von Mauzi | Sep. 16, 2025 | Beiträge mit Diabetes, Veranstaltungsbeiträge
So schnell ist eine Woche vorbei und der Transalpine Run 2025 ist Geschichte. Was war das für eine schöne Woche. Voller Höhen und glücklicherweise mit wenig Tiefen. Auch wenn ich euch immer wieder Einblicke in den Lauf und den Alltag gegeben habe, möchte ich es hier nochmals machen. Ich möchte nicht nur Einblicke geben, sondern dich auch fragen, ob du konkrete Fragen hast. Wie war es mental? Welche Tricks habe ich angewendet. Körperlich, mit meinem Diabetesmanagement usw. Lass einfach einen Kommentar hier. Heute gibt es den Breicht der 7 Tage, das Blutzuckermanagement und meine mentalen Tricks folgen in den nächsten Tagen/Wochen.
Viel Spaß beim Lesen meiner Eindrücke.
Die Vorbereitung
Meine Vorbereitung für den TAR2025 lief bis Juni ganz gut und dann gar nicht mehr. Ich habe immer wieder mal mein Schienbein gespürt und deswegen auch den Trainingsumfang verringert. Nachdem ich aber einige Veranstaltungen am Plan hatte, bin ich diese auch gelaufen. Irgendwann war es dann gänzlich zu viel und ich musste eine längere Pause einlegen. 3 Wochen habe ich nichts getan. Kein spazieren oder laufen. Nur Oberkörperkrafttraining habe ich gemacht. Insgesamt dauerte die Pause 12 Wochen. Ich habe mir nur ein Rennrad gekauft. Damit habe ich meine Ausdauer weitertrainieren und vielleicht auch noch verbessern können. Das Radfahren funktionierte ausgezeichnet und so war ich positiv gestimmt, dass auch der Transalpine Run eine eher mentale Herausforderung wird und die Ausdauer vorhanden ist. Ich wusste es aber bis zum Start nicht. Daher war ich seit langem wieder mal nervös vor einem Wettbewerb.
Zur weiteren Vorbereitung zählte Mentaltraining. Ich habe eine Ausbildung als Mentaltrainer abgeschlossen und einige Bücher speziell für Sportler gelesen. Das half mir mich auf den Lauf vorzubereiten. Ich visualisierte immer wieder, dass ich den Lauf schmerzfrei mit einem stabilen Blutzuckermanagement bestreiten werde. Bei jedem Wetter, mit Muskelkater, mit zwicken in den Gelenken. Jede Möglichkeit, die mir einfiel, habe ich versucht zu visualisieren und zu erleben. Ich habe nicht den perfekten Lauf geplant oder mir vorgestellt. Schlechtes Wetter und Probleme habe ich ebenso mit in das Mentaltraining genommen. Jede Eventualität, welche mir eingefallen ist, habe ich eingebaut. Mir war es wichtig so gut es geht vorbereitet zu sein. Damit konnte ich etwas entspannter bleiben. Dadurch habe ich auch sicher besser geschlafen die Tage davor. Falls du dich fragst ob es funktioniert hat, ja das hat es. Sehr gut sogar. Die Zeit, die mir durch das Laufverbot gegeben wurde nutzte ich dafür.
TAR25 der Lauf
Das Team
Ich trat im Team Mylife Runners an. Das Team bestand aus meinem langjährigen Freund Peter und mir. Mit Peter bin ich meinen ersten Marathon gemeinsam gelaufen und seitdem laufen wir immer wieder gemeinsam. Mehr oder weniger verrückte Veranstaltungen. Mehr oder weniger zum Gefallen von Peters Partnerin. Danke Heidi, dass du ihn hin und wieder für unsere Läufe herborgst 😉
Tag 1
Die letzten Sekunden werden heruntergezählt. 3.. 2.. 1.. STARTSCHUSS! Und 1000 Läufer setzten sich von Lech am Arlberg nach Bludenz in Bewegung. Die erste Etappe 39 km mit 2.300 Höhenmeter bergauf und 2.500 bergab. Es wären mehr gewesen, aber auf Grund von Regen und Schneefällen am Vortag musste die erste Etappe geändert werden. Das Ziel war klar. In den ersten beiden Tagen sich nicht abzuschießen. Also eher hinten im Feld starten und gemütlich den ersten Anstieg meistern. Bei den Downhillpassagen aufpassen und ebenso zurückhaltend bleiben. Zeit an die 7-8 Stunden laufen dann regenerieren. Der erste Tag lief bereits super. Unsere Zurückhaltung zu Beginn eskalierte bei den anspruchsvollen Downhills in puren Wahnsinn und wir liefen viel schneller als geplant. Nach knapp 6:40 Stunden waren wir im Ziel. Glücklich den ersten Tag überlebt zu haben und voller Vorfreude auf Tag 2. Ich spürte bereits meine Beine.
Tag 2
Der Startschuss fiel zum zweiten Mal und wir machten uns wieder auf den Weg. Von Bludenz nach Brand mit ein paar kleinen Umwegen im Hinterland. Anders wären wir aber auch nicht auf die Knapp 34 km mit über 2.000 Höhenmeter rauf und runter gekommen. Die Strecke startete durch die Stadt und über Asphalt 4 km bis zum Eingang in eine Klamm. Dort entstand bereits ein langer Stau und wir bereiteten uns schon auf den Aufstieg vor. Von dort weg ging es eigentlich nur mehr bergauf bis zum höchsten Punkt auf 1900 m Seehöhe. Vom höchsten Punkt ging es nach unten. Wieder mit einem Höllentempo krachten wir ins Tal. Wir konnten einige Leute überholen und vor allem am letzten Stück bergab gab es kein Halten mehr. Kurzerhand hab ich mich unfreiwillig auf meine 4 Buchstaben gesetzt. Nichts passiert, ab ins Ziel und regenerieren.
Tag 3 Königsetappe
Es stand die Königsetappe an. 49 km und über 3.400 Höhenmeter rauf nur 3.100 nach unten. Als hätten die ersten beiden Tage mit gesamt 72 km und über 4.000 Höhenmeter nicht schon ausgereicht. Ein Knall und das Starterfeld lief los. Wir spürten unsere Beine und mussten erst unser Tempo finden. Nach 2-3 km einlaufen waren wir wieder in unserem Renntempo und kamen gut voran. Bergauf waren wir flott aber nicht am Limit unterwegs. Das änderte sich als es wieder bergab ging. Beim ersten Downhill überholten wir gefühlt das ganze Starterfeld. Beim Gegenanstieg hatten wir dann wieder mehr Zeit und reduzierten das Tempo erneut. Wir hielten sogar kurz an. Ich führte Ketonmessungen durch und pfiff mir puren Zucker ins Kleinhirn. Nach 2-3 Minuten im Gehtempo bergab rief ich zu Peter „Ok, ready to rumble!“ Die Handbremse wurde gelöst und wir donnerten ins Tal. Geplante Zielzeit 10 h, Ankunft nach 8:26 h.
Tag 4 Bergsprint
Der Bergsprint gilt als „Erholungstag“. Grund dafür ist, dass es nur 9,4 km mit 1.300 Höhenmeter bergauf geht. Und es wäre auch wirklich ein Tag zum Erholen gewesen, wenn da nicht Regenwetter den Tag getrübt hätte. Der Start wurde immer früher angelegt damit möglichst alle trocken ins Ziel kommen. Leider hatte das Wetter die Idee auch früher mit dem Regen zu beginnen und es so lange regnen zu lassen bis auch der Letzte im Ziel war. Wir starteten gemütlich, ab der Hälfte der Strecke wurde es mir zu kalt und ich erhöhte das Tempo. Ich sah nicht mal zu Peter zurück, ich wusste er ist fitter als ich und bleibt dran. Bergauf ist nicht unsere Königsdisziplin aber die geplante Zielzeit von 2 h unterschritten wir dennoch. Zielzeit 1:42. IM Ziel sofort umziehen, ab in die Gondel, duschen umziehen, essen gehen, Massage und Powernap. Ruhetag eben.
