bei 50 km und mehr.
  • Mehr als 75 km laufen.
  • 9 Marathons in 9 aufeinander folgenden Tagen laufen.
  • 10 Cordon Bleus in 10 aufeinander folgenden Tagen essen.
  • Einen Marathon als Maskottchen laufen, habe ich Maskottathon genannt.
  • Oma sagen, dass ich Gurken und Tomaten nicht mehr essen darf. Ich mag sie nicht, aber Oma merkt sich das nicht und damit habe ich das Problem gelöst.
  • Party machen als gäbe es kein morgen.
  • Sex, Drugs & Diabetes
  • (Männer)Grippe überleben.
  • Jede Menge Blödsinn erzählen.
  • Ausgesprochen süß sein. Sogar messbar anhand von Sensorwerten.
  • Und noch viel mehr.

Und nochmal weise ich darauf hin, erweitere die Liste und poste deine Liste der (Un)Möglichkeiten doch in die Kommentare. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Heute lass ich es mal kürzer sein. Die Liste(n) werden bestimmt lange genug. Wie immer freue ich mich über Likes, Kommentare oder wenn der Beitrag geteilt wird 🙂 Nehmen gemeinsam Diabetes ein wenig den Schrecken, zähmen das Diabetesmonster und zeigen allen in der großen weiten Welt das mit Diabetes alles möglich ist. Denn wenn ich es kann, dann kannst du es schon lange. 🙂

Alles ist möglich, bis seine Unmöglichkeit bewiesen wurde.

Pearl S. Buck

Run 30 Rome the Marathon

Run 30 Rome the Marathon

Run 30 Rome the Marathon hieß es dieses Wochenende am 16.03.2025. Wie schon im Vorjahr sind wir auch dieses Jahr gekommen um den Marathon zu rocken. Doch es kam dann ein wenig anders als geplant.

Die Vorbereitung

Meine Vorbereitung hat schon vor unserer Rom Reise mit einer Dienstreise nach Frankreich(Lyon) begonnen. Und meine Vorbereitung war generell suboptimal. Beginnend mit dem Sevilla Marathon bei dem der Erfolg des ersten Marathons von Marko ordentlich begossen wurde, waren die Wochen davor eher von Party als von Disziplin geprägt. Auf meiner Dienstreise hielt ich mich auch nicht mit ausgelassener Stimmung und einer nicht Marathon tauglichen Ernährung zurück. Wie das so ist, irgendwann bekommt jeder die Rechnung präsentiert.

In Rom angekommen wurde ich nicht nur von meinen Reisebuddies freundlich in Empfang genommen, wir haben auch sofort auf die Reise angestoßen. Nach ein bisschen Sightseeing begleitet von regelmäßigen Trinkpausen gingen wir zum Abendessen und ließen den ersten Abend noch eskalieren.

Der Tag vor dem Marathon war zwar gemütlicher was das Feiern anbelangt aber ideal ist anders. Die Stimmung war gut und so manch einer war auch nervös vor seinem ersten Marathon. Bereits beim Abendessen verspürte ich Schmerzen in meinen Knie und Sprunggelenken. Diese Schmerzen wurden in der Nacht fast unerträglich. Nach der nächtlichen Gabe von Seractil wurde es etwas besser. Mein Schlaf war nicht sehr erholsam. Wie dem auch sei, was muss das muss und so ging es an den Start. Rechtzeitig davor stellte sich noch Bauchweh ein. Bis auf 1-2 Ausnahmen waren aber alle topfit und nur etwas mehr oder weniger nervös.

Der Marathon

Der Marathon selbst ist dann wie immer ein Erlebnis. Dieses Mal war es eine Überraschungsei. Ich wusste nicht was passieren wird und ob ich nicht doch aufgeben muss. Doch dann fiel der Startschuss und es ging los. Motiviert und voller Adrenalin waren bei mir erstmal keine Schmerzen zu spüren. Das Bauchweh wurde allerdings schlimmer. Bei allen anderen lief es gut. Keine Beschwerden.

Nach ein paar Kilometern trennte sich unsere Gruppe in Anna Lena als flotte Läuferin und erkundete die Strecke. Manuel, Arnold, Michi, Sebi und ich räumten das Feld von hinten auf. Für Anna Lena und Sebi war es der erste Marathon. Somit war das Ziel für beide klar. Durchkommen und Spaß haben. Was bei Anna Lena gut funktionierte stellte sich bei Sebi als schwereres Unterfangen dar. Seine Vorbereitung war gut und er war bereit. Ein Marathon schreibt allerdings seine eigenen Regeln.