Tag 5 verkürzte Etappe
Die Etappe musste aufgrund des Wetters deutlich verkürzt werden. Damit ergab sich ein zweiter Tag zum Erholen. Nur 15 km mit 750 Höhenmeter waren zu bewältigen. Zum Start musste man aber 2,5 km hinwandern. Der Start erfolgte fliegend. Sobald man ankam, lief man los. 3 h durften benötigt werden. Wir hatten wieder 2 h am Plan. Peter war besser drauf und ließ mich erst bergauf schnaufen und bergab sogar stehen. Die Folge er musste im Tal warten. Dann kam eine flache Passage auf Asphalt. Mag ich normalerweise. Bei Regen und nach 130 km in den Beinen mit über 8.000 Höhenmeter hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen. Die einzige Verpflegungsstation ließen wir aus und rannten weiter ins Ziel. Mein Handy entschied sich komplett zu sperren. Ich hatte keine Messwerte und durfte blind auf meinen Zucker vertrauen. Hat geklappt und nach 1:41 h waren wir komplett durchnässt im Ziel.
Tag 6
Ich dachte die Strecke wird auf Grund des Wetters der letzten Tage sicher wieder verkürzt. Falsch gedacht. Es waren 34 km und der höchste Punkt war auf knapp 2.700 m Seehöhe. Da ist die Luft schon ganz schön dünn. Der Start war in Zernez und es ging nach Scoul. Die ersten 2 km waren auf der gesperrten Bundesstraße, bevor es über einen Singletrail zum höchsten Punkt ging. Kurz vor dem Gipfel klingelte mein Telefon. Thunderstruck war zu hören gefolgt von einem, „Seas Andi bin im Urlaub. Spaziere gerade a bissl durch die Schweiz. Bin nächste Woche wieder da.“ Ich entschuldigte mich bei den restlichen Teilnehmern in meinem Umfeld, dass ich noch telefonieren konnte, während sie um Luft ringen musste. Einige kostete es ein Lachen. Am höchsten Punkt angekommen ließen wir es wieder krachen. 2 mal noch rauf und wieder runter und wir waren im Ziel. Geplant 6h Ziel 5:26h. Meine Schienbeine hatten aber gelitten. Ordentlich!
Tag 7 Das Finale
Der letzte Tag war vom Aufstehen weg mühsam. Meine Schienbeine schmerzten ordentlich. Es tat richtig weh. Mein Ziel war es ins Ziel zu kommen. Irgendwie. Wir gingen an den Start und platzierten uns weit hinten. Die Luft war erst mal draußen. Keine Zielzeit mehr geplant. Nur vor dem Zeitlimit ins Ziel kommen. Es gab nur einen großen Anstieg. Gleich zu Beginn. 10 km 1.800 m nach oben auf knapp 3.000 m Seehöhe. Knapp innerhalb des Zeitlimits erledigt. Der Downhill war die pure Qual. Peter und ich stellten uns auf einen langen Tag ein. Nach dem ultralangsamen Downhill beschloss ich am kurzen Anstieg eine Schmerztablette zu nehmen. Würde ich sonst nie machen, aber nach 200 km durch die Alpen beende ich nicht freiwillig das Rennen. Verpflegungsstation 2 immer noch im Zeitlimit. Die Tablette wirkt. Langsam konnten wir wieder Tempo aufnehmen und sogar laufen. Es sah zwar aus als hätte mich jemand angefahren, aber ich konnte laufen.
Während des Rennens dachten wir, dass wir eine der letzten sein werden, die ins Ziel kommen. Allerdings ging es mir dann zunehmend besser und wir wurden wieder schneller. Die Schmerzen wurden wieder erträglich. Laufen war wieder möglich. Das stimmte uns glücklich und wir kamen dem Ziel rasch näher. Nach 7:15 h waren wir im Ziel. Nach 7 Tagesetappen hatten wir eine Zielzeit 37:58:17,0 h für 223 km und 13.200 Höhenmeter benötigt. Wir beide sind glücklich es geschafft zu haben. Auch wenn es zwischendurch anstrengend war konnten wir viel mitnehmen, lernen, sehen und erleben. Ein unvergessliches Erlebnis.
Danke
An dieser Stelle möchte ich danke an alle sagen die uns unterstützt haben. Allen voran Mylife Diabetescare. Sie haben unser Startgeld beglichen und so unser Erlebnis erst möglich gemacht. Danke an Peter, dass er sich der Herausforderung gestellt und diese gemeinsam mit mir gemeistert hat. Ebenso ein Dankeschön an meine Familie, die mich aus der Ferne unterstützt haben. Danke auch an Othmar Moser. Das Blutzuckermanagement wurde durch ihn überwacht und er stand mit seiner Expertise erfolgreich zur Seite. Danke auch an die Organisatoren, die so ein Event veranstalten und es unvergesslich machen. Und danke auch an meinen Physiotherapeuten Peter, er hatte rasch Zeit sich mein Schienbein anzusehen, mich zum richtigen Arzt (auch ein Peter😉 ) zu schicken und das Training anzupassen. Und ein weiterer Dank geht an Christian Almer von der Sportmed Graz. Bis zu meiner Verletzung konnte ich erfolgreich nach seinem Plan trainieren und mich vorbereiten.
Das war der TAR
Das war der Transalpine Run 2025. Ein Erlebnis, welches mir sicher in Erinnerung bleibt. Ich hoffe, du hattest beim Lesen so eine Freude wie ich beim Laufen. Wie versprochen werde ich in den nächsten Tagen und Wochen noch ausführlicher über mein Blutzuckermanagement, mein mentales Training und Herausforderung sowie auf die Fragen von euch eingehen. Ich freue mich schon davon zu berichten und von dir zu hören. Schreib doch in die Kommentare was dich besonders interessiert. Teile den Beitrag und lass doch ein Like da. Und falls du noch andere Projekte nachlesen möchtest bist du hier richtig. Bis bald!
von Mauzi | Juni 17, 2025 | Beiträge mit Diabetes, Beiträge ohne Diabetes
Ich bin mir sicher, dass viele wissen was ein unzertrennbares Band ist. Für uns ist dieses unzertrennbare Band der 17.06. Für viele ist dasein normaler Tag. Für uns ist es mehr als ein „normaler“ Tag. Es ist ein ganz besonderer Tag. Für uns ist es ein Tag der unser Leben für immer verändert hat.
Ein unzertrennbares Band
Mein 17.06
Am 17.06.2015 begab ich mich zu meinem Hausarzt. Mir gings nicht gut und ich hatte einen Verdacht was los ist. Ich schilderte ihm kurz meine Geschichte und wenige Momente später erhielt ich die Diagnose Diabetes Typ1 habe. Typ1 bedeutet so viel wie, ich bin auf das zuführen externen Insulins angewiesen. Das ist nicht der „schlimme“ oder der „so wild hast du es“ Typ. Es ist der Typ, bei dem mein Körper einfach beschlossen hat, kein Insulin mehr zu produzieren. Du kannst das so sehen wie, wenn dein Körper beschließt den Lungen zu sagen sie sollen aufhören Luft zu pumpen. Na, wie schlimm ist das? Ziemlich endlich, oder? Diabetes ist nicht so tragisch. Damit kann ich gut leben. Wie gut kannst du hier nachlesen. Ich habe den Typ übrigens nicht ausgesucht oder bekommen, weil ich zu viel Süßes gegessen habe. Das passiert einfach. Warum? Das weiß aktuell noch niemand ganz genau.
Es ist aber auch egal woher es kommt und warum es nicht mehr weggeht. Es ist gekommen und zu bleiben. Die Frage ist nur, was ich daraus mache bzw. bereits gemacht habe. Meiner Meinung nach habe ich das Beste daraus gemacht. Mir geht es gut, ich habe meinen Spaß am Leben und würde meinen, dass ich ganz gut beweisen kann, dass Diabetes kein Hindernis darstellt. Zugegeben es bremst mich manchmal aus, aber ich kann es auch wunderbar als Grund verwenden, wenn ich mal keinen Bock auf etwas haben. Wer es nicht selber hat und sich damit nicht auskennt, muss mir einfach glauben, dass es mir nicht gut geht. Punkt für mich und Diabetes. Weil ich meine Diagnose Diabetes aber in einem anderen Beitrag behandle, möchte ich direkt zum nächsten Thema kommen. Nämlich Michis Unfall.
Michis 17.06
Am 17.06.2017 starteten wir in unserem Urlaub mit Freunden eine weitere Motorradtour. Geplant war es in Südtirol ein paar Bergpässe abzufahren, irgendwo Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen und am Abend gemütlich im Hotel ein Bierchen zu trinken und gemeinsam zu essen. Wir fuhren also nach dem Frühstück los und passierten die Grenze. In einem Örtchen bei einer Ampel meldete sich meine Insulinpumpe mit einem Batteriealarm. Die Batterie wird in den nächsten 12 Stunden leer werden. Ein Grund umzudrehen, allerdings wussten wir, dass wir sicher davor wieder im Hotel sind. Dort gibt es eine neue Batterie. Anstatt umzudrehen, setzten wir unsere Tour fort. Irgendwann zu Mittag tauschten Michi und ich das Motorrad. Michi wollte eine Probefahrt machen, weil er sich überlegt hat das gleiche Motorrad zu kaufen. Ich erklärte ihm alles und das er vorsichtig sein muss. Er fuhr schon ein paar Jahre und hatte genug Erfahrung.
Nachdem wir in einer Gruppe unterwegs waren, fuhren wir sowieso gesittet und hielten uns auch an die StVo. Auf den Bergpässen galt allerdings, jeder fährt so schnell wie er will (im gesetzlichen Rahmen natürlich) Auch daran hat sich jeder brav gehalten. Wir kamen zu einem Pass und Michi hatte freie Fahrt. Er fuhr als erste Person und führte die Gruppe an. Es waren viele schöne Kurven die richtig Spaß gemacht haben. Wir waren voller Freude und genossen die Fahrt. Doch dann geschah das Unglück. In einer Kurve passierte ein Fehler, er kam auf die Gegenfahrbahn und krachte in die Leitschiene. Sein linkes Bein war der Puffer zwischen ihm und der Leitschiene. Durch den Aufprall wurde er vom Motorrad geschleudert und nahm Flugstunden. Seine Bruchlandung endete ebenso in der Leitschiene. Unser älterer Bruder, der direkt hinter ihm war, sah den Unfall. Dann kam unser Freund Armin und danach ich.
Der Unfall
Von da an läuft alles ab wie ein Film. Wir sprangen von unseren Motorrädern und liefen zu Michi. Er hat geschrien. Aber nicht vor Schmerzen wie er sofort selbst sagte, sondern um uns zu signalisieren, dass er bei Bewusstsein ist. Sofort setzten wir einen Notruf ab. Wir wussten nicht sofort, wo wir waren. Glücklicherweise kamen Einheimische vorbei. Denen gab ich mein Telefon und machte ihnen mit Händen und Füßen verständlich, dass sie einen Hubschrauber anfordern sollen. Sekunden wurden zu Stunden. Ich sah Michis Bein. Nicht nur sein Bein. Auch seine inneren Werte ragten durch die Ledermontur weiß-rötlich in der Sonne schimmernd heraus. „Scheiße“ schoss es mir durch den Kopf. Michi sah meinen Blick. „Ist es schlimm?“ „Nein geht schon.“ Meinte ich und musste schlucken. „Lüg mich nicht an.“ „Naja sexy ist es nicht.“ Und dann waren wir beschäftigt Schatten für ihn zu machen und auf die Rettung zu warten.
Als erstes traf die Polizei ein. Kurz danach die Rettung und dann erst der Hubschrauber. Der Ernst der Lage wurde immer klarer. Andere Motorradfahrer hielten bereits an und halfen die Unfallstelle zu sichern oder waren dazu da, um die Infusionen für Michi zu halten. Michi wurde aus der Montur geschnitten. Ich wich nicht von seiner Seite, sprach mit ihm und hielt ihm die Hand. Nach einer Stunde Erstversorgung an der Unfallstelle wurde er in den Hubschrauber gebracht. Ich fragte, ob ich mitfliegen darf und hatte Glück. Der Pilot stimmte zu. Michi lag vor mir im Hubschrauber. Ansprechbar, mit einer Sauerstoffmaske im Gesicht und bereits voller Schmerzmittel. Der Flug fühlte sich an wie eine mehrtätige Mission auf der ISS. Michis Gedanken verriet er mir ihm Nachhinein. „Wenn die Schraube vom Rotor zum Hubschrauber flöten geht, dann gehen wir alle drauf“. Er war also auch sehr um uns besorgt.
Die Not OP
Wieder am Boden gelandet wurde er sofort in einem Schockraum gebracht. Nach der ersten Einschätzung durch die Ärzte ging es weiter zur Not Operation. Über 4,5 Stunden hat es gedauert bis ein Arzt aus dem Saal kam und mir mitteilte, dass sie alles, was sie tun konnten, getan haben und es jetzt heißt abzuwarten. Ich fragte mehrmals, ob er es schaffen wird. Ausweichende Antworten, aber Hoffnung war da. Er wird wieder. Mehr wollte ich nicht hören. Nach einer weiteren Stunde durfte ich dann zu ihm auf die Intensivstation. Intubiert, vollgeklebt mit Elektroden und alles voller Leitungen, die in ihn oder aus ihm kamen. Ich stand 5 Minuten an seinem Bett. Drückte ihm nochmal die Hand und sagte, „Michi du hattest einen schweren Unfall. Die Ärzte haben gesagt du hast viel Blut verloren und musst dich jetzt erholen. Aber du wirst wieder. Erhol dich und ich komme wieder. Versprochen!“
Dann verließ ich die Station und begab mich nach draußen. Es war noch immer sehr heiß. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich in Bozen bin. Allein und die Batterie meiner Insulinpumpe kurz vorm Ausfallen. Bis auf Frühstück hatte ich den ganzen Tag nichts gegessen. Mein Taxi, mein älterer Bruder mit Freunden, war noch 2 h entfernt. Mir blieb nichts übrig als zu warten. Irgendwann um kurz vor Mitternacht wurde ich dann abgeholt. Gleich wurde ich mit einer neuen Batterie versorgt und bekam ein Lunchpaket. Dann fuhren wir retour ins Hotel. Dort hatte ich noch 2 Bier, bevor ich duschen und ins Bett ging. Nicht wissend, ob Michi die Nacht übersteht oder ob in der Früh ein Anruf am Telefon aufscheint das Unheil verkündet. Glücklicherweise kam es anders. Der Anruf kam, aber alles war gut. Die Nacht war überstanden. Der Rest würde sich in den nächsten Tagen zeigen.