Anna Lena

Anna Lena hat sich am Donnerstag vor dem Marathon spontan dazu entschieden mit nach Rom zu kommen und den Marathon zu laufen. Bis 21,1 km ist sie bisher gelaufen. Gezielt trainiert hat sie für den Marathon aber nicht. Also ebenso ein Überraschungsei für sie. Es ging ihr sehr gut und sie kam gleich in den Flow der sie durch Rom trug. Ab km 24 wurde sie durch Manu unterstützt der die Gruppe der Nachzügler dafür verlassen musste. Bis km 30 problemlos dann musste sie ein wenig spazieren. Bis auf so Kleinigkeiten rockte sie den Marathon und kam gut und happy ins Ziel. Zwar mit einigen Blasen an den Beinen, aber glücklich und gesund.

Sebi

Bei Sebi war es etwas anders. Er bekam relativ früh im Rennen Kopfweh. Der Versuch mit Seractil das Problem zu lösen war vergebens. Leider war es für ihn zwischendurch so heftig, dass wir von einem Run auf einen Powerwalk umstellten. Mit gutem Zuspruch unsererseits und blöden Witzen hat er Biss bewiesen und den Marathon fertig gemacht. Auch wenn er seine gewünschte Zielzeit versäumt hat, hat er seinen ersten Marathon erledigt und ist bereit für mehr. Der nächste wird kommen. Und er wird ihn wieder meistern.

Der Rest von uns

Beim Rest von uns bleibt nur mehr zu sagen, dass es alle geschafft haben. Für Manu der voriges Jahr seinen ersten Marathon hier in Rom gemacht hat war es schön zurück zukommen und andere Runningbuddys zu supporten. Er hatte einen fetten Dauergrinser und hat den Marathon mit Leichtigkeit gemeistert.

Per Arnold war es bereits auch der dritte Marathon. Er meinte zwar, dass die Dauer anstrengend ist aber ansonsten ging es ihm gut. Dasselbe kann man von Michi sagen. Er lief auch vor einem Jahr in Rom seinen erste. Marathon. Seine Vorbereitung war wie meine suboptimal was sicher an mir liegt.

Für mich war es wohl einer der blöderen Marathons. Die Gelenksschmerzen kamen und gingen wieder und waren zwischendurch äußerst unangenehm. Mein Bauchweh war ständiger Begleiter und gipfelte in Durchfall. Auch etwas was sich niemand wünscht beim Marathon. Egal, Erfahrung gesammelt, Arzttermin ausgemacht und weiter geht’s. Trotz den widrigen Bedingungen für mich war mein Blutzucker stabil und ziemlich perfekt sogar. Für einen Marathon der eigentlich beschissen lief bin ich damit sehr zufrieden.

Die Marathon Eindrücke

Bei einem Marathon gibt es viel zu sehen. Besonders in Rom der ewigen Stadt. So viele Sehenswürdigkeiten an denen man vorbeiläuft. So viele Zuseher die einen anfeuern. So viel Wasser, Obst und Kekse die es gibt. Doch genau so viele Dixi Klos die man nicht sehen will aber dennoch sehen muss. Bei so manchem Heisl war ich ekelig überrascht dennoch beeindruckt. Und zwar beeindruckt davon wie weit man die Schüssel verfehlen kann. Wie bunt so ein Haufen sein kann. Wie viel Spannung man in den Oberschenkel aufbauen und halten kann um nichts zu berühren und sich einzusauen. Das man schnell mal bei einem Mc Donalds aufs Klo geht oder eine öffentliche Toilette besucht um etwas Komfort und Hygiene zu erhalten. Eine Erfahrung die sich einige von uns sicher gerne gespart hätten.

Alles in allem war es ein gelungener Lauf. Wie es aussieht nehmen wir ihn fix in den Laufkalender auf und werden sicher wieder mal vorbeikommen.

Die Nachbereitung

Bei unseren beiden Marathonjungfrauen sieht man die Spuren des Gladiatorenkampfes beim Marathon. Das Gangbild ist noch etwas instabil und etwas langsam. Die eine oder andere blutige Blase schmerzt beim Gehen. Vom Muskelkater brauchen wir gar nicht zu sprechen. Dennoch haben sie ein Lächeln im Gesicht und man sieht es ihnen an. Es war geil dabei zu sein und es geschafft zu haben. Sie haben es gerockt. Wer weiß wie viele Marathons noch von ihnen absolviert werden. Ich glaube nicht, dass es der letzte war. Ich freue mich auf viele weitere.

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Nicht alle Superhelden tragen einen Umhang …

Nicht alle Superhelden tragen einen Umhang …

… manche tragen auch einen Bademantel oder sind eine Bierflasche. Egal welches Kostüm sie verbreiten Freude. Das ist zumindest mein Grund warum ich das mache.