Die Zeit danach
Die Tage danach waren immer gleich, aufstehen, frühstücken, zu Michi ins Krankenhaus gehen, ihm beistehen. Es dauerte 2,5 Tage, bis er wieder aus dem Koma aufgeweckt wurde. Wenigstens war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein. Unser Vater war nachgebracht worden von meiner Tante. Begleitet von unserer Mutter und seiner Freundin. Ich bin froh, dass nur mein Vater blieb und sonst niemand. Nach jedem morgendlichen Besuch ging es zum Mittagessen, dann zum Besuch und dann zum Abendessen. In der Zwischenzeit hielten wir alle Verwandten, Freunde und Bekannten am Laufenden und ich kümmerte mich um den Rücktransport. Nach über einer Woche ging es dann endlich nach Graz in die Heimat. Wo dann der eigentliche lange Rückweg für Michi beginnen sollte. Und auch den meisterte er. Es gab zwar Rückschläge, aber Michi ließ sich nie unterkriegen und so konnte er zurück ins Leben kommen und fand (s)ein neues Hobby. Oder verrückter.
Unser 17.06
Seit meiner Diagnose und dem Unfall von Michi, ist der 17.06 unser 2er Feiertag. Für ihn ein zweiter Geburtstag und für mich gibt’s Kuchen. Diabetes habe ich schon und den Teil mit der Amputation des Beines hat Michi erledigt. Damit haben wir alles abgedeckt. Wir feiern das selten, um ehrlich zu sein. Meistens bin ich Urlaub und Michi darf arbeiten. Wir holen das dann häufig nach. Grillen, chillen, und Bierli killen. Gemeinsam schauen dann auf unsere Erlebnisse zurück und sind froh, dass es uns so gut geht. Wir sind sehr ähnlich in unserer Art und Humor. Es kann dann schon vorkommen, dass wir vergessen die Bier zu zählen und rechtzeitig aufzuhören. Dann wanken wir nach dem einen oder anderen Bier, als ob uns beiden mindestens ein Bein fehlen würde. Was uns beide auch stark verbindet ist unsere Stärke mit Rückschlägen umzugehen und die positiven Dinge versuchen zu sehen.
Was ist daran positiv?
Vieles ist daran positiv. Michi kann nicht mehr mit dem falschen Bein aufstehen. Er wird sich auch kein Bein ausreißen nur um etwas zu erreichen. Wenn jemand fragt, ob es läuft, sagt er nein es humpelt. Und davon gibt es noch unzählige weitere Sprüche. Ich bin süß, auch wenn ich Sauer heiße. Ich antworte auf Fragen zu meinem Diabetes meistens mit dummen Antworten. Außerdem darf ich, nein ich muss sogar, legal dopen. Insulin steht auf der Dopingliste und ohne geht es bei mir nicht mehr. Auch hier könnte ich noch viele weitere Dinge anführen die ich als positiv beurteilen würde. Eines ist noch zu erwähnen. Michi hat seit neuestem einen Flaschenöffner in seinem Schaft. Man kann wunderbar Bier öffnen oder auch andere Getränke. Ist also nicht nur positiv sondern auch ein Partygag und kommt verdammt cool rüber.
Was wir beide als positiv empfinden ist unsere Neugier einfach immer wieder was auszuprobieren. Wir wollen anderen Mut machen und zeigen, dass auch Rückschläge nicht der Weltuntergang sind. Jeder von uns hat die Möglichkeit das Beste aus seiner Situation zu machen. Wenn wir es allein nicht schaffen, dann haben wir jemanden der uns helfen kann, oder wir suchen jemanden. Und haben wir keinen in unserem Bekanntenkreis dann suchen wir uns jemanden außerhalb. Irgendwie geht es immer weiter. Unser Leitspruch ist auch „Wenn der Kopf bis zum Hals in Scheiße steckt, dann lassen wir ihn lieber nicht hängen!“ Und so kommen wir immer voran. Die Richtung ist dabei egal. Wir möchten ein Vorbild sein und andere motivieren den Kopf nicht hängen zu lassen. Den egal was das Leben für dich bereit hält, du hast immer Möglichkeiten. Du kannst aufgeben, nachgeben oder Alles geben. Wir geben (fast) immer alles.
Auf die nächsten Jahre
Wir wissen beide nicht, was das Leben für uns noch bereithält. Wir wissen nur, wir werden es nehmen, wie es kommt, und uns gegenseitig zur Seite stehen und unterstützen, wo wir nur können. Es wird sicher die eine oder andere Meinungsverschiedenheit geben, bisher konnten wir noch alle lösen. Sei es durch direkte Aufforderung oder durch ein klärendes ruhiges Gespräch. Das meiste machen wir uns beim Kochen, Grillen und Bier trinken aus. Das hat bisher gut funktioniert und wird es auch weiterhin. Für uns ist klar, was auch immer passiert, es wird immer einen Weg geben, der für uns passt und den wir gemeinsam gehen bzw. humpeln können. Uns rennt nichts davon und falls doch, hole ich es ein und halte es fest 😉
Und damit beende ich den Beitrag für heute. Ich hoffe, er hat dir gefallen. Über ein Like, Kommentar oder wenn du es teilst, freue ich mich sehr. Wie gehst du mit Rückschlägen um? Feierst du auch einen zweiten Geburtstag oder irgendeine Diagnose wie Diabetes?
von Mauzi | Mai 16, 2025 | Beiträge mit Diabetes
Der 17.06.2015 war ein Tag der mein Leben für immer ändern sollte. Schicksalhaft und von Dauer wird das Bündnis sein, welches ich eingegangen bin. Nicht gerade freiwillig oder so, dass ich es mir ausgesucht hätte. Aber wie das so mit dem Leben ist. Es passiert einfach wenn man Pläne macht. Ich möchte dir von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum erzählen.
Wenn du dich jetzt fragst warum gibt es diesen Beitrag einen Monat früher, dann möchte ich dir sagen, dass der 17.06 ein besonderer Tag ist. Ich teile ihn mit meinem Bruder. Ihm ist auch etwas passiert. Am gleichen Tag nur 2 Jahre später. Und daher möchte ich um den 17.06 herum einen eigenen Beitrag schreiben.
10 Jahre Stoff und noch immer nicht high, …
Der Beginn
Nun sind es 10 Jahre, in denen ich darauf angewiesen bin, mir extern Insulin zuzuführen. Zu Beginn habe ich das noch mit Insulinpens gemacht. Zumindest ein Jahr lang habe ich mit den Insulinkugelschreibern, wie ich sie genannt habe, mir das Insulin injiziert. Und ich bin froh, dass ich keine Angst vor Nadeln habe. Ich hatte eher Angst die Nadeln würden nicht in meinen stählernen Körper eindringen und kaputt gehen. Das ist natürlich nicht so gewesen. Sie gingen durch meine Haut ins subkutane Fettgewebe wie ein heißes Messer durch Butter fetzt. Damit startete meine Karriere als Person mit diabetischem Hintergrund. Circa ein Jahr lang nutzte ich diese Technologie inklusive Fingerpiks, um den Blutzucker zu bestimmen. Vor 10 Jahren waren CGMs noch selbst zu bezahlen. Ich musste ein paar Wochen überlegen, bis ich mir dann endlich die Sensoren geleistet und in meine Gesundheit investiert habe.
Nicht nur das Anschaffen des CGMs (Kontinuierliche Glukose Messung) dauerte ein paar Wochen, sondern auch das Erlernen der Fertigkeiten, die ich für meinen neuen Alltag benötigte. Die ersten 2 Wochen war ich im Krankenstand und zu Hause. Bewaffnet mit einer Waage und einem DIN A3 Block mit unzähligen Lebensmitteln, lernte ich das Wiegen und Schätzen von Mahlzeiten mit Kohlenhydraten. Das war wichtig, um die Insulinmenge zu berechnen die ich mir dann in mein Hüftgold jagen musste. Zu Beginn durfte ich auch immer wieder ins Krankenhaus, um weitere Schulungen zu erhalten und meine Therapie anzupassen. Das Feintuning der Therapie war die Glasur, die zu meiner Selbsttherapie mit Diabetes notwendig war. Erst danach durfte ich wieder auf die Welt losgelassen werden. Und dann kam sehr schnell der Alltag retour. Nur mit dem Feature Diabetes. Mein treuer Begleiter der mich nicht mehr loslassen wird.