Ich laufe im Kostüm weil, …

… es mir Freude bereitet. Und nicht nur das. Ich bin auch der Meinung, dass ich anderen damit ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Es geht mir darum Freude zu verbreiten und selbst Spaß zu haben. Das gelingt mir so gut wie immer. Ok manchmal ist es sehr anstrengend und bringt mich nahe an meine Grenzen. Trotzdem mache ich es gerne. Es ist schön zu sehen, wenn sich andere darüber freuen, dass es einen „Verrückten“ gibt, der im Kostüm an Wettbewerben teilnimmt. Dadurch, dass ich in Verkleidung teilnehme, ist klar, dass ich keine Bestzeiten oder Rekorde aufstelle. Ich werde auch nicht aufs Podest laufen oder unter die Besten kommen. Und ganz ehrlich? Das will ich auch gar nicht. Ich nehme an Bewerben teil, weil ich das für mich mache und ich Freude an der Bewegung habe. Mir reicht ein Wettbewerb im Jahr, bei dem ich Gas gebe.

Dieser Vollgaswettbewerb ist dann mein persönliches Highlight. Aber nur aus sportlicher Sicht. Den da rufe ich ab wofür ich trainiere. Ich versuche auf der ganzen Strecke mit einem Lächeln im Gesicht durchzukommen. Das fällt mir tatsächlich schwer. Hier bin ich an meiner Grenze oder darüber. Mein ganzer Körper ist in voller Leistungsbereitschaft und muss am Tag X alle Reserven und Kräfte mobilisieren damit ich meine persönliche Bestleistung abrufen kann. Das ist auch der einzige Tag im Jahr der mir während der Veranstaltung weniger Spaß macht. Erst im Ziel stellen sich meine Glücksgefühle ein und ich bin happy, dass es vorbei ist. Stolz bin ich jedes Mal auf meine Leistung. Und nicht nur auf meine eigene Leistung, sondern auch auf die Leistungen aller Teilnehmer. Denn das bedeutet sie haben etwas geschafft und bekommen eine Medaille. Damit haben sie auch eine Erinnerung an diesen schönen Tag.

Andere zu motivieren bedeutet …

… für mich sie mitzureißen. Egal ob ich als „Bodewaschl“ Mitch Buchannon, Bierflasche, im Bademantel, als Zitrone, Flash oder sonst wie laufe. Selbst wenn ich ohne Verkleidung in normaler Sportkleidung unterwegs bin, versuche ich andere zu motivieren. Ich gehe sogar so weit, dass ich meinen Traubenzucker austeile, wenn den jemand dringender benötigt als ich. Mir macht es Spaß bzw. Freude andere zu unterstützen. Ja vielleicht kann ich sie sogar zu ihren sportlichen Bestleistungen bringen. Ich bin sogar bereit den Besenwagen zu spielen und als letzter ins Ziel zu kommen, wenn ich damit jemanden die Freude machen kann, nicht letzter geworden zu sein. Ich mach das nicht für andere ich mach das für mich. Und wenn ich Freude damit habe, dann kann ich Freude verbreiten und andere damit anstecken. Ein gutes Gefühl ist das.

Mein Antrieb andere zu motivieren, motiviert mich selbst. Ich fühle mich leicht und unbesiegbar. Selbst wenn ich nicht so schnell laufe, wie ich könnte. Wenn ich also schon langsam unterwegs bin, dann kann ich auch Kostüme anziehen. Sie stören beim Laufen, bremsen mich und bringen mich extrem zum Schwitzen. Abgesehen davon sind manche unbequem und reiben. Diese Scheuerstellen kann ich vorab selten ausmachen. Ich spüre sie dafür, wenn sie auftreten und habe dann auch länger ein Andenken an die Veranstaltung. Meine „schlimmste“ Kostüm Verletzung war die Teilnahme an einem Hindernislauf im Bademantel. Ich glaube dabei habe ich meine Nippel abgeschliffen. Der Cranberry rote Bademantel wurde an meiner Brust dunkelrot. Es hat gebrannt als hätte ich mir 2 heiße Kohlenstücke auf meinen Brustwarzen ausgedämpft. Das war weder geil noch sexy. Das Einzige, was es war, es war für alle anderen saulustig. Ich habe daraus gelernt.