Meine Helferlein
Weil es nicht einfach ist sich alles zu merken durfte ich ab der Diagnose auch ein Tagebuch führen. Nicht so eines, was du jetzt vielleicht denkst. Ein Diabetestagebuch. Darin enthalten sind Blutzuckerwerte, Kohlenhydratmengen, Insulinwerte und sonstige Notizen. 2015 gab es aber schon Smartphones und Apps, die das erleichterten. Ich habe es zwar in Papierform gelernt, wechselte aber sehr schnell zu einer App-Lösung. Der größte Vorteil dabei war, dass ich die Mahlzeiten genau beschreiben und auch Lokale eintragen konnte. Damit wusste ich, dass ich im Lokal X, bei stets dem gleichen Gericht, meistens die gleiche Menge Insulin abgeben musste. Ich konnte im Tagebuch danach suchen und die Werte von damals mit den aktuellen vergleichen. Dementsprechend nahm ich dann die Anpassungen in der Insulinmenge vor. Nach wenigen Monaten war ich bereits sehr sicher im Schätzen von Mahlzeiten. Es fiel mir meistens leicht meinen Blutzucker gut zu kontrollieren.
Neben der App-Lösung und den selbst bezahlten CGMs gab es noch weitere wichtige Helferleins. Das waren meine Familie und meine Freunde. Stets besorgt um meine Gesundheit durfte ich häufig die gleichen Fragen beantworten. Das war zwar nervig, aber gut gemeint. Sie haben sich eben Sorgen um mich und meine Gesundheit gemacht. Egal was ich gemacht habe, es war immer wer an meiner Seite. Für den Fall, dass ich etwas vergesse und umkippe. So konnte ich bereits nach kurzer Zeit wieder in mein Training einsteigen und wurde am Rad oder laufend begleitet. Somit musste ich kein Zubehör schleppen. Den ersten Marathon mit Diabetes habe ich erst ein Jahr nach meiner Diagnose geschafft. Davor war ich zu faul. Aber damit war dann auch der Startschuss in (m)eine sehr sportliche Laufbahn erfolgt. Und was ich bis heute alles geschafft habe ist für mich unglaublich.
Und so ganz nebenbei glaube ich, dass die Diagnose Diabetes für mein Umfeld schockierender war als für mich. Manchmal bin ich der Meinung, dass meine Helferlein diejenigen waren, die meinen seelischen Beistand und meine beruhigenden Worte benötigt haben. Irgendwann haben dann aber alle erkannt, dass es mir gut geht und ich meinen Weg laufen werde.
Blutig messen vs. CGM
2015 bis 2016 durfte ich 8-mal am Tag blutige Messungen zur Bestimmung meines Blutzuckers durchführen. Diese Werte in einem Tagebuch erfassen und zur Kontrolle einmal im Quartal mitbringen. An das Fingerstechen musste ich mich gewöhnen. Alles andere war einfach. Das aber war nervig und tat auch häufig weh. Ich traf oftmals Stellen an den Fingerkuppen, die mich an die Decke springen ließen. Ich bin zwar nicht wehleidig, aber das war mies. Mein Entschluss fiel dann für das CGM-System aus. Es war bequemer, ich hatte 24 h Werte und das für 14 Tage am Stück. Kein lästiges Fingerstechen mehr und keine Luftsprünge an die Decke meiner Hütte. Auch wenn die Kosten selbst zu tragen waren, gönnte ich mir diesen Luxus für meine Gesundheit gerne. Meine Gedanken dazu waren, ich gebe genug Geld für Blödsinn aus. Dann investiere ich lieber in mich und meine Gesundheit. Eine gute Investition wie ich finde.
Seit dem verwende ich nur mehr CGM-Systeme und messe nur mehr manchmal blutig. Das dient dann zur Kontrolle und nicht weil ich wissen will wie schmerzhaft es ist sich in die falschen Stellen am Finger zu stechen.
Der Umstieg auf die Pumpe
Ein Jahr lang nutzte ich die Insulinpens für meine Therapie. Dann kam die Umstellung auf die Insulinpumpe. Der Grund war ein einfacher. Es gab eine medizinische Studie, bei der es notwendig war, eine Insulinpumpe zu tragen. Und die Studie wurde äußerst gut bezahlt. Nachdem ich gerade den Kaufvertrag für mein Reihenhaus unterschrieben hatte, kam die Studie auch recht. Zu Beginn war ich noch skeptisch wegen der Pumpe, aber diese Skepsis legte sich recht schnell. Nach der erfolgten Einschulung auf die Pumpe, musste die Therapie wieder adaptiert werden. Wochenlanges tüfteln wie Daniel Düsentrieb. Am Ende kam aber keine Mondrakete raus, sondern etwas viel Besseres. Eine nahezu perfekte Therapieeinstellung, welche mir sehr viel mehr Freiheit und Flexibilität in meinen Alltag gab. Ich war super happy und das Geld aus der Studie löste ein weiteres Dopaminfeuerwerk in meinem Oberstübchen aus. Eine neuronale Party trotz einer unheilbaren Krankheit.
4 Jahre lang durfte ich die Pumpe tragen. Dann lief der Vertrag aus und ich hatte das Recht auf eine neue Insulinpumpe. Wie das Leben so spielt, gab es eine neue Studie. Eine Studie wieder mit einer insulinpumpe. Doch dieses Mal war etwas ganz Besonderes dabei. Ich benötigte ein Smartphone, ein bestimmtes CGM, welche mittlerweile von der Krankenkasse bezahlt wurden und eine spezielle Pumpe. Die Besonderheit der Studie war ein neues System. Ein sogenanntes Hybrid-Closed-Loop System. Und das System war der Hammer.
Studie mit Hybrid-Closed-Loop
Diese Hybrid-Closed-Loop Studie ist ein Highlight von meinem 10-jährigen Diabetesjubiläum. Bereits nach wenigen Tage stellte ich zu meinem Entzücken fest was für ein Gamechanger dieses System sein würde. Ich war so begeistert davon, dass ich immer mehr mit dem System getestet habe. Ich wollte die Grenzen der Belastbarkeit dazu herausfinden. Ein Unterfangen, welches sich als unmöglich herausstellte. Die Studie ging über ein paar Monate und wurde sogar verlängert. Danach durften wir das System noch weiterverwenden. Wir Teilnehmer mussten lediglich das Pumpenmaterial selbst kaufen. An der Zeit das System zu testen, scheiterte es also nicht. Es scheiterte daran, dass es trotz der Neuartigkeit bereits sehr ausgereift und lernfähig war. Egal was ich auch probiert habe, der Algorithmus war darauf vorbereitet und konnte damit umgehen. Und so entschied ich zu Muttertag von mir zu Hause in unser über 50 km entferntes Wochenendhaus zu laufen.
Verantwortungsbewusst wie ich bin, habe ich vorher bei meiner Studienärztin nachgefragt, ob ich das auch machen darf. Sie war etwas überrascht, stimmte aber zu und war gespannt, wie es funktionieren würde. Mir ging es damit gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Diabetesmanagement nicht zufrieden während dem Sport. Doch dieser Lauf hat meine Einstellung dazu geändert. Mit meinen Kenntnissen über das System und den gesammelten Erfahrungen nahm ich vor dem Lauf ein paar kleinere Anpassungen vor. Dann kam der einfachere Teil. Das Laufen. Mein Ziel war es zumindest einen Marathon zu schaffen. Mental vorbereitet war ich nicht auf einen spontanen Marathon, körperlich war ich bereit das zu rocken. Also lief ich mit meinem Trinkrucksack und einer Menge Traubenzucker los. 4,5 Stunden später ließ ich mich abholen und die letzten Kilometer zum Haus bringen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich zum Essen zu spät gekommen wäre.
Begeistert vom System und der erbrachten Leistung berichtete ich meine Erfahrungen meiner Ärztin. Wir waren beide erfreut über das System und den spontanen Marathon. Damit war bewiesen, dass das System auch im Sport eine einwandfreie Unterstützung darstellt. Für die Studie war es irrelevant, dass ich das gemacht habe. Es war auch nicht gefordert. Allerdings brachte es erste Einblicke in die Zukunft, was alles noch leichter möglich sein wird. Der Ausblick damals ist heute der Standard. Nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Die Insulinpumpe von heute ist moderner und hat mehr Sexappeal. Der Algorithmus ist noch besser und meine Erfahrung machen es fast schon zum Kinderspiel mein Diabetesmonster täglich aufs neue zu zähmen.
Der Loop wird Salonreif
Dieser Hybrid-Closed-Loop, den ich testen durfte, wurde ca. 3 Jahre nach der Studie von der Firma Ypsomed AG (mylife Diabetescare) auf den Markt gebracht. Mit den Erfahrungen, welche ich während der Studie gemacht habe, konnte ich sofort im vollen Umfang starten. Eigentlich hätte ich noch eine Online-Schulung inklusive Tests dafür machen müssen, aber ich bin das umgangen. Ich hatte die Zugangsdaten aus der Studie noch und konnte das System ohne die geforderten Maßnahmen starten. War zwar nicht erlaubt bzw. gewünscht, aber manchmal breche ich die geltenden Regeln und gehe meinen eigenen kreativen Weg. Also habe ich das neue System sofort gestartet und gleich versucht es an seine Grenzen zu bringen. Eines habe ich sofort gelernt. Das System ist nicht an seine Grenzen zu bringen. Es sei denn ein technischer Defekt liegt vor. Das ist aber wie bei einem Auto. Funktioniert immer außer es wird etwas kaputt.
Mittlerweile habe ich das System seit über 3 Jahren im Einsatz. Dafür benötige ich noch für kurze Zeit ein Android Smartphone, aber bald läuft es auch auf iOS und damit benötige ich dann nur mehr ein Smartphone. Ich bezeichne mein Diabetes Smartphone als Diabetes Dashboard. Dafür bin ich auch bereit mein iPhone plus ein weiteres Smartphone herumzutragen. Lange wird es nicht mehr dauern und es reicht dann ein Smartphone. Der größte Vorteil von diesem System ist, dass es sehr diskret verwendet werden kann. Das trifft auf mich nur nicht zu. Ich gehe offen mit dem Thema Diabetes um und hoffe, dass ich vielen Mut machen und Hoffnung geben kann damit zu leben und das Beste daraus zu machen. Das System ist zuverlässig und funktioniert gut. Es eignet sich für ein Kleinkind über die Erziehungsberechtigten bis ins hohe Alter wenn man Technikaffin ist. Ich bin happy, dass es diese Entwicklung gibt.
Diabetesjubiläum feiern
Kann ich das jetzt feiern, dass ich seit 10 Jahren unheilbar krank bin? Klar warum sollte ich das nicht feiern können. Die Gründe dafür sind einfach und kann ich aufzählen.
- Diabetes hat mein Bewusstsein für meine Gesundheit geweckt
- Diabetes gibt mir die Motivation über mich selbst hinauszuwachsen
- Diabetes ist ein Teil von mir
- Tut nicht weh, schränkt nicht ein, ist unsichtbar
- Motiviert mich andere zu motivieren
- Ist nicht immer einfach zu handeln, aber ich lerne nie aus
- Es hätte mich schlimmer treffen können
- Ich bin dadurch messbar süß, auch wenn mein Name Sauer ist
- Lieblingssatz: „Ich kanns wegspritzen“ (vielseitig einsetzbarer Satz unabhängig von Diabetes)
Und aus diesen Gründen werde ich meine 10 Jahre mit Diabetes feiern, genießen und immer wieder Revue passieren lassen. Nicht nur ein treuer Begleiter mein Diabetes, auch ein Anker, der mich immer wieder mal auf den Boden der Tatsachen holt wenn ich zu übertriebenen Höhenflüge ansetze.
Die Zukunft
Was die Zukunft mit Diabetes bringt, wird sich zeigen. Es gibt viele Studien und die Forschung stoppt nicht. Es ist ein spannender Bereich der ständig Neues hervorbringt. Ich lasse mich überraschen, was alles noch auf mich zukommt, und werde an weiteren Studien teilnehmen. Meine Motivation andere zu motivieren und zu zeigen, dass Diabetes kein Hindernis ist, ist ungebrochen. Und irgendwann wird es heilbar sein. Da bin ich mir sicher. Und dann wird es spannend. Was mache ich dann ohne Diabetes? Hoffentlich wird mir nicht langweilig wenn ich nicht mehr mitdenken muss beim Essen und Trinken. 😉
Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen. Ich würde mich über das Teilen des Beitrags, Kommentare und Likes dazu fragen. Bis zum nächsten Mal 🙂
„Ich laufe nicht trotz Diabetes – ich laufe, weil ich es kann. Weil ich will. Und weil ich zeigen will, dass es geht.“ Missy Foy (Ultramarathonläuferin, Typ-1)
von Mauzi | Mai 6, 2025 | Beiträge mit Diabetes, Veranstaltungsbeiträge
Heute möchte ich den Wings for Life Run nochmal aufwärmen und berichten wie es war mit Schlapfen zu laufen und welche Blutzucker Eskapaden es gab. Viel Spaß beim lesen, kommentieren, liken und teilen.
In Schlapfen laufen
Warum läuft jemand überhaupt in Schlapfen? Um zu beweisen, dass es möglich ist? Weil derjenige einen Sponsor Vertrag mit dem Hersteller der Schlapfen hat? Weil er leicht verrückt ist und auf Schmerzen steht? Ich glaube hier könnten noch einige Fragen mehr stehen, also warum habe ich das gemacht? So ganz genau weiß ich das selber nicht. Ich war am Samstag vor dem Wings for Life Run bei einer Geburtstagsfeier, bei der ich immer wieder gefragt wurde, ob ich schon mal mit den Schlapfen einen Marathon oder ähnliches gelaufen bin. Das habe ich immer wieder verneint und meinte, dass das nicht möglich ist. Zumindest nicht ohne Blasen an den Füßen und vermutlich heftigen Schmerzen. Irgendwie hat mich die Frage dann aber doch beschäftigt. Wenn mich so etwas beschäftigt, dann ziemlich sicher so lange bis ich es probiert habe und weiß, ob es geht oder nicht.
Als ich munter wurde, dachte ich mir so: „Schei* drauf, ich probier es einfach. Geht ja um die Gaude und wenn es nicht mehr geht, hör ich auf.“ Ich schnappte mein Bierflaschenkostüm, packte meine Tasche und nahm erstmal meine Schlapfen in die Hand. Etwas skeptisch betrachtete ich sie und entschied mich einen Riemen mit einer Schnur anzubringen. Allerdings habe ich zuerst einen Sprint ohne Schnur über ca. 20m gemacht, um zu sehen, ob es überhaupt geht. Es fühlte sich ok an. Also nahm ich die Anpassung an den Schlapfen vor und fuhr mit meinem Bruder und Peter zum Red Bull Ring. Dort angekommen, nahmen wir alle ein isotonisches elektrolythaltiges Hopfengetränk zu uns und unterhielten uns wie wir die Schuhe noch stabiler machen könnten. Immerhin waren wir 2 Ingenieure und ein Diplomingenieur. Zwar nicht für das designen von Schuhen, aber im technischen Bereich.