Wenn ich mal keine Motivation habe …

… dann denke ich an die vielen schönen Momente, die ich schon erlebt habe. An die vielen lachenden Gesichter auf und entlang der Strecke. Ich denke an die vielen Geschichten, die ich schon erlebt habe. Die Möglichkeiten die sich mir durch meine Art und meinen Sinn für das Außergewöhnliche schon ergeben haben. Ich bin dankbar, dass es mir gut geht und ich laufen kann. Vor allem dafür, dass ich mit meiner offenen Art viel erleben darf und andere mitreißen kann. Das finde ich besonders schön. Was ich auch immer lustig und schön finde, ist wenn ich angesprochen und um ein Foto gebeten werde. Sogar mitten auf der Strecke während des Laufes. Normal bleibt keiner der Teilnehmer für ein Foto stehen. Immerhin geht es darum in seiner eigenen Bestzeit das Ziel zu erreichen. Für mich gilt das nicht. Für mich gilt dann Fotosession.

Nicht nur einmal sondern schon einige Male wurde ich so Teil einer Polterrunde. Für ein Foto mit den Damen der Runde und für einen Jägermeister oder Klopfer hat es dann auch immer gereicht. Einmal war es Tequila. Der ging mir fast postwendend nochmal durch den Kopf. So habe ich gelernt, dass Tequila während einem Lauf wirklich keine gute Idee ist. Oder ich habe mich motiviert in dem ich mit einem Eis in der Hand und als Zitrone verkleidet den Schloßberg in Graz hinaufspaziert bin. Und von diesen kurzen Anekdoten könnte ich jedes Mal einen eigenen Beitrag schreiben. Einer lustiger als der andere. Zumindest für mich. Und eines ist auch sicher. Jedes Mal, wenn ich verkleidet bin und an einem Bewerb teilnehme, werde ich auf die Getränke eingeladen. Ein weiterer Motivationsgrund für mich.

Besonders motivierend ist mein Diabetes. Das mag komisch klingen, aber es ist so. Ich habe es selbst in der Hand, ob es mir gut geht oder nicht. Je genauer ich darauf achte desto besser geht es mir. Und auch hier muss ich sagen, dass ich in den letzten Jahren häufig gefragt wurde, wie ich so viel Sport machen kann und das mit dem Diabetes unter einen Hut bzw. Kostüm bekomme. Ich weiß nicht, wie ich das wirklich mache. Ich tu es einfach. Zu Beginn musste ich viel probieren und auf die Schnauze fallen, aber mittlerweile ist das für mich wie Zähneputzen. Es gehört so sehr zu meinem Alltag, dass ich es vermutlich sogar vermissen würde, wenn ich morgen geheilt wäre. Dann fehlt mir eine besondere Challenge. Meine süße Challenge. Und das motivierende an der Sache, ich kann anderen mit Diabetes zeigen, dass fast alles mit Diabetes möglich ist.

Die nächsten Kostüme …

… weiß ich noch nicht. Das wird sich schon ergeben. Vorerst werde ich meinen Fundus weiterverwenden bis es die Kostüme zerlegt und sie unbrauchbar werden. Ich habe mich aber auch bei dem einen oder anderen Veranstalter gemeldet, um ihnen zu sagen, wenn sie mal jemanden benötigen der in das Kostüms ihres Maskottchens schlüpft können sie sich melden. Dann bin ich ihr Mann. Die Witzfigur, die in ein Kostüm springt und versucht die Massen zu unterhalten. Und das so lange bis die Veranstaltung vorbei ist oder ich vor Erschöpfung ausgetauscht werden muss. Das ist ein sehr langer Zeitraum. Bisher ist das noch nicht passiert. Und mein längster Einsatz war zwei Tage beim Graz Marathon plus den Maskottathon zu laufen. Es braucht also schon wirklich viel, um mich zu knacken. Vielleicht laufe ich noch als unknackbare Nuß. Harte Schale und weicher Kern sozusagen.

Wenn du also das nächste Mal ein Maskottchen siehst oder jemanden der verkleidet an dir vorbeiläuft ruf doch nach. Wenn ich es bin, hast du gute Chancen, dass ich stehen bleibe und ich ein Foto mit dir mache. Ich habe mein Smartphone immer dabei. Ich brauche es ja auch um meinen Diabetes zu überwachen und kontrollieren.

Was motiviert dich? Was treibt dich an? Hast du auch so verrückte Ideen oder Auftritte wie ich? Egal was dich antreibt, behalte es dir bei und bleib mit Freude dran. Ich bin mir sicher so kannst du auch andere mitreißen und motivieren.

Ich würde mich freuen, wenn du den Beitrag likest, teilst oder kommentierst. Das motiviert mich natürlich auch 😉

Bis bald und bleib motiviert.

Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt? (Johann Wolfgang v. Goethe, dt. Dichter)