Auf die Plätze, fertig, los …
Um sicher zu gehen, dass alles hält, wurde noch ein Tape angebracht und die Schuhe mit den Socken verbunden. Wir wurden zur Strecke gebeten, weil wir sonst den Start auch noch versäumen würden. Am Start angekommen begrüßten wir noch Arvid Auner und warteten gemeinsam auf den Startschuss. Punkt um 13 Uhr liefen wir los. Mein Bruder Michi, nahm sein Bein in die Hand und absolvierte die Strecken ohne Prothese auf Krücken. Gleich mal eine Steigung zum Aufwärmen. Ein Kaltstart und dann noch bergauf. Arvid meinte so um die 5 Minuten pro Kilometer wird er laufen. Für Peter und mich klang das passend. Die ersten Meter liefen wir gemeinsam. Beim ersten Abstieg am Ring, gingen mit uns aber die Pferde durch und wir beschleunigten auf unter 4:30 min/km. Arvid meinte er grooved sich bei seiner Pace ein und Peter und ich legten einen Zahn zu.
Bergab war unsere schnellste Zeit 3:18 min/km. Was erstaunlich schnell war. Der Grund war aber einfach. Ich musste so schnell laufen damit meine Schlapfen schneller waren als ich und an meinen Beinen blieben. Peter hielt locker mit. Gegenseitig motivierten wir uns und waren gut unterwegs. Beim Start/Zielbereich wurden wir immer wieder angefeuert und uns wurde Bier gereicht. Unser Bierfalschenkostüm wurde gefeiert. Wir wurden von der Menge angetrieben. So beflügelt liefen wir Runde um Runde und das sogar ohne Red Bull zu trinken. Wir flogen über die Strecke sozusagen. Ab und zu wurden wir von einem Cheering Car eingeholt und angefeuert. Generell war die Rückmeldung auf der Strecke und an der Seite sehr gut. Wir wurden für unser Outfit und für meine Schlapfen gefeiert. Wir hatten sichtlich Spaß dabei. Das Rennen lief sehr gut und am Ende konnten wir über 30 km verbuchen.
Wie sehen die Beine aus?
30 km sind schon in normalen Schuhen und mit einer Pace von 4:51 ohne Höhenmeter ganz gut. Wir hatten aber noch knapp 600 Höhenmeter zu laufen. Das ganze in meinen Puntiletten (Schlapfen von Puntigamer) war selbst für mich nochmal beeindruckender. Während des Laufs dachte ich mir, dass ich bestimmt viele Blasen und Druckstellen an den Füßen bekommen werde, aber dem war nicht so. Lediglich eine kleine Blase und 2 Druckstellen am rechten Fuß habe ich bekommen. Ansonsten gar nichts. Muskelkater auf Grund des geänderten Laufstils? Kater kann man das nicht nennen. Es war was zu spüren, aber ich bin über 30. Ich könnte mich auch beim Schlafen ungünstig hingelegt haben 😉 Mein Fazit zum Lauf in Schlapfen? Wozu in teure Laufschuhe investieren, wenn man in Schlapfen laufen kann? 😉 Ne Spaß, es ist nicht zur Nachahmung empfohlen. Das Training und der Laufstil sollten schon passen.
Würde ich nicht so viel trainieren und nicht so fit sein, hätte ich das nicht gemacht. Ich weiß jetzt, wie es ist in Schlapfen zu laufen. Es war zwar ganz lustig, aber ob ich es nochmal machen werde, weiß ich noch nicht. Die Kommentare zum Outfit mit den Schlapfen war positiv und hat die Leute zum Lachen gebracht. Um mehr ging es mir nicht. Und weil es beim Wings for Life Run geregnet hat, waren die Schuhe sogar die passende Wahl. Wenn sie für die Therme oder für zu Hause geeignet sind, dann funktionieren sie auch auf der Rennstrecke. Meinen Beinen und den Schuhen geht’s gut. Also auf zum nächsten Abenteuer.
Wie wars mit dem Diabetes?
Ganz anders als sonst. Positiv? Negativ?
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Beim Loslaufen warf ich einen letzten Blick auf meinen Blutzucker. Alles stabil, knapp 200 mg/dl. Super Startwert für die nächsten Kilometer. Da wir aber sehr schnell im Flow waren, habe ich gar nicht auf den Zucker geachtet. Es fühlte sich gut an und wir liefen einfach. Erst nach 25 km spürte ich einen beginnenden Hypo. Ich nahm mein Smartphone aus der Tasche und musste feststellen, dass mein Sensor sich abgemeldet hatte. „Keine Sensorwerte, warten Sie bis zu 3 Stunden!“ Stand auf dem Display. Naja, was solls, ich erkenne einen Hypo im Sport. Bei der Verpflegungsstation schnappte ich schnell etwas und wir liefen weiter. Weit würde es sowieso nicht mehr gehen, weil die fahrende Ziellinie bereits knapp hinter uns war. Den nächsten langen Anstieg schafften wir nur mehr zur Hälfte und dann war das Rennen zu Ende. Wir wanderten zurück zum Start und genossen unser Zielbier.

Sensorausfall bei WFL
Sensorwert vs. Körperwahrnehmung
Nach dem Rennen fuhren wir nach Hause. Wir lieferten Peter bei ihm ab und Michi und ich fuhren heim. Daheim angekommen bestellten wir uns was vom Chinesen. Mein Sensor schien wieder zu funktionieren. Die Werte passten zu meiner Wahrnehmung. Nachdem Essen ging ich relativ bald ins Bett. Ich war ziemlich müde. Mein Sensor hatte eine andere Idee für mich. Permanent ging ein Alarm los. „Bald niedriger Wert“ „Bald niedriger Wert, dringend!“ Schlafen war also nicht. Ich organisierte mir ein Twix und ging mit meinen zwei Schokoschnitten zurück ins Bett. 2-3 Bissen und weiterschlafen. Falsch gedacht. Schlafen war nicht möglich. Ich bekam Durst und musste dauernd aufs WC. Sehr nervig. Nach dem 3 Mal trinken und entleeren entschied ich mich blutig meinen Zucker messen zu gehen. Sensorwert 53 mg/dl, blutige Messung 580 mg/dl !!! Heftiger Unterschied. Dann war mir aber klar warum ich mich so mies gefühlt habe.
Sofort kalibrierte ich den Sensor. Keine Chance das zu richten. Ich musste ihn tauschen. Es war eh schon 3 Uhr morgens und ich habe so gut wie nicht geschlafen. Sensortausch. 9,5 Insulineinheiten Korrektur. Nachdem ich nicht schlafen konnte, nahm ich noch ein paar Messungen vor und sah zu wie mein Blutzucker sich wieder in den Normalbereich bewegte. Dann war ich so erleichtert, dass ich doch noch 15 Minuten eingeschlafen bin. Ich bin ein Fan von der Technik im Bereich Diabetes. Was ich aber auch sagen möchte ist, dass es wichtig ist sich nicht zu 100% darauf zu verlassen. Sie kann Fehler haben oder mal ausfallen. Dann muss ich wissen, was ich tun muss bzw. kann und es dementsprechend korrigieren. Mittlerweile läuft alles wieder gut. Mir geht es gut und mein Blutzucker hat sich eingependelt. Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser!

schwarze Punkte = Sensorwerte
rote Punkte = blutig gemessen Werte am durch Fingerstich
blaue Linie = Basis Insulinversorgung
blaue punktierte Linie = programmierte Basis Insulinversorgung
gelber vertikaler Balken = Ease-Off Modus
graue Kästchen mit Werte .. g = konsumierte Kohlenhydrate
blaue Kästchen mit Werten .. IE = abgegebene Insulineinheiten (Bolus oder Korrektur)
Fazit
Mein Fazit vom Wings for Life Run ist dennoch ein positives. Es war sehr lustig mitzulaufen und Kilometer für die zu sammeln die selbst nicht laufen können. Ich weiß nun auch wie es ist in Schlapfen zu laufen. Und nach knapp 10 Jahren Diabetes bin ich froh, dass ich eine geschärfte Wahrnehmung für meinen Körper habe. Ich weiß ohne Sensorwerte wann sich ein Hypo oder Hyper anbahnt und was ich dagegen unternehmen kann. Die Technik ist gut, aber es ist auch wichtig sich selbst zu kennen. Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist und nichts weiter passiert ist. Wie war dein Wochenende? Warst du auch beim Wings for Life Run? Oder hast du Diabetes und schon mal was ähnliches erlebt? Schreib es in die Kommentare, oder lass doch ein Like da, ich freue mich auch wenn du den Beitrag teilst. Übrigens findest du mich auch auf Instagram.
von Mauzi | Apr. 24, 2025 | Beiträge mit Diabetes
Die Frage ist berechtigt. Vor allem habe ich sie mir vor fast 10 Jahren auch schon gestellt. Was ich in der Zwischenzeit schon alles erlebt habe, möchte ich hier mitteilen. Zumindest einen Teil davon.
Unmögliche Dinge mit Diabetes
Als Neuling mit Diabetes wurde ich wirklich oft mit Sachen konfrontiert, die ich vermeintlich nicht mehr darf. Irgendwie wussten alle besser Bescheid als ich, hatten aber genau keine Ahnung. Ich kann nicht mehr Sport treiben, ich könnte unterzuckern umkippen und sterben. Ich darf keine Torte mehr essen, ich könnte umkippen und sterben. Ich darf dieses und jenes nicht mehr… genau, ich könnte umkippen und sterben. Tja da war ich dann mal vorsichtig. So ungefähr 3 Minuten. Das war die Zeit, die ich vom Arzt zu meinem Rad benötigt habe, um zurück ins Büro zu kommen. Dann futterte ich nochmal ordentlich rein und begab mich etwas später ins Krankenhaus (Kurzversion überspitzt dargestellt). Dort wurde mit den Einschulungen gestartet und wenige Tage später durfte ich heim. Alles, was ich aus dem Krankenhaus mitgenommen habe, war. Zwei Wochen nach der Diagnose einen Halbmarathon zu laufen ist möglich, aber nicht sinnvoll.
Was ist dann nicht möglich mit Diabetes? Ich bin so frei eine sicher nicht vollständige Liste zu erstellen was unmöglich ist mit Diabetes. Wenn du Lust hast, kannst du in den Kommentaren gerne deine unmöglichen Diabetesthemen ergänzen. Ich würde mich freuen.
Liste der Unmöglichkeiten
- Steine essen, konnte ich schon ohne Diabetes nicht. Also nichts neues.
- Unter Wasser atmen, konnte ich wenig überraschend auch schon davor nicht. Ich bin nicht Aquaman, oder doch? 😉
- Fliegen wie ein Vogel. Wahnsinn, dass das nicht geht, oder? Kannst du das?
- Mit dem Kopf nicht nur sprichwörtlich durch die Wand gehen, sondern tatsächlich. Klappt nicht. Ich habs probiert und es endete in einer Platzwunde. Allerdings segelte ich problemlos durch eine Glastür, ohne mich dabei zu verletzen. Lustige Geschichte, aber ein anderes Mal vielleicht.
- Gift schlucken. Habe ich nicht probiert soll könnte aber tödlich enden.
- Einen Tisch verspeisen, ganz ehrlich wer würde das wollen?
- Die Elemente beherrschen und manipulieren wie in Filmen.
Ich bin mir sicher diese Liste lässt sich super ergänzen. Also hau deine Unmöglichkeiten mit Diabetes in die Kommentare.
Was aber wirklich unmöglich ist, ist auf Insulin oder andere Medikamente zu verzichten die verordnet werden. Diese sind lebensnotwendig. Wenn ich mein Insulin absetze, die Pumpe entferne dann ist das eines der Dinge, die mein Leben vorzeitig beenden können. Und ehrlicherweise hänge ich an meinem Leben wie an meiner Pumpe. Dann kommen wir zum dem Teil mit, ist mit Diabetes wirklich alles möglich?
Mögliche Dinge mit Diabetes
Tja vielleicht fragst du dich, was ich getan habe als ich erfuhr, dass der Halbmarathon 2 Wochen nach meiner Diagnose nicht möglich ist? Ich habe gefragt, ob der Marathon 3 Monate später dann möglich ist. Die Antwort war: „In drei Monaten wissen Sie über Diabetes besser Bescheid und was sie tun können als wir.“ Fand ich spannend. Beim Autofahren nach 100.000 km hat man im Straßenverkehr fast alles erlebt, was es so gibt. Und dafür habe ich Jahre benötigt. Ich denke mal, der Arzt hat das sportlich betrachtet gekürzt, um mir Mut zu machen. Er hat seinen Part damit ausgezeichnet erfüllt. Mein sportlicher Ehrgeiz war geweckt und ich war drauf und dran mein Diabetesmonster zu zähmen. So sehr, dass ich aufs Trainieren vergas. Das war der erste und einzige Marathon, den ich abgebrochen habe. Nicht des Diabetes wegen, weil ich eine faule Sa* war.
Von da an gings aber so bergauf, dass ich begonnen habe, einfach alles auszuprobieren wo andere sagten das ist unmöglich mit Diabetes. An dieser Stelle möchte ich dich auch gleich bitten die Liste in den Kommentaren zu ergänzen. Ich habe sicher nicht alles ausprobiert, was mit Diabetes möglich ist. Aber das ist meine Liste von Dingen, die ich probiert habe oder von denen ich weiß, dass sie möglich sind.
Liste der Möglichkeiten
Um ehrlich zu sein gibt es glaube ich nur sehr wenig, was mit Diabetes nicht funktioniert. Also könnte ich die Liste kurzhalten und schreiben, mit Diabetes ist alles möglich! Weil ich aber eine Liste versprochen habe, folgt sie nun.
- Einen Marathon laufen, das sind 42,195 km.
- 2 Marathons in 7 Tagen laufen.
- 4 Marathons in vier Wochen laufen, ja ich habs gemacht. Im gleichen Jahr wie das mit den 2 Marathons in 7 Tagen.
- Einen Ultramarathon laufen, die beginnen bei 50 km und mehr.
- Mehr als 75 km laufen.
- 9 Marathons in 9 aufeinander folgenden Tagen laufen.
- 10 Cordon Bleus in 10 aufeinander folgenden Tagen essen.
- Einen Marathon als Maskottchen laufen, habe ich Maskottathon genannt.
- Oma sagen, dass ich Gurken und Tomaten nicht mehr essen darf. Ich mag sie nicht, aber Oma merkt sich das nicht und damit habe ich das Problem gelöst.
- Party machen als gäbe es kein morgen.
- Sex, Drugs & Diabetes
- (Männer)Grippe überleben.
- Jede Menge Blödsinn erzählen.
- Ausgesprochen süß sein. Sogar messbar anhand von Sensorwerten.
- Und noch viel mehr.
Und nochmal weise ich darauf hin, erweitere die Liste und poste deine Liste der (Un)Möglichkeiten doch in die Kommentare. Ich würde mich sehr darüber freuen.
Heute lass ich es mal kürzer sein. Die Liste(n) werden bestimmt lange genug. Wie immer freue ich mich über Likes, Kommentare oder wenn der Beitrag geteilt wird 🙂 Nehmen gemeinsam Diabetes ein wenig den Schrecken, zähmen das Diabetesmonster und zeigen allen in der großen weiten Welt das mit Diabetes alles möglich ist. Denn wenn ich es kann, dann kannst du es schon lange. 🙂
Alles ist möglich, bis seine Unmöglichkeit bewiesen wurde.
Pearl S. Buck